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Schmerzhafte Rhizarthrose: Ursachen, Diagnose, Therapien | ABC-Z

Stand: 12.02.2026 10:24 Uhr
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Die Rhizarthrose ist eine fortschreitende und oft sehr schmerzhafte Arthrose des Daumensattelgelenks. Sie wird zunächst konservativ behandelt. Bei starken Schmerzen helfen neue OP-Techniken.

von Bernd Thomas

Schmerzen im Daumengelenk beim Greifen, beim Öffnen einer Flasche oder beim Aufschließen der Haustür: Das sind typische Symptome einer Rhizarthrose oder Daumensattelgelenk-Arthrose – der häufigsten Arthrose der Hand. Die degenerative Erkrankung verursacht oft starke Schmerzen und schreitet in den meisten Fällen fort. Frauen sind 10 – 15 mal häufiger betroffen als Männer und Rhizarthrose tritt vorwiegend in höherem Alter, meist ab 50 Jahren auf.

Daumensattelgelenk: Hohe und vielfältige Beweglichkeit

Die Daumen sind wahre Bewegungswunder. Wir können sie abspreizen, anwinkeln und anlegen und sie ermöglichen den wichtigen Pinzettengriff. Das Daumensattelgelenk spielt für diese Beweglichkeit eine entscheidende Rolle und gehört zu den am stärksten beanspruchten Gelenken unseres Körpers. Das Gelenk verbindet den Mittelhandknochen des Daumens mit dem großen Vieleckbein, einem der Handwurzelknochen. Eine Rhizarthrose (abgeleitet vom griechischen Wort rhiza für Wurzel und arthon für Gelenk) entsteht durch den Verschleiß und Verlust des Gelenkknorpels und damit der Gelenkstrukturen. Ist der Knorpel weg, reibt Knochen auf Knochen, es kommt zu Entzündungen der Gelenkschleimhäute.

Risiken für Rhizarthrose

Durch die starke Beanspruchung des Gelenks ist das Risiko von Fehl- und Überlastungen groß. Oft tritt die Rhizarthrose bei der weniger benutzten Hand sogar stärker und öfter auf. Leichte bis mittlere Belastungen des Daumens bei typischen beruflichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Nähen, Kochen oder Schrauben spielen dabei ebenso eine Rolle wie genetische Faktoren, das Alter und das Geschlecht. Rund jede dritte Frau über 50 Jahren ist betroffen. Ungefähr jede oder jeder dritte bis fünfte Patientin oder Patient hat eine Rhizarthrose an beiden Händen.

Dass Frauen besonders häufig eine Rhizarthrose entwickeln, liegt am schwächer ausgebildeten Bindegewebe und den elastischeren Bändern. Dazu kommen hormonelle Umstellungen während und nach der Menopause, die eine Arthrose der Finger- und Handwurzelgelenke ebenfalls begünstigen.

Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus und Fehlbelastungen nach Brüchen oder Traumata.

Symptome: Schmerzen im Daumengelenk und mehr

Obwohl mit fortschreitendem Alter die meisten Menschen Anzeichen einer Rhizarthorse entwickeln, kommt es nicht bei allen, sondern nur bei etwa einem Drittel zu typischen Symptomen und Schmerzen. Die beginnen an der Daumenwurzel und verstärken sich im Laufe der Jahre. Die Schmerzen treten bei einfachen Alltagsbewegungen auf, wie dem Aufschließen einer Tür, dem Öffnen einer Flasche oder eines Marmeladenglases oder sogar beim Schreiben mit Stift.

Weitere typische Symptome sind das Gefühl verminderter Kraft in der Hand und die Instabilität des Daumengelenks. Viele haben außerdem Probleme, ihre Hände weit zu öffnen. Schließlich kann es zu sichtbaren Fehlstellungen kommen. Bei fortgeschrittenem Verlauf sind selbst einfachste Bewegungen nur unter großen Schmerzen oder gar nicht mehr möglich.

Diagnose Rhizarthrose: Untersuchung und Bildgebung

Die Rhizarthrose ist eine sogenannte primäre Arthrose, das bedeutet, sie kann ohne Vorereignis oder Vorerkrankung entstehen und wird zum Beispiel auch nicht durch die Ernährung beeinflusst. Die Diagnose wird durch eine Untersuchung und eine Bildgebung des Daumensattelgelenks gesichert. Unterschieden werden vier Stadien:

Im ersten Stadium sind die Umrisse des Gelenks noch intakt, obwohl schon Schwellungen und leichte Verlagerungen des Daumens zu sehen sind. Der Gelenkspalt und die Gelenkstruktur verändern sich in den folgenden zwei Stadien zusehends – bis zur kompletten Zerstörung des Daumensattelgelenks, die das vierte Stadium kennzeichnet. Der Gelenkspalt ist verschwunden und es ist zu Veränderungen der Knochen gekommen.

