Aktivisten besetzen Bierpinsel in Steglitz – Polizei im Einsatz | ABC-Z

Am Samstagvormittag ist das Gebäude des Bierpinsel an der Schloßstraße in Steglitz von einer Gruppe von Aktivisten besetzt worden. Nach Angaben der Polizei sollen sich derzeit noch bis zu zehn Personen im Inneren des Turms aufhalten. Der Eigentümer, Götz Fluck, ist vor Ort und hat Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Wie ein Reporter von vor Ort berichtet, werden derzeit die ersten Personen von der Polizei aus dem Gebäude geführt. Rund um das Gebäude haben sich etwa 40 Unterstützerinnen und Unterstützer versammelt, die mit Transparenten ihre Solidarität mit den mutmaßlichen Besetzern bekundeten.
„Aktuell sind unsere Einsatzkräfte auf der Joachim-Tiburtius-Brücke in #Steglitz im Einsatz“, teilte die Polizei dann auf der Plattform X gegen 15.30 Uhr mit. „Hier soll eine unbekannte Anzahl an Personen in ein leerstehendes Gebäude eingedrungen sein. Zudem wurden Transparente an die Fassade angebracht. Derzeit sollen die Personen im Gebäude die Türen blockieren“, heißt es in dort.
Zunächst konnten die Beamten am frühen Nachmittag lediglich die Sitzblockade auflösen, die rund zehn bunt kostümierte Personen auf dem Treppenaufgang zum Turmgebäude veranstaltet hatten. Mit dabei: Anne (30), Vincent (22) und Milo (19) vom Aktionsbündnis Kieztauben, das sich gegen Kürzungen und Leerstand einsetzt. Alle drei haben von der Polizei einen Platzverweis bekommen, mussten ihre Position auf der Treppe zum Gebäude räumen. „Im Turm selbst sind aber noch viele von uns“, sagt Anne unserer Redaktion. Sie rechnet damit, dass die Räumung durch die Polizei noch „sehr lange“ dauern wird.
Bunt kostümiert: Vincent (22), Anne (30) und Milo (19, v.r.) von den Kieztauben haben von der Polizei einen Platzverweis bekommen.
© Berliner Morgenpost | Isabell Jürgens
Wie viele Personen im Turm sind, kann oder möchte Anne, die ein himmelblaues Einhorn-Kostüm trägt, nicht sagen. Die Mitarbeiter des „Pia“-Döner direkt unter dem Pinsel berichten, dass die ganze Aktion seit 12 Uhr läuft: „Zumindest haben wir vorher nichts davon mitbekommen“, sagt einer der Mitarbeiter.
Aktivisten fordern „selbstverwaltetes Gemeinschaftszentrum“
Am frühen Nachmittag haben sich dann rund 50 Unterstützer der Besetzung auf der Schloßstraße versammelt und verteilen Flugblätter. „Der Bierpinsel ist besetzt und wir fordern, dass er gemeinschaftlich genutzt werden kann“, steht dort. Seit vielen Jahren stehe der Turm leer und verfalle. Der aktuelle Eigentümer plane Büros, von denen in Berlin bereits viele leer stünden. „Wir brauchen keine Büros oder leerstehenden Geschäfte, sondern unkommerzielle Treffpunkte für den Kiez.“
Bierpinsel steht seit über 20 Jahren leer
Der Bierpinsel gilt seit Langem als Symbol für die Schwierigkeiten bei der Nachnutzung außergewöhnlicher Architektur in Berlin. Der 47 Meter hohe Bau, der in den 1970er-Jahren von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte entworfen wurde, steht seit über 20 Jahren weitgehend leer. Zwischenzeitlich war das Gebäude gastronomisch genutzt worden, zuletzt gab es einzelne Zwischennutzungen wie ein Kunstprojekt oder eine Diskothek.
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Seit 2021 gehört der Bierpinsel dem Immobilienunternehmen ImmoMa GmbH. Dessen Geschäftsführer hatte Anfang dieses Jahres angekündigt, das Gebäude sanieren und künftig gastronomisch sowie kulturell nutzen zu wollen. Konkrete Bauarbeiten haben bislang jedoch nicht begonnen. Kritikerinnen und Kritiker sprechen daher von „spekulativem Leerstand“.
„Bierpinsel für alle“ steht auf einem Banner der Protestanten.
© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Brandschutzmängel verhindern schnelle Interims-Nutzung
So einfach, wie von den Aktivisten dargestellt, ist die Situation jedoch nicht. Das seit Jahren leerstehende Gebäude, darf laut Erbbaurechtsvertrag – der Turm steht auf einem landeseigenen Grundstück – ausschließlich für Gastronomie genutzt werden. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hatte aber bereits im Sommer signalisiert, dass eine Änderung des Erbbaupachtvertrags möglich wäre, wenn ein schlüssiges Konzept vorläge. Götz Fluck, Geschäftsführer der ImmoMa GmbH hatte Anfang dieses Jahres ein Konzept vorgestellt, wonach die beiden untersten Etagen für einen universitären Betrieb angedacht sind. So könnten zum Beispiel Projekte der Forschung und Innovation in das Gebäude einziehen. In den anderen beiden Etagen ist demnach weiter Gastronomie geplant. Auf dem Dach soll eine Bar entstehen, ein sogenannter Rooftop Garden.
Zudem stellte Fluck in Aussicht, dass der knapp 50 Meter hohe Turm wieder seinen roten ursprünglichen Anstrich erhält. Seit 2017 steht der Bierpinsel unter Denkmalschutz. Zu den Auflagen gehört somit, die Originalfarbe wieder herzustellen.
Aktivisten kritisieren den Leerstand des ikonischen Bauwerks in Steglitz.
© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Ein weiteres Problem: Der jahrelange Leerstand hat seine Spuren hinterlassen – die sicherheitstechnischen Anlangen weisen Brandschutzmängel auf, wie ein Gutachten bereits vor 15 Jahren feststellte. Selbst eine nur temporäre Nutzung würde deshalb voraussetzen, dass Auflagen des Bezirksamtes abgearbeitet werden, die vor allem den Brandschutz und die Entfluchtung betreffen. Eine schnelle Beendigung des Leerstands ist somit nicht in Sicht.
Bis Redaktionsschluss am frühen Abend hielt die Besetzung an.














