Kultur

Olympia 2026: Skispringern fehlen 17 Zentimeter zu Bronze | ABC-Z

Vier Skispringer standen in der entscheidenden Phase des Teamwettkampfs noch oben auf der Schanze, als sich der Winter in die Entscheidung einmischte. Dichter Schneefall setzte ein, innerhalb von Sekunden verwandelten sich die wartenden Athleten oben auf der Schanze, die Trainer auf ihrem Turm und die Zuschauer im Auslauf in Schneemänner.

Zuvor war dem Deutschen Philipp Raimund noch ein Zaubersprung gelungen, 136 Meter bei schwierigsten Bedingungen. Die Jury wartete lange, bis sie dem Polen Kacper Tomasiak Grünes Licht gab, doch es war deutlich, dass der herausragende Flieger ein Opfer der Verhältnisse wurde. Er landete wegen wilden Windes im Hang früh, regulär war das nicht mehr.

Das Kampfgericht tagte daraufhin und traf eine Entscheidung, die angesichts des Wetters verständlich war: Abbruch, es zählten nur die ersten beiden Durchgänge, die fast fertige dritte Runde wurde nicht zu Ende gesprungen. Für die deutschen Starter jedoch war das sehr ärgerlich.

Erste Medaille im letzten Wettkampf für Österreich

Denn nach jenen zwei Sprüngen pro Athlet fehlten Andreas Wellinger und Philipp Raimund, der Zweier-Auswahl des Deutschen Skiverbandes (DSV), lediglich 0,3 Punkte gegenüber den drittplatzierten Norwegern, das ist ein Hauch von Nichts. Ein Weitenmeter entspricht 1,8 Zählern, die Haltungsnoten werden in 0,5er-Schritten vergeben – viel knapper kann eine Niederlage im Skispringen nicht ausfallen. Umgerechnet sind es knapp 17 Zentimeter.

Den skurrilen Wettkampf gewann schließlich Österreich mit Jan Hoerl und Stephan Embacher klar und deutlich vor Polen, was große Jubelsprünge bei Team Austria im Schanzenauslauf zur Folge hatte. Die Österreichern sicherten sich damit im sechsten und letzten Wettkampf für die Skispringerinnen und Skispringer bei diesen 25. Olympischen Winterspielen doch noch die längst schon von ihnen erwartete Medaille. Es wurde sogar eine goldene.

Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.

Denn vor allem bei den Männern waren die Österreicher in den vergangenen Jahren diejenigen, die in Legionsstärke Topplatzierungen erreichten. Leer gingen in Predazzo auch die als Siegkandidaten gehandelten Japaner mit Ren Nikaido und Ryoyu Kobayashi aus – sie wurden Sechste. Direkt vor ihnen landete Team Slowenien mit Anze Lanisek und Domen Prevc, dem Einzelgewinner von der Großschanze vom Samstag.

„Jetzt stehen wir saublöd da“

Andreas Wellinger sagte nach dem Abbruch des Wettkampfs: „Das ist extrem bitter. 0,3 Punkte ist gar nichts. Vor dem letzten Durchgang war von Rang zwei bis sechs alles offen. Der Wettergott ist, wie er ist, aber für uns ist das jetzt beschissen.“ Die Jury hatte letztlich kaum eine andere Möglichkeit, als für den Abbruch zu votieren. Denn wären auch noch die letzten drei Springer abgewunken worden, wäre es wahrscheinlich gewesen, dass auch sie keine Chance auf eine adäquate Weite gehabt hätten. Das Ergebnis wäre kaum zu vermitteln gewesen.

Philipp Raimund, der einen herausragenden Wettkampf mit zwei überragenden Flügen zeigte, war angesichts seines bedienten Gesichtsausdrucks zu entnehmen, wie unzufrieden er nach dem Abbruch war. Er räumte gleichwohl ein, dass es nicht leicht war, eine finale Entscheidung zu treffen: „Zu überlegen, was noch möglich gewesen wäre oder nicht, ist Aufgabe der Jury, nicht meine.“ Wellinger sagte noch: „Jetzt stehen wir saublöd da.“

Die Bilanz der Deutschen bei diesen Spielen entspricht der der Österreicher: Es gab einmal Gold, gewonnen hatte es Raimund von der Kleinschanze, dem ersten Männerwettbewerb von Predazzo. Vor allem die deutschen Frauen enttäuschten. Sie reisten zuversichtlich an, weil mit Selina Freitag, Agnes Reisch und Katharina Schmid gleich drei Athletinnen unter den besten acht Springerinnen des Weltcups platziert sind. Die erhoffte Medaille aber blieb aus.

Auch die deutschen Männer enttäuschten bei der Entscheidung von der Großschanze, da war Raimund als Neunter ihr Bester. Fast so knapp wie am Montagabend verpasste das DSV-Mixed-Quartett Bronze – in diesem Wettkampf fehlten ihm auf Rang vier nur 1,2 Punkte zur Medaille.

Für die männlichen Skispringer steht mit Beginn der neuen Saison ein Umbruch an. Bundestrainer Stefan Horngacher hat seinen Rücktritt angekündigt, die Nachfolgediskussion nimmt nun Fahrt auf. Mit einer Entscheidung sei im März zu rechnen, hatte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel zuletzt mitgeteilt.

Back to top button