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Paris: Umbau des Montparnasse-Turms und seine Kontroversen – Wirtschaft | ABC-Z

Wer nach oben will, muss unten suchen. Kein Schild weist den Weg, Zugänge sind verrammelt, Eingänge verschlossen. Als sich endlich eine Tür öffnet, springen drei Sicherheitsleute auf. Wie auf dem Flughafen muss man eine Kontrolle passieren, ehe man mit dem Aufzug binnen Sekunden in den 56. Stock und in eine andere Welt katapultiert wird. Paris zeigt sich in all seiner Pracht: Hier der Arc de Triomphe, da Sacré-Cœur und dort der Eiffelturm, der abends zu jeder vollen Stunde glitzert und blinkt wie ein Weihnachtsbaum.

Dieser Blick vom obersten Stockwerk des Hochhauses Tour Montparnasse ist überwältigend. Pariser sagen, er sei auch deshalb so beeindruckend, weil das der einzige Ort ist, von dem aus man das hässlichste Gebäude in der schönsten Stadt der Welt nicht sieht. Der 207 Meter hohe Turm prägt seit 53 Jahren die Skyline von Paris, er ragt heraus aus dem Häusermeer. Die Proteste nach der Fertigstellung waren so groß, dass das erdfarbene Monstrum ein Monolith blieb, die Hochhäuser an die westliche Stadtgrenze verbannt wurden, nach La Défense.

Revitalisierungsversuche gab es mehrere in den vergangenen 15 Jahren, sie blieben stecken im Streit zwischen Politik, Investoren und Architekten. So vergammelten der Turm und das Einkaufszentrum ringsum. Am belebtesten ist noch die Parkgarage. „Ich wollte diesen Schandfleck nicht meinen Nachfolgern überlassen“, sagte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, als sie Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Architekten Renzo Piano die Umbaupläne präsentierte. Die sozialistische Bürgermeisterin tritt bei den Kommunalwahlen am Sonntag nicht mehr an. Die Umgestaltung dieses ungeliebten Pariser Wahrzeichens sollte das letzte große Projekt in ihrer Amtszeit sein.

Nun soll die Struktur des Turms lichter und leichter, das Einkaufszentrum offener und transparenter werden. Die Fassade soll begrünt werden, ein Dachgarten entstehen, 151 Bäume sollen gepflanzt werden. Auf den Plänen und Modellen sieht es beeindruckend aus. Aber Umweltschützern und einigen Stadtentwicklern ist all das zu wenig, sie sehen darin lediglich ein Make-up für ein Monstrum. Ein Politiker verlangte sogar den Abriss, um Platz zu machen für einen Park. Um überhaupt eine Mehrheit für die Neugestaltung in den städtischen Gremien zu bekommen, war die sozialistische Bürgermeisterin auf die Stimmen der Rechten angewiesen. Kritik gibt es, dass für dieses Projekt nicht die 2024 eingeführten städtebaulichen Regeln für klimagerechteres Bauen gelten. Und da sind noch die Kosten von geschätzten 700 Millionen Euro.

Als Garant für das Gelingen gilt Renzo Piano. Schließlich hat der inzwischen 88-jährige italienische Architekt das Centre Pompidou gestaltet. Anfangs fremdelten die Pariser auch mit diesem postmodernen Bau. Inzwischen ist das Museum für moderne Kunst aus den 1970er-Jahren eine Ikone. Im September wurde es für fünf Jahre zur Renovierung geschlossen, am 31. März schließt nun der Tour Montparnasse für den Umbau – unklar, für wie lange. Die Stadtansicht von ganz oben gibt es dann nur noch vom Eiffelturm oder vom 130 Meter hohen Hügel Montmartre, aber da stört der Montparnasse-Turm den schönen Ausblick.

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