Olympia 2026: Biathlet Sturla Holm Lagreid gesteht öffentlich Seitensprung – Panorama | ABC-Z

Der schönste Satz über die Ursache der Eskapade stammt von der mährischen Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach. „Unsere Fehler bleiben uns immer treu“, schrieb sie Anfang des 20. Jahrhunderts und lieferte gleich eine sehr gute Begründung mit: „Unsere guten Eigenschaften machen alle Augenblicke kleine Seitensprünge.“
Womit wir beim Sport wären. Wer kürzlich zufällig den norwegischen Fernsehsender NRK eingeschaltet hat, bei Wintersport-Übertragungen ergibt so etwas ja schon wegen der sportjournalistischen Expertise Sinn, wurde ungefragt zum Zeugen eines öffentlichen Geständnisses. Denn während sich der Zuschauer gerade mit einem norwegischen Biathleten über dessen Bronzemedaille freute, brach nicht etwa die Medaille entzwei, sondern der Sportler in Tränen aus. Live aus Antholz erklärte Sturla Holm Lægreid dem Publikum, er habe vor drei Monaten seine Freundin betrogen. Der Seitensprung sei, so der 28-Jährige, vor allem deshalb tragisch, weil es sich bei der von ihm Hintergangenen um „die Liebe meines Lebens“ handele, die er wiederum vor sechs Monaten getroffen habe. Genauer gesagt, sei sie der „schönste und wunderbarste Mensch der Welt“. Der aus dem wohligen Sofaschlaf unsanft herausgerissene Olympia-Fan fragte sich sogleich: Waren es zuletzt nicht eher Heiratsanträge auf dem Fußballrasen oder Kabinen-Sex beim Eishockey, welche vor Kameras zelebriert wurden? Muss jetzt auch noch jeder wissen, wer mit wem auf der Loipe rumgemacht hat? Und wer hat eigentlich Gold gewonnen, beim Einzelwettbewerb?
Aber natürlich, es ist schon so, dass, wie von Ebner-Eschenbach beschrieben, es vor allem Fehler sind, die uns Menschen so ungeheuer menschlich machen. Und am wichtigsten ist ja eh, dass bei all dem Hormon-Irrsinn nur keiner zu Schaden kommt. Wobei es einen, ehrlich gesagt, zuletzt schon peinlich berührte, als ein deutscher Komödiant (viele Beziehungen, fünf Kinder) im Podcast eines mit ihm befreundeten Sängers (viele Beziehungen, drei Kinder) erklärte, er sei auch schon mehrfach fremdgegangen. (Der Sänger daraufhin, natürlich fassungslos: „Waaaaas?!“) Oder dieser grundlustige Social-Media-Typ, der seine Untreue zunächst in seinem eigenen Kanal postete (Klicks!) und anschließend in einem angesehenen Nachrichtenmagazin bereute (wieder Klicks!). Am Rande von Schneewittchen-Dreharbeiten wiederum soll die Freundin eines Vampir-Darstellers einst mal was mit dem Regisseur gehabt haben, was sie dann über ein Klatschmagazin öffentlich machte. Also ähnlich, wie damals schon der britische Schauspieler, der etwas mit der Nanny hatte, wofür er sich über eine Nachrichtenagentur entschuldigte. Und auch der bereits erwähnte Schneewittchen-Regisseur betonte sofort nach Drehschluss, wahrscheinlich auf Rat seiner kundigen Anwälte, wie sehr ihm seine „wunderbare Frau“ und die „himmlischen Kinder“ doch grundsätzlich am Herzen lägen. Nur schade für die sieben Zwerge, denn für die interessierte sich ab diesem Zeitpunkt dann niemand mehr.
Jedenfalls kann man auch im Sinne einer guten Zukunft des norwegischen Biathlonsports nur hoffen, dass der „schönste und wunderbarste Mensch der Welt“ dem verzweifelten Ruf des Drittplatzierten vor dem Flachbildschirm nicht per Fernbedienung weggedrückt hat, sondern ihm die Absolution erteilt. Zumindest bis zum nächsten Seitensprung. Obwohl, gut sieht es gerade nicht aus. Das soll die Ex-Freundin gegenüber einer norwegischen Zeitung erklärt haben. Feuer und Eis! So lieben wir Olympia.





















