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Roche eröffnet neues Diagnostik-Innovationszentrum in Penzberg – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Um die Dimensionen des neuen Diagnostik-Innovationszentrums am Roche-Standort im oberbayerischen Penzberg zu ermessen, sollen Zahlen sprechen: Auf 23 000 Quadratmetern, was drei Fußballfeldern entspricht, forschen und entwickeln künftig an die 1000 Mitarbeitende des Biotech-Unternehmens an Testverfahren für verschiedene Erkrankungen wie Alzheimer oder Multiple Sklerose. Die Investitionssumme beläuft sich auf circa 300 Millionen Euro.

Der Hightech-Bau ist Teil von Roches langfristiger Investitionsagenda in Deutschland: Seit 2020 flossen mehr als 3,5 Milliarden Euro in die deutschen Roche-Standorte, davon etwa die Hälfte nach Penzberg. Zur Eröffnung des Zentrums, das nach Angaben des Unternehmens eines der modernsten Entwicklungszentren weltweit ist, kamen daher auch hochrangige Vertreter der Landes- und Bundespolitik.

Was für die Menschen, die in dem lichtdurchfluteten Gebäude arbeiten werden, am wichtigsten sein dürfte: die kurzen Wege, die den Austausch und die Kommunikation untereinander erleichtern. „Ich bin seit 20 Jahren bei Roche. Dieses Gebäude erlaubt mir eine ganz andere Art und Frequenz an Interaktionen als jegliche Gebäude davor“, sagt Center-Managerin Julia Riedlinger, die die Diagnostik-Forschung und -entwicklung in Penzberg leitet. Bislang waren die Mitarbeitenden auf 16 Gebäude auf dem Werksgelände verteilt – plus einem Außenstandort in München. Künftig arbeiten Biologen, Chemiker, Physiker, Laboranten, Data Scientists und andere unter einem Dach.

Das Atrium des Neubaus verbindet über sogenannte Brücken die Labore mit den Büroflächen. Die Begegnungs-Oasen werden von den Mitarbeitenden gerne zum schnellen Austausch genutzt.. (Foto: Harry Wolfsbauer)
Center-Managerin Julia Riedlinger ist sozusagen die Herrin im neuen High-Tech-Gebäude.
Center-Managerin Julia Riedlinger ist sozusagen die Herrin im neuen High-Tech-Gebäude. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Umzug läuft seit Oktober 2025. „In drei Monaten sind mehr als 4000 Geräte und 600 Mitarbeitende umgezogen“, sagt Riedlinger. Bis Juni dieses Jahres soll der Prozess abgeschlossen sein. Das Diagnostik-Innovationszentrum besticht nicht nur durch seine Architektur. „Prozesse sind größtenteils digitalisiert und automatisiert, sodass die Mitarbeitenden mehr Zeit für Forschung und Entwicklung haben“, erklärt Riedlinger.  Das führe schließlich dazu, dass die Produkte schneller den Patienten zur Verfügung stehen. Die Devise laute: „More time for science.“

Im Keller befindet sich die zentrale Logistik. Mussten die Forscher früher selbst neue Pipetten, Proben und mehr für ihre Arbeit im Lager holen, übernehmen dies nun zentrale Teams, die die Bestellungen über Förderbänder vollautomatisiert zu ihrem Bestimmungsort bringen. Im Untergeschoss von Europas größtem Diagnostik-Zentrum befindet sich zudem der „Cube“, ein ebenfalls vollautomatisiertes Lager. „Das Herzstück ist unser Probenlager, in dem bis zu 2,5 Millionen Proben gelagert werden können“, sagt Riedlinger. Das biologische Material wird bei minus 80 Grad aufbewahrt.

Michael Gerg, zuständig für die Antikörperentwicklung, erklärt im Automation Lab die vollautomatisierten und digitalisierten Abläufe.
Michael Gerg, zuständig für die Antikörperentwicklung, erklärt im Automation Lab die vollautomatisierten und digitalisierten Abläufe. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Testverfahren, die in dem Neubau von der Erforschung bis zur Marktreife entwickelt werden, sollen die frühzeitige Erkennung von Alzheimer und Multipler Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionskrankheiten ermöglichen. Therapien sind so zielgerichteter möglich. Roche hat bereits einen Test entwickelt, der eine Alzheimer-Erkrankung ausschließt. Ein weiterer soll nun als Pendant die Krankheit über eine Blutprobe nachweisen. Dies ermögliche eine deutlich frühere Diagnose, so Riedlinger.

