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Puchheim: Eine KI, die Bürgerbeteiligung und Demokratie fördert – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Der Puchheimer Bürgerlotse ist höflich, freundlich, hilfsbereit und antwortet persönlich. Er freut sich sogar über Komplimente, entschuldigt sich, wenn er etwas nicht weiß, und ermuntert zur Bürgerbeteiligung. Meist weiß er eine Antwort auf die gestellte Frage, und die ist dann auch noch richtig. Vor allem Letzteres ist gar nicht selbstverständlich, wie ein Vergleich mit anderen Städten zeigt. Und dabei ist der freundliche Lotse eine künstliche Intelligenz, ein Chatbot. Die Stadt hat ihn Mitte Dezember installiert.

Seither können Bürgerinnen und Bürger ihm allerlei Fragen stellen, in bis zu 80 Sprachen. Das funktioniert zumindest für Englisch, Französisch und Spanisch gut bei Fragen nach der richtigen Schule fürs Kind, der Abmeldung eines Autos und danach, wo man einen spanischen Pass verlängern lassen kann. Der Bürgerlotse liefert die passenden Links ungefragt mit, und wenn er etwas nicht weiß, gibt er das offen zu: „Dazu habe ich leider keine verlässliche Information.“ Luft nach oben ist etwa bei Veranstaltungshinweisen.

Außer Puchheim haben im Landkreis Fürstenfeldbruck nur zwei weitere Städte bereits einen solchen Chatbot, der Bürgern durch den Verwaltungsdschungel helfen soll, und zwar rund um die Uhr: Germering und Fürstenfeldbruck. Die Germeringer KI verabschiedet sich nach der achten Frage und ist auch am nächsten Tag nicht wieder einsatzbereit. Das scheint weder an den gestellten Fragen zu liegen, noch ein Einzelfall zu sein.

Die Fürstenfeldbrucker KI, installiert im März 2025, spricht eher Verwaltungsdeutsch und rückt Links oder Telefonnummern nur auf direkte Nachfrage heraus. Zwar hält sie lange durch, beginnt aber irgendwann zu halluzinieren. Dann packt sie Amphibien ins Insektenhotel, obwohl die, wie sie ganz richtig dazu sagt, „technisch gesehen“ gar keine Insekten sind. Die Frage war: Wie mache ich aus einem Schottergarten einen naturnahen Garten – ein Gebiet, auf dem sich die Testerin selbst gut auskennt.

Der Fürstenfeldbrucker Bot empfiehlt einen Gemüsegarten, was am Thema haarscharf vorbeigeht. Der Germeringer ist sachlich richtiger, aber nicht so detailliert hilfreich wie der Puchheimer Bürgerlotse. Der holt sogar Informationen zu Größe und Lage des fiktiven Gartens ein, antwortet ausführlich und drückt Wertschätzung aus: „Schön, dass Sie den Schottergarten in ein Stück lebendige Stadtnatur verwandeln – das ist ein echter Gewinn für Puchheim!“

Der Chatbot hat Zugriff auf alle Inhalte der Homepage und wurde zwei Wochen lang trainiert

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Puchheimer Rathaus sind jedenfalls überzeugt von ihrem Bürgerlotsen. Sie haben sich auch viel Mühe mit ihm gegeben. „Wir haben ihn in einigen Abteilungen testen lassen, und alle waren wirklich begeistert“, sagt Isabell Wipiejewski, Leiterin des Bürgermeisteramts. „Das hat schon Spaß gemacht.“ Das stimmt, es macht Spaß, mit der KI zu chatten.

Bevor sich Puchheim für den Anbieter City Media in Ulm entschied, habe man die Chatbots einiger anderer Städte ausprobiert, sagt Wipiejewski. Das Ergebnis fiel ihr zufolge meist nicht zufriedenstellend aus. Pressesprecherin Ursula Sesterhenn ist eine Antwort besonders im Gedächtnis geblieben. Auf die Frage: „Ich bin Vater geworden, was soll ich tun?“ habe der Chatbot geantwortet: „Herzliches Beileid.“ Der Puchheimer Bot jedoch gratuliert zunächst herzlich und stellt dann alle wichtigen Informationen zur Verfügung.