Konservative und operative Therapien helfen

Neben konservativen Therapien, mit denen eine Rhizarthrose zunächst behandelt wird, gibt es inzwischen neue OP-Techniken, die nachhaltig helfen können. Und trotz allem für viele eine beruhigende Nachricht: Wer an Rhizarthrose leidet, hat dadurch nicht automatisch ein höheres Risiko, auch an anderen Gelenken eine Arthrose zu entwickeln.

Konservative Behandlungen bei Rhizarthrose

Ziel konservativer Therapien ist, den Verlauf zu verlangsamen, die Schmerzen zu bekämpfen und eine Operation im Optimalfall zu vermeiden. Ein wichtiger Baustein der multimodalen Konzepte ist die Physiotherapie. Sie zielt darauf ab Beweglichkeit und Funktion des Daumensattelgelenks zu erhalten und Fehlbelastungen/ Fehlstellungen zu vermeiden. Durch das Tragen maßgefertigter Orthesen wird das Gelenk ruhiggestellt und entlastet. Durch Ultraschall, Reizstrom und funktionelle Übungen werden Muskeln gelockert und der Stoffwechsel angeregt, was hilft, Schmerzen zu reduzieren.

Dabei setzt die Therapie auf Heimübungsprogramme, die täglich ein- bis zweimal durchgeführt werden sollten. Um die Symptome nicht zu verstärken, sind die Belastungen dabei sehr gering. Außerdem bekommen Patientinnen und Patienten Hilfsmittel für den Alltag, mit denen sich schmerzhafte Belastungen vermeiden lassen, wie zum Beispiel beim Kartoffelschälen, Flaschenöffnen oder Schreiben.

Medikamente und andere Therapieoptionen bei Rhizarthrose

Gegen Schmerzen der Rhizarthrose werden sogenannte NSAR, nichtsteroidale Antirheumatika, eingesetzt, zu denen viele bekannte Wirkstoffe zählen. Auch Kortison und Anästhetika können direkt in die Gelenke gespritzt werden, um Schmerzen und Entzündungen zu bekämpfen, ebenso wie Hyaluronsäure.

Weitere mögliche konservative Therapien sind Stoßwellentherapie, Magnetfeld- und Lasertherapie. Auch die Radiosynoviorthese, kurz RSO, bei der radioaktives Material in das Gelenk injiziert wird, um Entzündungen der Gelenkschleimhäute zu bekämpfen, kann bei leichter bis moderater Rhizarthrose helfen.

Neue Operationstechnik: TEP-Gelenkersatz

Ist die Erkrankung fortgeschritten, ist eine OP meist der letzte Ausweg. Es stehen zwei unterschiedliche OP-Techniken zur Auswahl: Seit wenigen Jahren neu ist das Verfahren, bei dem – ähnlich wie bei der Hüfte – das Gelenk mit einer Totalendoprothese, kurz TEP, komplett ersetzt wird. Das Verfahren, bei dem speziell entwickelte Gelenkprothesen zum Einsatz kommen, hat – wie die Experten Prof. Elias Volkmer, Chefarzt der Handchirurgie des Helios Klinikums München West und Prof. Martin Jung, ärztlicher Direktor der Orthopädischen Chirurgie München (OCM), erklären – zu einem Paradigmenwechsel in der operativen Therapie der Rhizarthrose geführt.

Totalendoprothese: Rasche Heilung und gute Erfolge

Beim Gelenkersatz handelt es sich um sogenannte Doppelkopfprothesen. In das große Vieleckbein, dem unteren Knochen des Daumensattelgelenks der Handwurzel, wird eine in sich bewegliche Gelenkpfanne eingesetzt. In den oberen, ersten Mittelknochen des Daumens wird das Gegenstück, ein Schaft mit Kopf, implantiert. Nach rund sechs Wochen ist das neue Gelenk voll eingewachsen. Viele Patientinnen und Patienten sind aber oft schon wenige Tage nach dem Eingriff schmerzfrei.

Langzeitdaten zu dieser Totalendoprothese liegen noch nicht vor. Trotzdem lassen sich nach Einschätzung der Experten durch die neue OP-Technik gute und bisher nachhaltige Erfolge erzielen, was Schmerzfreiheit, Beweglichkeit und Haltbarkeit im Alltag betrifft.

OP-Methode bei Rhizarthrose: Entfernung des Vieleckbeins

Die neue Methode hat einen weiteren Vorteil: Sollte es trotz des Eingriffs zu nochmaligen Beschwerden und Schmerzen kommen, kann danach immer noch das ältere Standardverfahren durchgeführt werden. Dabei wird das große Vieleckbein, der untere Handwurzelknochen des Daumensattelgelenks, komplett entfernt und der darüberliegende Mittelhandknochen mit einer Sehnenaufhängeplastik stabilisiert.

Der Vorteil ist, dass kein Fremdmaterial genutzt wird. Demgegenüber steht der große Nachteil, dass es nach dem Eingriff bis zu einem Jahr dauern kann, bis die Patienten schmerzfrei sind. Wichtig ist deshalb immer: Beratung, Planung und Durchführung einer Operation sollte in ausgewiesenen, spezialisierten Zentren erfolgen, um abzuklären, welche Methode im individuellen Fall die optimale Versorgung ist.

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