Protest gegen den Görli-Zaun: Osterhasen verteilen Görli-Schlüssel | ABC-Z

Es hat tatsächlich etwas von einer Ostereiersuche. Versteckt hinter einigen Schildern im Görlitzer Park baumeln die Schlüssel. Wer genau hinschaut, erkennt sie. Mit einer Kordel hängen sie an einem Zaun. Jede:r kann sich einen Schlüssel schnappen und sich damit jederzeit Zugang zum Park verschaffen, auch nachts. So die Idee.
Eine Gruppe von Anwohner:innen und Freund:innen setzt sich unter dem Namen Görli 24/7 gegen die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks ein. Das Team hat am vergangenen Wochenende eine österliche Aktion gestartet. An die Menschen im Park wurden Schokohasen verteilt – mitsamt Schlüsseln, mit denen sich die funktionierenden Tore des neuen Zauns um den Görli aufschließen lassen. Dabei handelt es sich um Kopien eines Generalschlüssels. Auf den Plattformen Tiktok und Instagram wurde ein Video der Aktion veröffentlicht.
Unterlegt mit fröhlicher Musik sind im Video zwei maskierte Personen abgebildet, die in Richtung Görli hoppeln. Sie tragen einen großen rosafarbenen Hasenkopf und Hasenöhrchen und in der Hand ein Körbchen mit den kleinen Überraschungen. Einigen Menschen, die im Park entspannen oder mit Freunden unterwegs sind, drücken sie jeweils einen Schokohasen samt Schlüssel in die Hand. „Görli-Schlüssel für alle“, steht im Video.
„Wie die meisten Anwohnenden findet auch der Osterhase den Zaun ziemlich scheiße“, erklärt Flo, die im Namen der Osterhasen am Dienstag die Aktion erklärt. „Deshalb hat er sich gedacht, dann mache ich es allen leichter, auch nachts in den Görlitzer Park reinzukommen.“ Am Wochenende habe der Osterhase einige Schlüssel, „auf jeden Fall mehr als eine Handvoll, aber weniger als 100“ verteilt oder zusätzlich im Park versteckt. Die Hoffnung sei außerdem, dass Menschen, die in den Besitz eines Schlüssels gelangt seien, diesen weiterverteilten. „Die Schlüssel sind duplizierbar“, bestätigte Flo.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will sich auf Anfrage der taz nicht zu der Aktion äußern. Auch die Frage, wie Kopien eines Universalschlüssels in Umlauf geraten konnten, lässt der Bezirk unbeantwortet. Martin Halweg, Pressesprecher der Berliner Polizei, erklärt: „Eine Prüfung unsererseits hat ergeben, dass nach jetziger Feststellung der Schlüsselbestand vollständig ist.“ Jedoch seien auch weitere Behörden im Besitz von Schlüsseln. Im Nachgang der Aktion seien außerdem keine konkreten polizeilichen Maßnahmen geplant. Man werde jedoch „insbesondere zu den Nachtdiensten darauf achten, ob die Tore verschlossen sind“, betont er.
Sind nur Bauschlüssel, sagt der Senat
Ohnehin würden die kopierten Schlüssel nicht mehr lange funktionieren, um sich Zutritt zum Park zu verschaffen, erklärt die Sprecherin von Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU), Petra Nelken. Im Moment seien an den Toren um den Görlitzer Park Bauschlösser angebracht. „Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, kommen dort Sicherheitsschlösser rein“, sagt sie.
Seit Anfang März schließt der Görlitzer Park seine Tore jeden Abend ab 22 Uhr, im Sommer ab 23 Uhr. Um Parkbesucher:innen vom Gelände auszuschließen, wurde ein Zaun mit 16 Stahltoren errichtet. Mehrere Jahre lang plante der Berliner Senat die Schließung, um laut Umweltsenatorin Bonde gegen Drogenkriminalität vorzugehen. Die Bezirksverwaltung sowie Anwohner:innen klagten gegen das Vorhaben. Mehrere linke Gruppen demonstrierten gegen die Schließung. Bislang erfolglos.
Aus Zahlen des Senats geht hervor, dass sich ein Großteil der dokumentierten Straftaten im Wrangelkiez, dem Reichenberger Kiez und Alt-Treptow außerhalb des Görlitzer Parks stattfinden. Auch die Initiative Görli 24/7 sieht in der Schließung nicht die Lösung für bestehende Probleme. Stattdessen schaffe die Politik Missstände wie Ungleichheit, Obdachlosigkeit und Gewalt, schreibt die Gruppe auf ihrer Website. Der Zaun um den Görli würde davon betroffene Menschen nur „weiter ausgrenzen, vertreiben und kontrollieren, anstatt die Verhältnisse zu ändern“, sagen sie.
Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, kommen dort Sicherheitsschlösser rein
Petra Nelken, Sprecherin der Umweltverwaltung
Die Schließung des Parks bedeute längere Wege nach Hause und den Verlust eines Schlafplatzes und Rückzugsorts für viele wohnungslose Menschen, erklärt Flo zudem. Statt des Zauns brauche es mehr sozialen Wohnraum, Konsumräume und eine bessere Gesundheitsversorgung. „Im Übrigen sind 800.000 Euro in die Überwachung des Zauns geflossen, die man für sehr viel wichtigere Sachen verwenden könnte“, sagt sie.
Der Zaun mit 16 Toren
Foto:
Florian Boillot
Bei der Osterhasenaktion handele es sich zwar um eine einmalige Sache. Allerdings plant Görli 24/7 weitere Proteste und Demonstrationen, „um zu zeigen, dass die Anwohnenden diesen Zaun nicht hinnehmen“, meint Flo. Derzeit laufe auch eine Klage der Anwohner:innen gegen den Zaun.
Am Ende bleibt der Schlüsselmoment aus: Die meisten Schlösser rund um den Görli wurden durch Protestaktionen bereits mit Sekundenkleber verklebt oder anderweitig blockiert. Die nachgemachten Schlüssel konnten keines der Schlösser, die die taz testen konnte, öffnen. Was im Video gut zu funktionieren scheint, klappt in der Realität nicht ganz.





