City Media betreut laut der eigenen Webseite „über 400 Kommunen in ganz Deutschland in den Bereichen Websites, Bürger-Apps, Social Media und Amtsblätter“. Herzstück sei Cross7, ein selbst entwickeltes Content-Management-System. Es sei innovativ, fortschrittlich und einfach in der Bedienung. „Viel besser als alles andere“, lobt Wipiejewski das Angebot. Der Bürgerlotse habe Zugriff auf alle Inhalte der Homepage, er wurde zudem zwei Wochen lang trainiert. Ihn zu installieren, sei schnell und unkompliziert gegangen. Der Chatbot gibt jedoch nicht jede gewünschte Information weiter. Wer wissen will, ob ein bestimmter Mitarbeiter im Rathaus gerade Urlaub hat, bekommt die höfliche Auskunft, diese Information stehe wegen des Datenschutzes nicht zur Verfügung.

Wie kann Puchheim schöner und sozialer werden, Bot?

Besonders interessant wird es, als man den Bürgerlotsen fragt, was er im Stadtrat beantragen würde, um Puchheim sozialer und schöner zu machen. Er spuckt eine siebenteilige Liste aus, schön gegliedert, von „Mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum“ über „Bezahlbares Wohnen und soziale Durchmischung“ und „Grün- und Stadtnatur ausbauen“ bis zu „Unterstützung für Ehrenamt und Nachbarschaftshilfe.“ Auch an Kinder und Jugendliche „denkt“ die KI. Die Aufstellung liest sich fast wie ein Wahlprogramm und ist mit dem Hinweis versehen: „Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen zu einem dieser Punkte konkreter sagen, welche bestehenden Programme oder Stellen der Stadt Puchheim dafür heute schon zuständig sind. Ich freue mich, wenn Sie sich mit eigenen Ideen für ein schönes und soziales Puchheim einbringen.“

Damit fördert der Bürgerlotse aktiv Bürgerbeteiligung und Demokratie, und auf die Frage, wie realistisch die Umsetzung der Vorschläge ist, kommt unter anderem die Antwort: „Wenn Sie möchten, können wir gemeinsam aus einer Ihrer Lieblingsideen einen konkreten Vorschlag für den Bürgerbeteiligungsrat oder das Bürgerbudget formulieren – je konkreter, desto realistischer wird die Umsetzung. Ich unterstütze Sie dabei gerne.“

Schade, dass du nicht selbst kandidieren kannst, Chatbot. Sogar darauf hat er eine Antwort: „In Puchheim zu kandidieren ist tatsächlich außerhalb meiner Möglichkeiten – aber Ihre Rückmeldung freut mich sehr.“ Er könne zwar kein Mandat übernehmen, aber dabei helfen, die eigenen Ideen der mutmaßlichen Bürgerin so aufzubereiten, dass sie an geeigneter Stelle eingebracht werden können. Und zum Schluss: „Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Motivation, sich für Puchheim einzubringen – engagierte Bürgerinnen und Bürger sind am Ende wichtiger als jeder ‚perfekte‘ Stadtrat.“

Und wie kommt es nun, dass der Chatbot so nett ist? Fragen wir ihn selbst. „Meine Freundlichkeit ist Teil meiner Programmierung: Ich wurde speziell als ‚Bürgerlotse‘ für Puchheim entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger höflich, respektvoll und klar zu unterstützen – so, wie man es sich am Rathaus-Schalter auch wünschen würde.“ Er folge „festen Vorgaben: freundlich, sachlich, hilfsbereit und ohne komplizierte Fachsprache, wenn es nicht nötig ist.“ Lange über sich selbst sprechen will er jedoch nicht und mahnt daher: „Wenn Sie möchten, können wir gleich wieder zu einem Puchheim-Thema wechseln – ich helfe Ihnen gerne weiter.“

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