Ottobrunn: Herausforderer attackieren Bürgermeister – Landkreis München | ABC-Z

Die Wärmeversorgung, die knappen Finanzen und die daraus resultierenden Sparprogramme standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion der Volkshochschule Südost und der Agenda 21 mit den Ottobrunner Bürgermeisterkandidaten. Das Interesse war groß: Etwa 400 Zuhörer waren am Mittwochabend im Festsaal des Wolf-Ferrari-Hauses, 145 Personen verfolgten den verbalen Schlagabtausch via Livestream im Internet.
Eigentlich hätten vier Kandidaten auf dem Podium sein sollen, doch der Bewerber der Linken, Vivi Ulmer, hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Bürgermeister Thomas Loderer (CSU), Florian Schardt (SPD) und Leon Matella (Grüne) lieferten sich auch zu dritt eine rege Debatte. In einigen Punkten herrschte Einigkeit, etwa bei der Verlängerung der U-Bahn, bei anderen sprachen sich die beiden Herausforderer für Veränderungen aus – etwa mehr Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Insgesamt deutete sich an: Bei der Wahl am 8. März könnte eng werden für CSU-Amtsinhaber Loderer, 59, der seit 19 Jahren im Amt ist.
SPD-Kandidat Schardt, 44, Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Kreistag, sagte zwar einerseits, er habe Respekt vor dem, was in Ottobrunn erreicht worden sei. Es gebe aber andererseits besorgniserregende Entwicklungen bei den Finanzen. Grünen-Kandidat Matella, 27, Rettungssanitäter und Gemeinderat, warf der jetzigen Gemeindeführung vor: „Wir sind pleite, wir sind isoliert von den Nachbargemeinden und wir sind planlos.“ Wegen der knappen Finanzen stoppte die Gemeinde zuletzt den geplanten Neubau der Grundschule an der Friedenstraße.
Beim Thema Fernwärme plädierte Loderer dafür, dass sich Nachbarn sich zu einem Quartier zusammenschließen sollten, damit der Ausbau sich wirtschaftlich trage. Schardt hingegen warb dafür, dass sich die Gemeinde stärker engagiert und einen „Mr. Fernwärme“ einstellt. Andere Gemeinden wie Unterhaching hätten eine bessere Anschlussquote. Loderer widersprach: In der Gemeinde seien bereits 15 Kilometer Fernwärmeleitungen verlegt, die öffentlichen Gebäude seien angeschlossen. Manche Nachbargemeinden hätten ihr Fernwärmenetz ohne Ottobrunn gar nicht aufbauen können.
Beim Thema Finanzen waren sich Matella und Loderer einig, dass die Gemeinde ihre Einnahmen erhöhen müsse. Beim Wie verfolgen sie jedoch verschiedene Ansätze. Matella schlug eine eigene Abteilung für Standortentwicklung und Gewerbeansiedlung vor, Loderer betonte, dass er regelmäßig Ansiedlungswünsche ablehnen müsse. Er setze auf die Planungen für einen Büro- und Technologiecampus am Finsinger Feld. Schardt machte deutlich, dass im Fall von Sparmaßnahmen kein Bereich von vornherein ausgenommen werden dürfe. „Dann müssen wir uns mit allen an den Tisch setzen“, sagte er. So bekäme man ein Gespür, wo unter Umständen etwas kaputtgespart werde.
Einen Alleingang Ottobrunns beim Klimaschutz musste sich der Amtsinhaber von Matella vorwerfen lassen. Beim Klimaanpassungskonzept des Landkreises München seien, abgesehen von Ottobrunn und Sauerlach, alle Kommunen dabei. „Der Klimawandel macht nicht Halt vor der Gemeindegrenze“, mahnte der Grüne. Loderer erwiderte, er halte das Konzept mit seinen vielen Treffen nicht für zielführend. „Es wurde viel Geld verschwendet und es ist nichts rausgekommen.“ Schardt pflichtete Matella bei: „Ich würde trotzdem mitmachen, es geht ja darum, sich zu vernetzen.“
Beim Thema Grundschule an der Friedenstraße verwahrte sich Loderer gegen die Kritik Schardts an der Unterbringung der Mittagsbetreuung in Kellern und Containern. „Der Keller ist liebevoll hergerichtet“, sagte Loderer. Natürlich hätte auch er gern die Schule neu gebaut. Schardt ließ das nicht gelten:Das als tolle Mittagsbetreuung hinzustellen, sei „reichlich übertrieben“
In der Schlussrunde übte Loderer seinerseits Kritik an seinen Mitbewerbern: In den vergangenen 19 Jahren sei viel erreicht worden, er frage sich, „unter welchem Stern“ die beiden anderen gelebt hätten. Von Symbolpolitik halte er nichts. Als Grund für seine Wiederwahl führte er an: „Ich würde zum Pensionsempfänger werden, wenn ich nicht gewählt werde. Ich will aber etwas tun für mein Geld.“





















