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Rechtsextremer Verlag „Der Schelm“: Durchsuchungen in Deutschland, Polen und Spanien | ABC-Z

Gegen das mutmaßliche Netzwerk des rechtsextremen Verlags „Der Schelm“ haben Ermittler am Mittwoch in fünf deutschen Bundesländern sowie in Polen und Spanien Durchsuchungen gestartet. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe der Deutschen Presse-Agentur sagte, geht es um den Verdacht, dass volksverhetzende, antisemitische und teils den Holocaust leugnende Schriften hergestellt, verbreitet, geliefert und gelagert worden seien. Nach Informationen des RBB richtet sich der Einsatz gegen mutmaßliche Betreiber und Unterstützer eines seit Jahren aktiven Vertriebsnetzes.

Die Maßnahmen laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der RBB berichtete, es werde in Deutschland an mehreren Standorten durchsucht; in Polen und Spanien gebe es zudem Einsätze im Rahmen der Rechtshilfe. In Deutschland wird an insgesamt acht Orten durchsucht. In Polen betrifft das demnach eine Druckerei, in Spanien eine Lagerhalle sowie Privat- und Firmenräume.

Nachdrucke aus dem Nationalsozialismus

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stehen 488 Fälle im Raum. Den Beschuldigten wird demnach vorgeworfen, zwischen 2022 und 2024 gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerke hergestellt, verbreitet, geliefert und vorrätig gehalten zu haben. Nach Informationen des RBB richten sich die Ermittlungen gegen sechs Männer und zwei Frauen deutscher Staatsangehörigkeit. Unter ihnen sollen sich Personen aus dem Umfeld von Druck, Gestaltung, IT und Logistik befinden.

Der Verlag „Der Schelm“ soll nach RBB-Recherchen seit mindestens zehn Jahren Nachdrucke antisemitischer Schriften aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie weitere rassistische und in Deutschland teils verbotene Veröffentlichungen über einen Onlinehandel vertrieben haben. In Polen wird dem Bericht zufolge eine Druckerei durchsucht, in Spanien unter anderem Lager-, Privat- und Firmenräume.

Im Fokus steht auch der mutmaßliche Betreiber des Verlags, ein aus Leipzig stammender Rechtsextremist, der sich seit Jahren in Russland aufhalten soll. Er werde per internationalem Haftbefehl gesucht und soll den Verlag dem Bericht zufolge von Moskau aus steuern. Die aktuellen Durchsuchungen gelten als zweiter Anlauf der Justiz gegen das seit Längerem beobachtete rechtsextreme Netzwerk.

11.000 Besteller aus verschiedenen Millieus

Bereits im Frühjahr 2024 hatte das Oberlandesgericht Dresden auf Antrag der Bundesanwaltschaft zwei Männer und eine Frau unter anderem wegen der Bildung einer rechtsextremistischen kriminellen Vereinigung verurteilt; zwei Urteile sind demnach noch nicht rechtskräftig.

Nach Recherchen des RBB reichte die Reichweite des Verlags weit über die eigentliche rechtsextreme Szene hinaus. Die in Estland registrierte Website soll demnach einen internationalen Kundenstamm mit mehr als 11.000 Bestellern umfassen, darunter bekannte Neonazis und andere einschlägig verortete Abnehmer.

Zugleich sollen die Käufer nicht nur aus dem extrem rechten Milieu stammen. Nach den Recherchen fanden sich darunter auch Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen. Mehrere Veröffentlichungen des Verlags sowie seine Internetseite wurden demnach bereits indiziert. Solche Schriften dürfen in Deutschland nicht offen beworben oder verkauft werden und sind nur eingeschränkt zugänglich.

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