Polizei ermittelt gegen norwegischen Ex-Regierungschef – plante Urlaub auf Epstein-Insel | ABC-Z

Norwegen wird gerade von einer Reihe von Enthüllungen erschüttert. Während sich der Stiefsohn des norwegischen Kronprinzen in Oslo vor Gericht Vergewaltigungsvorwürfen stellen muss, geraten seit der neuesten Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten mehrere norwegische Politiker durch ihre Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik. Nun hat die norwegische Polizei auch Ermittlungen gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland eingeleitet.
Es bestehe der Verdacht der schweren Korruption, teilte die für Wirtschaftskriminalität zuständige Strafverfolgungsbehörde Ökokrim am Donnerstag mit. Die norwegische Zeitung „VG“ hatte unter Verweis auf die am vergangenen Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Dokumente berichtet, dass Jagland einen engen Kontakt zu dem verurteilten Sexualstraftäter gehabt habe. So habe Jagland einmal um finanzielle Unterstützung beim Kauf einer Wohnung gebeten. Dazu sagte Jagland der Zeitung, dass er alle Kredite für seine Immobilien von der norwegischen Bank DNB erhalten habe.
Epstein-Skandal: Norwegischer Ex-Regierungschef plante Urlaub auf Epstein-Insel mit Familie
Den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zufolge hielt Jagland sich 2018 bei Epstein in New York auf und 2015 und 2018 in Epsteins Wohnung in Paris. 2014 plante der ehemalige Ministerpräsident von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zudem einen Urlaub mit seiner Familie auf der Insel des US-Investors, die Reise wurde aber letztlich abgesagt.
Jagland war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident Norwegens und von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats. Von 2009 bis 2015 war er zudem Vorsitzender des norwegischen Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet. Am Sonntagabend räumte Jagland gegenüber der Zeitung „Aftenposten“ „Fehler in der Beurteilung“ Epsteins ein.
Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher Persönlichkeiten.

Norwegen: Schock über Freundschaft von Kronprinzessin Mette-Marit mit Epstein
Auch die norwegische Königsfamilie ist durch den Skandal in Bedrängnis geraten. Der Name der Kronprinzessin Mette-Marit, deren Sohn Marius Borg Høiby gerade in Oslo vor Gericht steht, taucht in den Epstein-Akten mehrere Male auf. Die Veröffentlichungen lassen eine gewisse Vertrautheit zwischen der Prinzessin und Epstein vermuten. Unter anderem fragte sie ihn in einer E-Mail, ob es „für eine Mutter unangemessen ist, als Bildschirmschoner für ihren 15-jährigen Sohn ein Bild von zwei nackten Frauen, die ein Surfbrett tragen, vorzuschlagen“.
Auch wurde durch die neuesten Enthüllungen eine der bekanntesten Diplomatinnen des Landes vorübergehend suspendiert. Das Außenministerium in Oslo suspendierte die Botschafterin Mona Juul für ihre Kontakte zu Epstein. Das Ministerium bemühe sich derzeit, „Licht in die Angelegenheit“ zu bringen. Juul amtierte früher als Norwegens Botschafterin bei den Vereinten Nationen, heute ist sie als Chefdiplomatin in Jordanien tätig.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Epstein soll im Verlauf der Jahrzehnte mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Der bereits 2008 verurteilte Epstein wurde 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.
mit afp





