Es gehe allerdings nicht allein darum, neue diagnostische Tests zu entwickeln. Auch die Qualitätskontrolle bereits eingeführter Verfahren sei ein wichtiger Auftrag. Denn sie müssten immer zuverlässig funktionieren – egal wo auf der Welt. Das sehe sie persönlich als Verpflichtung, sagt Riedlinger.

„Bayern hat Roche lieb“, sagt Markus Söder

In Anwesenheit des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, des Bundesinnenministers und Wahlkreisabgeordneten Alexander Dobrindt, der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, sowie Thomas Schinecker, Geschäftsführer der Roche-Gruppe, wurde das Innovationszentrum offiziell eingeweiht. „Unsere Investition in Penzberg ist ein klares Bekenntnis zum Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland“, sagte Schinecker.

„Indem wir Forschungsideen schneller in die Marktreife überführen, stärken wir gezielt die Wettbewerbsfähigkeit Europas und leisten einen wichtigen Beitrag zur resilienten Gesundheitsversorgung in einem zunehmend volatilen globalen Umfeld.“ Roche gehe in Vorleistung und erwarte, dass die Bundesregierung die richtigen Maßnahmen treffe, um das Ziel des Koalitionsvertrags zu erreichen: nämlich Deutschland zu einem führenden Pharma- und Biotech-Standort zu machen.

Durch nachhaltiges Energiemamangement im neuen Diagnostik-Innovationszentrum konnte der Energiebedarf um 70 Prozent im Vergleich zu Penzberger Roche-Laboren vor 30 Jahren gesenkt werden. Der Gebäudebetrieb läuft CO₂-frei .
Durch nachhaltiges Energiemamangement im neuen Diagnostik-Innovationszentrum konnte der Energiebedarf um 70 Prozent im Vergleich zu Penzberger Roche-Laboren vor 30 Jahren gesenkt werden. Der Gebäudebetrieb läuft CO₂-frei . (Foto: Harry Wolfsbauer)

Innenminister Dobrindt erinnerte an die Anfänge des „Medical Valleys“: „Innovation hat Tradition in Penzberg“, betonte er. Der Nonnenwald sei groß, sagte Dobrindt in Anspielung darauf, dass das Biotech-Unternehmen Roche seiner Ansicht nach weiter expandieren dürfe. Ministerin Bär erklärte, mit der Hightech-Agenda bringe die Bundesregierung „Deutschland technologisch auf das nächste Level“. Der Fokus liege auf sechs Schlüsseltechnologien, eine davon sei die Biotechnologie. Sie ermögliche sowohl moderne Therapeutika als auch innovative Diagnostik. „Diagnostik ist der Ausgangspunkt der modernen Medizin. Je genauer die Diagnostik, desto personalisierter die Therapie.“

Bayern hat Roche lieb“, sagte Söder in seinem Grußwort. Medizinische Forschung mache das Leben der Menschen länger und leichter. Auch wenn sie nicht immer sofort einen wirtschaftlichen Ertrag einbringe, sei sie wichtig für die Zukunft wie jede Form von Innovation.

Die Investitionen fließen laut Roche „in Innovationen für eine effizientere, patientenzentrierte und präventive Gesundheitsversorgung, in der die Diagnostik das Fundament der modernen Medizin ist“. Denn etwa 70 Prozent aller medizinischen Entscheidungen basierten auf diagnostischen Ergebnissen. Doch lediglich etwa drei Prozent der Gesundheitsausgaben fließen in diesen Bereich. „Gerade angesichts des steigenden Drucks auf die Krankenkassen ist eine frühe Diagnose jedoch der entscheidende Hebel, um Heilungschancen zu verbessern und die Kosten für weitere medizinische Versorgung zu senken“, erklärt das Unternehmen.

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