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Olympia: „Ist 19 und hat null Erfahrung.“ Italiens Curling-Direktor nominiert seine Tochter, die Ausgebootete klagt | ABC-Z

Diese Nominierung hat ein Geschmäckle. Der Trainer von Italiens Curling-Team nominiert seine 19-jährige Tochter für Olympia. Aussortiert wird eine deutlich bessere Spielerin, die seit Jahren zum Team gehört. Das lässt sich Angela Romei nicht einfach so gefallen.

Im Curling-Center von Cortina d‘Ampezzo geht es gesittet zu. Bei gelungenen Aktionen klatschen die Zuschauer anerkennend, die Spielerinnen und Spieler behandeln sich mit großem Respekt. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, den „Spirit of Curling“: Ein Team verliert lieber ehrenvoll, als mit Schummeleien zu gewinnen. Fehler werden zugegeben und die Leistungen der Gegner anerkannt.

Dieser Spirit of Curling scheint gerade nicht in der italienischen Nationalmannschaft zu regieren. Beim Gastgeber herrscht großer Zoff wegen einer umstrittenen Nominierung für die Olympischen Spiele. Im Mittelpunkt des Ärgers, der jetzt sogar vor Gericht geht, steht die Tochter des technischen Direktors der Nationalmannschaft, Rebecca Mariani. Die 19-Jährige wurde vollkommen überraschend für die Olympischen Spiele nominiert. Entschieden hat das ausgerechnet ihr Vater Marco Mariani, der bei den Spielen auch als Trainer des Teams fungiert.

Der 57-Jährige nominierte seine Tochter und bootete Angela Romei aus, die von der Erfahrung her und den in der Saison gezeigten Leistungen offensichtlich die geeignetere Kandidatin gewesen wäre. Romei wollte sich das nicht bieten lassen und reichte Klage gegen ihre Ausbootung und die Nominierung der Verbands-Boss-Tochter beim internationalen Sportgerichtshof Cas ein.

Absage am Telefon

„Ich gehöre seit fast zehn Jahren zur Gruppe der Nationalathletinnen, und als Team haben wir in diesem olympischen Zyklus gemeinsam gearbeitet, immer innerhalb der Nationalauswahl, um uns bestmöglich auf die Spiele vorzubereiten“, sagte Romei: „Weniger als einen Monat vor Olympia wurde ich ausgeschlossen, um Platz zu machen für ein Mädchen, das die A-Nationalmannschaft bislang noch nie bei einem internationalen Wettbewerb vertreten hat. Wäre es eine technische Entscheidung gewesen, hätten sie viel früher experimentieren und dann bewerten können.“

Marco Mariani vermied ein persönliches Treffen mit Romei und teilte ihr das Olympia-Aus nur am Telefon mit. „Wir hätten darüber von Angesicht zu Angesicht sprechen können. Ich hätte zumindest eine Diskussion erwartet, die auf Daten und Ergebnissen basiert“, sagte Romei. Stattdessen habe er sich darauf beschränkt zu sagen, das sei eine von ihm getroffene Entscheidung: „Und dass an meiner Stelle seine Tochter Rebecca nominiert werde, die 19 ist und null internationale Auftritte mit der A-Nationalmannschaft hat.“

Die Aussichten auf Erfolg bei der Verhandlung vor dem Cas für die 28-Jährige sind jedoch gering. Bei der Verhandlung sollen die jeweiligen Parteien noch mal angehört werden. Grundsätzlich unterliegt die Nominierung jedoch den jeweiligen nationalen Verbänden.

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