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Psoriasis: Warum Schuppenflechte-Kranke noch immer Ausgrenzung erfahren – Freising | ABC-Z

Torsten Dibbert erinnert sich noch gut an die Zeit, als Psoriasis bei ihm zum ersten Mal auftrat. Er war damals zwanzig Jahre alt und hatte eine stressige Zeit, die Arbeit, der Sport, das Ehrenamt, was man alles so macht. Mit dieser Krankheit hatte er sich bis dahin nie beschäftigt: Er wusste zwar, dass jemand in der Familie an Schuppenflechte, wie Psoriasis auch genannt wird, erkrankt war. Aber das war es dann auch schon mit dem Thema. Bis sich plötzlich auf seiner Haut an manchen Stellen rote Flecken mit Schuppen bildeten. Dibbert ging zum Arzt, die Diagnose stand schnell fest. Die Fragen wurden allerdings nicht weniger, im Gegenteil. „Ich war da schon ziemlich alleine“, sagt er rückblickend.

Seit drei Jahren sitzt der Kranzberger im Vorstand des deutschen Psoriasis-Bundes mit Sitz in Hamburg, vor kurzem wurde er wiedergewählt. Der bundesweit aktive und gemeinnützige Verein engagiert sich für Menschen, die an Schuppenflechte erkrankt sind: Er setzt sich für ihre Interessen ein, bietet praktische Unterstützung in Form von Seminaren und Workshops, fördert die Forschung und den Informationsaustausch. Dibbert selbst leitet zusätzlich die Münchner Selbsthilfegruppe. Sein Ehrenamt übt der 54-Jährige parallel zu seinem Vollzeitjob als Coach und Berater in der ITBranche aus. „Ich will etwas zurückgeben“, sagt er. Er sei sowieso eine Person, die sich gerne ehrenamtlich engagiere. Dass er beim Psoriasis-Bund Menschen im Umgang mit der Krankheit helfen kann, sei seine große Motivation.

Laut dem Psoriasis-Bund sind in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen an Schuppenflechte erkrankt, was rund zwei Prozent der Bevölkerung entspricht. Bei Psoriasis handelt es sich um eine autoimmune, erblich bedingte und nicht ansteckende Hauterkrankung, die in Form von Schuppen und entzündlich geröteter Haut auftritt und schubweise verläuft. Typische Stellen sind der Kopf, die Ellbogen, die Knie und der Rücken. Die Krankheit ist nicht heilbar, aber heutzutage lässt sie sich zumeist gut behandeln. Die Lebenserwartung ist nicht direkt verkürzt, kann aber bei den schweren Formen durch Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen um wenige Jahre reduziert sein.

Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickelt im Laufe der Zeit eine Psoriasis der Gelenke, die sogenannte Psoriasis-Arthritis. Dibbert selbst, der keine Arthritis-Form hat, bekommt alle zwei Wochen ein Biologikum (Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen) in Form einer Spritze und kann so die Krankheit im Griff halten, obwohl Schübe aufgrund von Faktoren wie Stress oder Infektionen auch während der Therapie auftreten können.

Manche Erkrankte haben Hemmungen, ihre Haut zu zeigen

Nicht immer war es so. Denn wie oft in der Medizin, haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für Psoriasis mit der Zeit deutlich verbessert. Auch der Umgang mit der Krankheit habe sich geändert, betont Dibbert. Bis vor 2005 befand sich in der Musterbadeordnung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen ein Passus, der Menschen mit Psoriasis und anderen Hauterkrankungen diskriminierte und ihnen den Zutritt zu den Bädern nicht gestattete. Die Formulierung hat sich seitdem geändert, ganz weg ist die Stigmatisierung gegenüber den Betroffenen jedoch nicht.

Denn obwohl die Krankheit genetisch bedingt ist – was bedeutetet, dass die entzündeten Hautstellen und Schuppen keine gesundheitliche Gefährdung für andere Menschen darstellen –, werden die Betroffenen immer noch mit Vorurteilen und Ausgrenzung konfrontiert. „Leute ekeln sich davor oder haben Angst, angesteckt zu werden“, sagt Dibbert.

Das führe dazu, dass manche Erkrankte Hemmungen haben, ihre Haut zu zeigen, sie ziehen sich sozial zurück oder werden depressiv, was wiederum die Krankheit verstärken und einen neuen Schub verursachen kann. Den Psoriasis-Bund erreichen immer wieder Berichte von Badeverordnungen, die den Zutritt für Menschen verweigern, die an „anstoßerregenden“ oder „unästhetischen“ Hautveränderungen leiden – unabhängig davon, ob es sich um übertragbare Erkrankungen oder nicht handelt.

Dibbert sagt, auch das sei ein Grund, warum er sich einsetzte: damit die Betroffenen schneller an die Informationen kommen und nicht mehr von Ausgrenzung betroffen sein müssen. „Wenn’s keiner macht, dann passiert auch nichts“, sagt er über sein Engagement.

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