Östrogenmangel: Symptome, Ursachen und Behandlung | ABC-Z

Stand: 01.04.2026 09:29 Uhr
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Östrogenmangel bedeutet, dass der Östrogenspiegel zu niedrig ist. Meist sind Frauen davon betroffen. Ursachen liegen beispielsweise in der Funktion der Schilddrüse. Was sind die Symptome? Was hilft?
Östrogene ist der Überbegriff für die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone. Dazu zählen vor allem Östradiol, Östron und Östriol. Östrogene werden überwiegend in den Eierstöcken gebildet, in der Nebennierenrinde und während der Schwangerschaft in der Plazenta. Wenn der Körper nicht genug Östrogen produziert und der Östrogenspiegel im Blut zu niedrig ist, liegt ein Östrogenmangel vor.
Frauen in den Wechseljahren leiden häufig unter einem zu niedrigen Östrogenspiegel. Aber auch schon eine junge Frau kann davon betroffen sein. Er kann sich beispielsweise in einem unerfüllten Kinderwunsch äußern. Auch Erkrankungen an Schilddrüse oder Nebennieren können Ursachen für einen Östrogenmangel sein.
Männer produzieren ebenfalls kleine Mengen an Östrogen. Allerdings bilden Frauen – abhängig vom Zyklus – bis zu 50-mal mehr. Daher sind überwiegend Frauen von einem Östrogenmangel betroffen.
Östrogen: Aufgaben im Körper
Mit dem Beginn der Pubertät produziert der weibliche Körper größere Mengen Östrogen. Der Botenstoff lässt unter anderem die Brüste wachsen und ermöglicht die Fortpflanzungsfähigkeit.
Zudem spielt Östrogen eine wichtige Rolle bei der:
- Steuerung des Menstruationszyklus und der Fruchtbarkeit
- Stabilisierung der Knochen, indem es den Knochenaufbau aktiviert
- Förderung der Gefäßgesundheit und Verbesserung der Durchblutung
- Steigerung der Kollagenproduktion, Elastizität der Schleimhäute
- Fettverteilung
- Beeinflussung von Psyche und Gedächtnis
Wenn bei Frauen ab etwa Mitte 40 die Wechseljahre beginnen, nimmt die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone ab. Zunächst sinkt der Progesteronspiegel, später auch der Östrogenspiegel. Das kann Symptome wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen auslösen.
Risikofaktoren durch Östrogenmangel
Fällt die schützende Funktion des Östrogens weg, steigt das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt).
Ein Mangel an Östrogen kann außerdem zu Unfruchtbarkeit führen, da das Hormon eine zentrale Rolle bei der geschlechtlichen Entwicklung und beim Eisprung spielt. Ohne ausreichend Östrogen kommt es zu keinem Eisprung oder die Einnistung einer befruchteten Eizelle wird erschwert. Für Frauen mit Kinderwunsch kann dies sehr belastend sein.
Symptome: Von Zyklusstörungen über Haarausfall bis zu Gewichtszunahme
Ein Östrogenmangel kann verschiedene Symptome hervorrufen, dazu gehören:
- Ein Östrogenmangel macht sich bei der Frau meist zuerst durch eine Zyklusstörung bemerkbar. Typisches Symptom ist eine unregelmäßige, schwache oder ganz ausbleibende Regelblutung.
- Besonders während der Wechseljahre führt der niedrige Östrogenspiegel häufig zu Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit.
- Weil Östrogen die Talgproduktion reguliert, wird die Haut bei einem Mangel oft trockener. Das kann Beschwerden wie Juckreiz und Unreinheiten verursachen.
- Die Schleimhäute der Scheide werden trockener. Das führt häufig dazu, dass die Scheide brennt und juckt. Scheidentrockenheit begünstigt Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Infektionen der Scheide.
- Der Mangel an Östrogen kann Haarausfall verursachen.
- Weil Östrogen den Appetit dämpft, führt ein Mangel häufig zu einer Gewichtszunahme. Auch kommt es zu einer Umverteilung der Fettmasse. An Oberschenkeln und am Gesäß wird vermehrt Fett eingelagert.
Ähnliche Beschwerden können bei der sogenannten Östrogendominanz auftreten. In diesem Fall überwiegen Östrogene im Verhältnis zum Hormon Progesteron.
Wie wird ein Östrogenmangel festgestellt?
Ein Östrogenmangel kann von einer Hausärztin oder einem Hausarzt festgestellt werden, ebenso von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen. Die Diagnose wird erstellt unter Berücksichtigung der Symptome, des Alters, der Zyklusphase und der Blutwerte. Ein Bluttest allein reicht dafür meist nicht aus. Von Bluttests aus dem Internet wird abgeraten.
