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Olympische Spiele: “Italien hat keine Mühen gescheut, seine Spiele zu bewerben” | ABC-Z

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina hat bei den italienischen Medien ein überwiegend positives Echo erzeugt. “Für Italien ist
die Eröffnungsfeier bereits die erste Medaille”, kommentiert die italienische Gazzetta dello Sport die dreistündige Show. “Eleganz, Kultur und
Geschichte: Bei der Eröffnungsfeier in Mailand zeigt Italien seine beste
Seite”, schreibt auch der italienische Corriere dello Sport. Die Show habe in drei Stunden das Schönste der italienischen
Kultur und Tradition vorgestellt. 

La Repubblica zeigt sich zudem begeistert von den anwesenden Sportlern: “Besonders
bewegend ist der Auftritt der italienischen Skilegende Gustav Thöni mit
der olympischen Fackel in der Hand.” Die Zeitung macht jedoch auch die politische Dimension des Ganzen auf und verwies auf “Pfiffe für Vance und Israel”. Il Messaggero nennt die Show “eine Mischung aus Innovation und Tradition”.

Auch Frankreichs Medien zeigen sich begeistert. In dem Land hatte die Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Paris für Aufsehen gesorgt, die Feier war extravaganter angelegt gewesen als in Mailand. “Glanz, Oper und alpines Spektakel prägen die Eröffnung der Olympischen Spiele in Mailand-Cortina”, schreibt Le Monde. “Italien hat keine Mühen gescheut,
seine Spiele zu bewerben. Die ersten dezentralen Spiele boten eine
einzigartige, vielfältige Zeremonie”, findet auch Le Figaro.

Die spanische Marca schließt sich dem Lob an. “Herausforderung erfolgreich gemeistert.
Eine bewegende Zeremonie. Mit Ehrungen. Mit Geschichte. Mit
Bühnenpräsenz. Mit Rhythmus, selbst an verschiedenen Orten. Die
Winterspiele begannen spektakulär”, hieß es hier.

Politik war nicht auszublenden

In Großbritannien zeigt sich die Presse weniger wohlwollend. “Trotz Bedenken hinsichtlich der Logistik
einer Zeremonie an mehreren Orten war es eine beeindruckende Produktion,
die reibungslos verlief”, kommentiert zwar die britische BBC. Der Boulevard aber zeigt sich enttäuscht von Mariah Carey und der Länge der Show.

The Times verweist vor allem auf die politische Dimension des Abends: “JD Vance wird ausgebuht, die Spiele
starten feurig. Im Mittelpunkt standen Glanz und Glamour im San Siro
mit Auftritten von Mariah Carey und Andrea Bocelli – doch die
politischen Auseinandersetzungen ließen sich nicht ausblenden, auch das
israelische Team wurde ausgebuht”, heißt es hier. Die Daily Mail nennt den Abend für US-Vizepräsident Vance einen “eisigen Empfang”.

In den Vereinigten Staaten selbst wird die Reaktion auf ihren Vizepräsidenten ebenfalls bemerkt. “Die Italiener demonstrieren Einigkeit – außer mit JD Vance – bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele”, schreibt die Los Angeles Times. Die Sports Illustrated verweist darauf, dass die offen ausgetragene Abneigung gegen die Vereinigten Staaten das Motto “Harmonie” unterlaufe. Überhaupt sieht das Medium den Beginn der Spiele torpediert: “Die weitverbreitetsten Meldungen vor den Olympischen
Spielen 2026 in Mailand-Cortina handelten nicht von Begeisterung oder
Vorfreude, sondern von unfertigen Arenen und der Ankunft von ICE.”

Die Washington Post zeigt sich dagegen mitgerissen: “Mariah Carey sang
‘Volare’, doch der toskanische Tenor Andrea Bocelli sorgte für tosenden
Applaus. Es gab farbenfrohe römische Legionen, Espressokannen und
Pinocchios, Opern und Euro-Pop”, heißt es hier.

Keine Harmonie zu sehen

Auch in deutschen Medien bleibt die politische Dimension nicht aus.
“Wie wenig belastbar ein Motto wie ‘Armonia’ am Ende ist, erwies sich in
verschiedenen Momenten der Zeremonie”, heißt es in der Süddeutschen Zeitung. “Die Buhrufe, jedenfalls im San Siro, gegen das israelische Team. Der
warme, umarmende Applaus für die Ukrainer. Und schließlich – tatsächlich
war das der Augenblick, auf den im eiskalten Mailand viele hingefiebert
hatten – das Pfeifkonzert beim Erscheinen von Team USA”, heißt es da. 

Die FAZ sieht in der Eröffnungsfeier ebenfalls wenig Harmonie – außer für einen. “Auch in der Wärme, dem Beifall, die der Star des Abends zu spüren bekam,
spiegelte sich etwas: 84 Jahre alt ist Sergio Mattarella, der Präsident
der italienischen Republik”, heißt es hier. “Mattarella ist beliebt, weil er wie das Gegenteil von Trump erscheint.” Die Zeitung verweist jedoch zudem darauf, dass etliche Plätze leer blieben, obwohl Mailand zuletzt an Menschen unter 26 Jahren billigere Karten verkauft hatte. 

Und dann auch noch die Outfits der Deutschen

Ein eigener Kommentar ist manchen internationalen Medien auch das deutsche Outfit wert. In einer Bilderstrecke der
“auffälligsten Looks” bei der Eröffnungsfeier von USA Today war Team D
an erster Stelle zu sehen. “Die voluminösen Jacken reichen bis zum Knie
und sind wasserdicht – perfekt, um den Elementen in den Dolomiten zu
trotzen oder die Niagarafälle zu besuchen. Zusammen mit den Fischerhüten
wirken die Top-Athleten, als wären sie bereit für den Urlaub”, schrieb
das US-amerikanische Boulevardmedium The Daily Beast.

Der Team-Ausrüster Adidas hatte sich das Outfit ausgedacht und damit schon vor Beginn der Spiele für Diskussionen gesorgt. Manche sehen darin Fischerhut und Poncho in Übergröße.

Alles zu den Winterspielen lesen Sie in unserem Liveblog.

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