Schlägt Trump am Wochenende los? | ABC-Z

Im Nahen Osten verdichten sich die Zeichen für einen neuen Krieg. Die US-Regierung hat nach der jüngsten Runde der Atomverhandlungen zwischen Washington und dem Iran deutliche Signale in Richtung Teheran gesendet, sich zu bewegen – oder gegebenenfalls militärische Konsequenzen zu spüren zu bekommen. Regierungssprecherin Karoline Leavitt sagte, es gebe viele Argumente, die man für einen Angriff anbringen könnte. Zugleich bekräftigte sie aber, dass Diplomatie immer die erste Wahl Donald Trumps sei. Für den Iran wäre es „sehr klug“, ein Abkommen mit dem US-Präsidenten zu treffen, sagte Leavitt.
Trump selbst deutete ebenfalls Pläne für einen Angriff an, sollte es nicht zu einer Einigung im Atomstreit kommen. Am Mittwoch wandte sich der US-Präsident mit scharfen Worten gegen die geplante Rückgabe der strategisch wichtigen Chagos-Inseln im Indischen Ozean von Großbritannien an Mauritius.
Trump schrieb auf seiner Online-Plattform Truth Social, sollten die USA bei einem Scheitern der Atomgespräche den Iran angreifen, würden die US-Streitkräfte womöglich den gemeinsam mit Großbritannien genutzten Militärstützpunkt auf der Chagos-Insel Diego Garcia nutzen. Sollte Teheran sich einer Vereinbarung im Atomstreit widersetzen, müssten die USA womöglich einen Angriff eines „höchst instabilen und gefährlichen Regimes“ verhindern.
US-Militär offenbar zum Angriff bereit
Die US-Fernsehsender CNN und CBS berichteten unterdessen, das US-Militär sei bereit, bereits am kommenden Wochenende Angriffe auf den Iran zu fliegen. Präsident Trump habe aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Das Weiße Haus wäge derzeit die „Risiken einer Eskalation und die politischen und militärischen Folgen einer Zurückhaltung“ ab, berichtete CBS.
Das US-Nachrichtenportal „Axios“ zitierte ebenfalls namentlich nicht genannte Quellen, wonach die US-Regierung näher vor einem großen Krieg stehe, als den meisten Amerikanern bewusst sei. Er könne schon „sehr bald“ beginnen und würde „dramatische Auswirkungen“ auf die gesamte Region haben, hieß es.

Auch in israelischen Medien wird über eine mögliche militärische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran spekuliert, die demnach schon in den nächsten Tagen beginnen könne und wohl mehrere Wochen dauern würde.
Das „Wall Street Journal“ berichtete, Trump sei bereits über seine militärischen Optionen unterrichtet worden. Diese seien „alle darauf ausgelegt, maximalen Schaden anzurichten“, berichtete die Zeitung auf ungenannte US-Regierungsvertreter. Eine Option sei die „Tötung zahlreicher iranischer politischer und militärischer Anführer mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen“.

Laut dem WSJ haben die USA die größte Luftstreitmacht seit ihrer Invasion des Iraks im Jahr 2003 in der Region versammelt, was eine wochenlange Luftkampagne gegen das Mullah-Regime möglich mache. Die USA haben in den vergangenen Wochen ihre militärische Präsenz im Nahen Osten unter anderem mit dem Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ deutlich verstärkt. Inzwischen wurde ein zweiter Flugzeugträger in die Region entsandt. Auch weitere Kriegsschiffe, Luftabwehrsysteme und Jagdgeschwader befinden sich nach Informationen des WSJ bereits in der Golfregion.
Laut „Axios“ transportierte das US-Militär auf mehr als 150 Flügen Waffensysteme und Munition in den Nahen Osten. Zudem seien alleine in den vergangenen 24 Stunden weitere 50 Kampfflugzeuge dorthin aufgebrochen.

