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Putin droht mit Gas-Stopp: Jetzt fällt der EU ihre Heuchelei auf die Füße | ABC-Z

Putin droht mit Gas-StoppJetzt fällt der EU ihre Heuchelei auf die Füße

05.03.2026, 16:12 Uhr Ein Kommentar von Lea Verstl
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Putin kann bei jeder neuen Energiekrise wieder drohen – und die EU dumm dastehen lassen. (Foto: picture alliance / TASS)

Ein perfekter Moment, um Brüssel vorzuführen: Als der Krieg im Iran die Energiepreise hochtreibt, droht Putin, den Europäern den Gashahn zuzudrehen. So entlarvt er die Doppelmoral der EU. Denn die erlaubt noch Energiegeschäfte mit ihm – trotz der beschworenen Solidarität mit der Ukraine.

Mit seiner Drohung, den Gashahn zuzudrehen, entblößt Wladimir Putin die Achillesferse der EU. Seine Muskeln kann der russische Präsident jetzt spielen lassen, da der Krieg im Iran die Gaspreise bereits in die Höhe schießen lässt. Putin weiß: In dieser Gemengelage sorgen zusätzliche Drohungen aus Moskau auf den Energiemärkten für neue Unsicherheiten und Preissprünge. Besondere Genugtuung dürfte Putin die Gewissheit geben, Europas Inkonsequenz propagandistisch auszuschlachten: Seht her, das habt ihr Heuchler nun davon – ihr verurteilt den Krieg in der Ukraine, aber füllt weiter meine Kriegskasse mit euren Energiekäufen!

Und damit hat Putin völlig Recht. Wie kann das denn sein: Im vierten Kriegsjahr 2025 wurde aus den EU-Mitgliedstaaten insgesamt jeden Monat knapp eine Milliarde Euro für russisches Gas an Moskau überweisen laut Angaben des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA). Zugleich beteuern die meisten EU-Länder immer wieder, an der Seite der Ukraine zu stehen. Nur scheint die Solidarität nicht so weit zu reichen, Putin den Geldhahn ohne wenn und aber zuzudrehen.

Dabei hat Russland seinerseits den Gashahn nach Kriegsbeginn schon mal gedrosselt. Ein zuverlässiger Energielieferant handelt anders. Doch die Verantwortlichen in der EU-Kommission und in den europäischen Hauptstädten lassen sich davon offenbar nicht aus der Ruhe bringen. Vollständig beenden will Brüssel die russischen Gaslieferungen durch Gesetzesvorgaben erst bis Ende 2027. Bis dahin werden weitere Milliarden an den Kreml fließen – außer Putin beendet die Geschäfte.

Trump warnte Berlin vor Bau von Nord Stream 2

Die Situation ist nicht nur grotesk, sondern auch machtpolitisch eine Katastrophe: Wer soll die EU ernst nehmen, wenn sie noch abhängt von Entscheidungen eines Despoten, der sich am liebsten ganz Europa untertan machen würde? Mit ihrem Zaudern verzwergt die EU sich selbst. Weder Putin noch sein Amtskollege im Weißen Haus in Washington wird ihr so auf Augenhöhe begegnen. Denn Europas Stärke und Entschlossenheit sind in ihren Augen nur geheuchelt.

Dabei gab es so viele Warnungen, schon lange vor der Invasion: Auf keinen Fall sollten wir uns in der EU von Putins Energie abhängig machen! Der Adressat dieser Warnungen war vor allem Deutschland, das sich aber nicht belehren ließ. Auch Donald Trump warnte die Bundesregierung schon in seiner ersten Amtszeit, sie mache sich mit dem Bau der Pipeline Nord Stream 2 zur “Geisel Russlands”. Dann sanktionierten die USA Firmen, die am Bau beteiligt waren. Dabei dürfte Geschäftsmann Trump zwar zuvorderst das Interesse im Blick gehabt haben, mehr US-Gas an die Europäer zu verkaufen. Allerdings hatte er sicherheitspolitisch einen Punkt – und stellt die berechtigte Frage, warum die Amerikaner den europäischen Schutzschirm gegen Putin gespannt halten sollten, wenn der ein Geschäftspartner der Deutschen ist.

Immerhin: Heute bezieht Deutschland so gut wie kein russisches Gas mehr. Und insgesamt ist der russische Anteil an den Gaslieferungen in EU-Länder auf etwa ein Drittel bis ein Viertel des Vorkriegsniveaus gefallen. Aber Brüssel, Paris und Madrid kaufen noch immer fleißig Moskaus LNG. Da Gas im europäischen Netz gemischt und weiterverkauft wird, kann russisches LNG aus Belgien oder Frankreich indirekt auch in Deutschland ankommen. Beenden kann die Lieferungen nur – richtig – das EU-Verbot, das erst in knapp zwei Jahren greift. Bis dahin freut sich der Kreml über die Milliardeninvestments der Europäer in die russische Kriegswirtschaft, die eine direkte Bedrohung für den gesamten Kontinent darstellt.

Ganz klar: Mit ihrer völligrückständigen Energiepolitik gegenüber Russland bringt die EU nicht nur die Ukrainer, sondern auch die eigenen Bürger in Gefahr. Geopolitisch ist das völlig verantwortungslos, vor allem jetzt, da der Krieg im Iran die Energiepreise explodieren lässt. Putin kann bei jeder neuen Energiekrise wieder drohen – und die EU dumm dastehen lassen. Die Heuchelei hat für die Verantwortlichen Brüssel auch in anderer Hinsicht einen hohen Preis. Sie gibt nicht nur Putins Drohgebärden Munition, sondern auch EU-Skeptikern am linken und rechten Rand. Viele politisch Extreme sind zumindest indirekt mit dem Kreml verbandelt. Sie freuen sich schon, Putin den Rücken zu stärken – und bei einem Gas-Stopp zu feixen: Jetzt fällt der EU ihre Heuchelei auf die Füße.

Quelle: ntv.de

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