Bei typischen Beschwerden in den Wechseljahren ist meist keine Blutuntersuchung erforderlich. Welche Werte als normal gelten, hängt von der jeweiligen Zyklusphase ab. In der ersten Zyklushälfte liegt die Konzentration von Östradiol im Blut meist zwischen 30 bis 90 Pikogramm pro Milliliter (pg/ml). Während des Eisprungs kann sie auf mehr als 530 pg/ml ansteigen. Nach der Menopause werden häufig Werte von weniger als 5 pg/ml gemessen.
Ursachen für Östrogenmangel: Wechseljahre, Schilddrüse, Nebennieren
Ein Östrogenmangel kann verschiedene Ursachen haben:
- Die Eierstöcke produzieren kein Östrogen oder arbeiten vermindert. Gründe dafür sind häufig die Wechseljahre (Klimakterium/Menopause).
- Der Östrogenmangel kann wegen einer Störung der Funktion der Eierstöcke auftreten. Ursachen dafür können sein: die Entfernung der Eierstöcke, Zysten, Tumore, Chemo- oder Strahlentherapie.
- Als weitere Ursache gilt die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, verlangsamt sich der Stoffwechsel. In der Folge kommt es zu einem Hormonungleichgewicht.
- Eine Schwäche der Nebennieren (Nebenniereninsuffizienz) kann einen Östrogenmangel zur Folge haben, weil sie indirekt an der Produktion von Östrogen beteiligt sind. Die Nebennieren produzieren unter anderem Vorstufen der Sexualhormone wie Dehydroepiandrosteron (DHEA), das im Körper zu Östrogen umgewandelt wird. Bei einer Nebenniereninsuffizienz wird dieser Prozess gestört.
- Zu wenig Östrogen wird außerdem produziert bei Untergewicht, Essstörungen (Anorexia nervosa) und extremer sportlicher Betätigung.
- Mögliche Auslöser einer gestörten Östrogenproduktion sind auch Medikamente wie Aromatasehemmer oder Antiöstrogene, die häufig in der Brustkrebstherapie eingesetzt werden.
Behandlung richtet sich nach der Ursache
Die Therapie zielt auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache des Östrogenmangels und richtet sich nach der Stärke der Symptome und dem Alter der Frau. Während der Wechseljahre wird ein ausgeprägter Östrogenmangel mit starken Beschwerden am häufigsten mit einer Hormonersatztherapie (HRT) behandelt.
Dabei wird der Hormonspiegel gezielt angehoben, mit einer Kombination von Östrogen und Gestagen, um Symptome wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen zu lindern. Die Behandlung erfolgt mit Tabletten, Pflastern, Gels, Salben, Vaginalringen oder Zäpfchen. Die HRT galt früher als umstritten. Heute wird sie weniger kritisch bewertet. Bei bestimmten Erkrankungen sollte die Hormonersatztherapie aber nicht angewendet werden, daher ist eine ärztliche Beratung dringend erforderlich.
Bei jungen Frauen mit Östrogenmangel hilft eine gezielte Hormontherapie mit Präparaten, die nur Östrogen enthalten. Wenn der Östrogenspiegel steigt, verbessern sich die Chancen, schwanger zu werden. Die Behandlung bedarf einer ärztlichen Verordnung.
Steckt eine Erkrankung hinter dem Hormonmangel, wird diese gezielt behandelt. Bei Schilddrüsenunterfunktion hilft der Wirkstoff L-Thyroxin. Bei einer Nebenniereninsuffizienz wird meist Hydrokortison verschrieben.
Östrogenmangel natürlich beheben
In leichten Fällen oder begleitend kann ein Östrogenmangel mit natürlichen Maßnahmen behandelt werden. Bioidentische Hormone auf der Basis des Pflanzenstoffs Diosgenin – etwa aus der Yamswurzel – können bis zu einem gewissen Grad helfen. Bioidentische Hormone haben auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
Die Inhaltsstoffe der Traubensilberkerze erhöhen den Östrogenspiegel nicht direkt. Kapseln oder Tabletten werden aber im Klimakterium bei Hitzewallungen erfolgreich angewandt.
Ernährung: Welche Lebensmittel sollte man bei Östrogenmangel essen?
Sojabohnen und sojabasierte Produkte, Hülsenfrüchte oder Rotklee enthalten Isoflavone, die eine leicht hormonartige Wirkung haben können. Diese Phytoöstrogene können die Symptome eines Östrogenmangels mildern, etwa Wechseljahresbeschwerden. Ihre Wirkung muss noch weiter erforscht werden. Ein zu niedriger Östrogenspiegel lässt sich jedoch nicht allein über die Ernährung beheben.
Um den Folgen eines niedrigen Östrogenspiegels nach der Menopause, etwa durch Osteoporose, vorzubeugen, ist eine ausgewogene, gesunde Ernährung wichtig. Dazu gehören kalziumhaltige Lebensmittel sowie Quellen von Omega-3-Fettsäuren wie fetter Fisch, pflanzliche Öle und Nüsse.
























