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Paralympics-Eklat: Deutschland boykottiert Eröffnungsfeier | sportschau.de | ABC-Z

Stand: 03.03.2026 • 19:08 Uhr

Drei Tage vor der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina solidarisiert sich der Deutsche Behindertensportverband (DBS) mit der Ukraine: Weil Sportler aus Russland und Belarus unter ihrer eigenen Flagge einlaufen dürfen, bleibt das deutsche Team der Eröffnung fern.

“Vor diesem Hintergrund haben wir gemeinsam beschlossen, dass Team Deutschland Paralympics nicht am Einmarsch der Nationen im Rahmen der Eröffnungsfeier in Verona teilnehmen wird”, schreibt der DBS in einer Pressemitteilung. Die Entscheidung diene “sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen.”

Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es umso wichtiger, den Kern der Paralympischen Idee zu bewahren: faire Wettkämpfe in einem friedlichen Umfeld, in dem Athletinnen und Athleten aus aller Welt ihre Leistungen und persönlichen Geschichten präsentieren können. Paralympische Athletinnen und Athleten stehen für Mut, Entschlossenheit und die Bewältigung von Herausforderungen – und sie inspirieren Menschen weltweit. Gerade in herausfordernden Zeiten bleibt es unsere gemeinsame Aufgabe, die Paralympischen Werte sichtbar zu leben und die Integrität des Sports entschlossen zu schützen.” DBS-Pressemitteilung

180-Grad-Wende innerhalb einer Woche

Der Deutsche Behindertensportverband hatte erst in der vergangenen Woche noch erklärt, keinen Boykott der Eröffnungsfeier zu planen. Man wolle den Fokus “auf die sportlichen Wettkämpfe legen”, so DBS-Präsident Hans Jörg-Michels. Nun die Kehrtwende. Lediglich in den sogenannten Pre-Recordings, im Vorfeld aufgezeichneten und bei der Eröffnungsfeier gezeigten Aufnahmen, werde das deutsche Team zu sehen sein.

Die Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) hatte im September 2025 mehrheitlich für die Aufhebung der Suspendierung der kriegsführenden Länder gestimmt. Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus dürfen somit unter eigener Flagge antreten, nationale Embleme zeigen und im Erfolgsfall ihre Hymne hören.

Ukraine und andere Länder wollen ebenfalls Eröffnung boykottieren

Die Ukraine hatte bereits während der Olympischen Winterspiele einen Boykott der Paralympics-Eröffnung angekündigt, unter anderem hatten sich Estland und Tschechien angeschlossen. Die italienische Regierung hatte die IPC-Entscheidung, russische und belarussische Sportler unter Flagge starten zu lassen, heftig kritisiert.

IPC verbietet Ukraine-Kleidung mit Landkarte

Vor dem Boykott hatte das IPC einmal mehr für Aufsehen gesorgt, als es die Team-Kleidung der Ukrainer verboten hatte. Der Grund: Auf den Anzügen war eine Landkarte der Ukraine zu sehen einschließlich Krim und der momentan von Russland besetzten Gebiete.

“Gemäß den IPC-Regeln für Paralympics-Uniformen sind ‘Texte von Nationalhymnen, motivierende Worte, öffentliche/politische Botschaften oder Slogans, die sich auf die nationale Identität beziehen’ verboten”, teilte ein IPC-Sprecher mit. Die Landkarte eines Staates falle darunter.

“Im Dialog mit dem Ukrainischen Paralympischen Komitee wurde innerhalb von 24 Stunden eine Alternative vorgelegt, die vom IPC genehmigt wurde”, teilte der Verband weiter mit. Von Seiten der Ukraine gab es jedoch massive Kritik.

Skeletoni Heraskewytsch: “Beschämende Entscheidung”

Der Chef des Ukrainischen Paralympischen Komitees Walerij Suschkewytsch kritisierte, dass das bisherige Outfit (“sehr schön, sehr symbolisch”) hastig habe gewechselt werden müssen. “Wir haben es gerade noch geschafft, eine neue Uniform fertig zu stellen”, so Suschkewytsch.

Der ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch, der bei den Olympischen Winterspielen aufgrund seines Helmes nicht starten durfte, nannte das Verbot auf Instagram eine “beschämende Entscheidung”.

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