Die USA haben inzwischen zwei Flugzeugträger in die GolfGolfregion-Region entsandt.
© Federico Gambarini/dpa | Federico Gambarini
Iran bereitet sich auf Krieg vor
Am Dienstag hatte es in Genf eine zweite Runde an Verhandlungen zwischen Washington und Teheran unter anderem über Irans umstrittenes Atomprogramm gegeben. Der Iran dämpfte danach die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch. Außenminister Abbas Araghtschi sagte, der Weg zu einer Einigung habe begonnen. Aus US-Regierungskreisen hieß es, es seien zwar Fortschritte erzielt worden, es gebe aber noch viele Details zu klären.
Ein ranghoher US-Beamter sagte, die iranische Seite wolle in den kommenden zwei Wochen mit „detaillierten Vorschlägen zurückkommen, um einige der offenen Differenzen zwischen unseren Positionen zu klären“. Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Irans Regierung zeigt sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Andere Themen wie eine Begrenzung seines Raketenprogramms schließt Teheran bislang aus.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi spricht während der Abrüstungskonferenz am europäischen Hauptsitz der Vereinten Nationen in Genf.
© Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa | Martial Trezzini
Die iranische Führung strebe ein Atomabkommen mit den USA an, bereite sich jedoch gleichzeitig eilig auf einen Krieg vor, falls die Verhandlungen zwischen den beiden Ländern scheitern sollten, berichtete das „Wall Street Journal“. Teheran verstärke das Militär, diversifiziere Entscheidungsbefugnisse, befestige die Atomanlagen und gehe verstärkt gegen Abweichler im eigenen Land vor. Die Maßnahmen spiegelten die Überzeugung der iranischen Führung wider, dass das Überleben des Machtapparates selbst auf dem Spiel steht, hieß es.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte zuvor noch die „Ausarbeitung eines Rahmens“ für die geplanten Fortsetzung der Gespräche angekündigt. Präsident Massud Peseschkian bekräftigte zwar, der Iran wolle „keinen Krieg“.
Er deutete aber an, dass Teheran die Forderungen Washingtons nicht erfüllen wird. „Seit meinem Amtsantritt bin ich der Überzeugung, dass auf Krieg verzichtet werden muss. Aber wenn sie versuchen, uns ihren Willen aufzuzwingen, uns zu demütigen und von uns zu verlangen, dass wir uns um jeden Preis beugen, sollten wir das hinnehmen?“, fragte er.
Gemeinsamer Schlag mit Israel erwartet
Sollte es zum Krieg kommen, dürften die USA wieder gemeinsam mit dem Verbündeten Israel vorgehen, zitierten „Axios“ und der US-Sender CNN informierte Quellen. Ein militärisches Vorgehen würde dabei umfangreicher sein als der von Israel geführte zwölftägige Krieg gegen den Erzfeind im Juni 2025, dem sich die USA angeschlossen hatten, hieß es.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Der Iran reagierte damals mit massivem Raketenbeschuss israelischer Städte, darunter auch Tel Aviv. Israel habe jetzt erneut seine Alarmbereitschaft erhöht und verstärke seine militärischen Vorbereitungen angesichts zunehmender Anzeichen für einen möglichen gemeinsamen Angriff der USA und Israels auf den Iran in den kommenden Tagen, zitierte CNN zwei israelische Quellen. Sollte es wirklich dazu kommen, könnte es die folgenreichste US-Militärintervention im Nahen Osten seit mindestens einem Jahrzehnt sein, schrieb „Axios“.
Wie aus Regierungskreisen in Washington verlautete, reist US-Außenminister Marco Rubio am Samstag kommender Woche nach Israel, um Regierungschef Benjamin Netanjahu zu treffen . Netanjahu, der erst vergangene Woche bei Trump in Washington war, vertritt im Atomstreit mit dem Iran seit langem eine harte Linie. Der jüdische Staat fordert, dass der Erzfeind auch das Arsenal ballistischer Raketen und die Unterstützung seiner Verbündeten in der Region herunterfährt.
Trump hatte dabei nach eigenen Worten darauf „bestanden“, dass die Verhandlungen mit Teheran weitergeführt werden, um herauszufinden, ob ein Deal möglich sei.
pcl/dpa/AFP





















