Opec+ erhöht Fördermenge: Ölpreis steigt um zehn Prozent – und soll weiter steigen | ABC-Z

Opec+ erhöht FördermengeÖlpreis steigt um zehn Prozent – und soll weiter steigen
01.03.2026, 15:39 Uhr
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Nicht der Angriff auf den Iran lässt die Ölpreise steigen. Es ist vor allem die Sperrung der Straße von Hormus, die den Transport von Öl über das Meer behindert. Der Rohstoff dürfte noch teurer werden, eine Entscheidung der Opec+ wird daran nichts ändern.
Die Eskalation im Nahen Osten treibt den Ölpreis in die Höhe. Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran stieg der Preis der Nordseesorte Brent im außerbörslichen Handel um zehn Prozent auf rund 80 Dollar je Barrel, wie Ölhändler sagten. Analysten prognostizierten, dass der Preis auf 100 Dollar oder mehr klettern könnte. Das wäre ein Anstieg um rund 37 Prozent seit Freitag, als der Preis auf ein Jahreshoch von 73 Dollar zugelegt hatte.
“Während die Militärschläge selbst die Ölpreise stützen, ist hier der entscheidende Faktor die Schließung der Straße von Hormus”, sagte Ajay Parmar vom Analysehaus ICIS. Das Ölkartell Opec+ beschloss derweil eine lediglich geringfügige Anhebung der Fördermenge um 206.000 Barrel pro Tag ab April. Dies entspricht weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mahnte angesichts der Sperrung der Straße von Hormus mit Blick auf die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas zur Gelassenheit. Bezogen auf Flüssiggas würden “keine signifikanten Mengen” über diesen Seeweg nach Deutschland importiert, sagte die CDU-Politikerin der ARD. Gas beziehe Deutschland vor allem über Pipelines aus Norwegen und Belgien, Flüssiggas überwiegend aus den USA und Kanada. In Bezug auf Öl betont Reiche, Hauptlieferanten für Deutschland seien Kasachstan, Norwegen und die USA. “Es kann zu Preissteigerungen kommen”, sagte Reiche. Sie wolle darüber jetzt aber nicht spekulieren.
Seit Samstag ist der Öl- und Gastransport durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gekommen. Der Iran hatte Schiffen die Durchfahrt durch die Wasserstraße verboten, über die Öl aus mehreren Förderländern exportiert wird. Die meisten Tanker-Eigner, Ölkonzerne und Handelshäuser setzten daraufhin ihre Lieferungen aus, wie aus Handelskreisen verlautete. Über die Straße von Hormus werden mehr als 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert. Nach staatlichen Angaben aus dem Oman wurde im Bereich der Meeresenge ein Öltanker vom Iran angegriffen.
Experten bezweifeln, dass der Beschluss der OPEC+ die Lage entspannen kann. “Dieser Schritt wird die Märkte wahrscheinlich nicht beruhigen”, sagte Jorge Leon, Leiter der geopolitischen Analyse bei Rystad Energy. “Die Preise werden auf die Entwicklungen am Golf und den Status der Schifffahrtswege reagieren, nicht auf eine relativ kleine Produktionssteigerung.”
Selbst nach der Umleitung einiger Ölmengen durch Pipelines würde die Schließung der Meerenge einen Verlust von acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag bedeuten, sagte Leon. “Wir erwarten, dass die Preise nach dem Wochenende deutlich näher an 100 Dollar pro Barrel eröffnen und dieses Niveau möglicherweise überschreiten, wenn die Sperrung der Wasserstraße andauert”, sagte Parmar. Auch Analysten von RBC und Barclays halten einen Preis von 100 Dollar für möglich.
Ein Grund für die zurückhaltende Erhöhung dürfte die begrenzte freie Kapazität vieler Mitglieder sein. Lediglich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über nennenswerte Reserven, stehen aber vor dem Problem, das Öl angesichts der blockierten Schifffahrtswege auszuführen.
Insidern zufolge hatte Riad die Produktion und Exporte in den vergangenen Wochen in Erwartung von US-Angriffen auf den Iran bereits hochgefahren. Giovanni Staunovo, Ölanalyst bei der UBS, wies darauf hin, dass die tatsächliche Menge, die zusätzlich auf den Markt kommt, nur ein Bruchteil der Quote sein werde.
An dem Opec+-Treffen nahmen nur acht Mitglieder der Allianz teil: Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien, der Oman und die VAE. Die beschlossene Erhöhung beendet eine dreimonatige Pause bei den Förderanhebungen. Diskutiert wurden laut Insidern Optionen zwischen 137.000 und 548.000 Barrel pro Tag.
Die Gruppe, die von Saudi-Arabien und Russland angeführt wird, erwähnte den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten erklärt. Zuletzt hatten die acht Staaten ihr Förderziel im Dezember um diese Menge nach oben geschraubt. Im ersten Quartal 2026 sollte die Förderung nicht mehr ausgeweitet werden.
Die dänische Reederei Maersk teilte mit, sie leite Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas um. Betroffen seien die Routen vom Nahen Osten und Indien ins Mittelmeer sowie zur US-Ostküste. Zukünftige Fahrten auf der Trans-Suez-Route durch die Meerenge Bab al-Mandab würden vorerst ausgesetzt. Die Annahme von Fracht für die Nahost-Region werde jedoch fortgesetzt.





















