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“Ölpreise treiben Inflation”: Zinsskepsis der Fed drückt auf die Wall Street | ABC-Z

“Ölpreise treiben Inflation” Zinsskepsis der Fed drückt auf die Wall Street

18.03.2026, 22:51 Uhr

Die Worte von Fed-Chef Powell bremsten die Kauflaune. (Foto: AP)

Dass die hohen Energiepreise Gift für die US-Wirtschaft sind, spricht Fed-Chef Powell deutlich aus. An der Wall Street sorgt diese Einsicht für Kursverluste. Die Anleger gehen davon aus, dass Zinssenkungen erst mal nicht in Sicht sind.

Mit einem deutlichen Minus hat die Wall Street zur Wochenmitte den Handel beendet. Die Indizes bauten ihre Verluste im späten Handel aus, nachdem US-Notenbankpräsident Jerome Powell sagte, dass steigende Ölpreise den Preisdruck erhöhen und das US-Wachstum beeinträchtigen könnten. Die US-Notenbank hat die Zinsen wie mehrheitlich erwartet in der Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent bestätigt. Auch die wieder kräftig zulegenden Ölpreise drückten auf das Sentiment.

Der Dow-Jones-Index verlor 1,6 Prozent auf 46.225 Punkte und schloss damit nur knapp über seinem Tagestief. S&P-500 und Nasdaq-Composite reduzierten sich um 1,4 bzw. 1,5 Prozent. An der Nyse wurden 580 (Dienstag: 1860) Kursgewinner und 2168 (886) -verlierer gezählt. Unverändert schlossen 59 (81) Titel.

In seiner Pressekonferenz erklärte Powell, die derzeitige Haltung in der Geldpolitik sei “angemessen, um unsere Ziele zu erreichen”. Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten seien ungewiss. “Die höheren Energiepreise werden die Inflation antreiben, aber es ist noch zu früh, um das Ausmaß abzuschätzen”, sagte Powell. Die längerfristigen Inflationserwartungen stünden jedoch im Einklang mit dem Ziel der Fed. “Wir wissen es einfach nicht, wie sich der Ölschock auswirken wird”, so Powell. Ein Teil, aber nicht die gesamte höhere Inflationsprognose beruhe auf dem Ölschock. Bei der Kerninflation habe die Fed nicht die Fortschritte gesehen, auf die sie gehofft habe. Eine Reihe von Schocks habe den Inflationsverlauf gestört. “Wenn wir keine Fortschritte bei der Inflation sehen, wird es keine Zinssenkung geben”, sagte Powell.

Dollar legt zu

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent erhöhte sich um 6,0 Prozent auf 109,66 Dollar, kam damit von seinem Tageshoch allerdings wieder etwas zurück. Auslöser waren Berichte über eine vom Iran ausgesprochene Evakuierungswarnung für Ölanlagen in der Golfregion. Die Meldung kam, nachdem Israel das iranische Gasfeld South Pars, die größte derartige Anlage der Welt, angegriffen hatte. Damit droht eine weitere Eskalation. Die wöchentlichen Rohöllagerbestände in den USA haben sich wider Erwarten ausgeweitet, hatten aber keinen Einfluss.

Der Dollar legte nach den Powell-Aussagen zu. Der Dollar-Index gewann 0,6 Prozent, nachdem er zuvor 0,3 Prozent im Plus gelegen hatte. Zudem profitierte der Greenback weiter von seinem Status als Fluchtwährung mit den Berichten über den Angriff auf das iranische Gasfeld.

Markt rechnet mit einer oder keiner Zinssenkung

Volatil zeigte sich der Anleihemarkt. Die Renditen gaben zunächst nach, nachdem die Fed die Zinsen bestätigt hatte. Sie legten mit den Powell-Aussagen aber wieder zu. Laut CME preisen die Märkte für dieses Jahr größtenteils eine oder keine Zinssenkung ein. Die Zehnjahresrendite stieg um 6,0 Basispunkte auf 4,27 Prozent.

Der Goldpreis fiel um 3,2 Prozent auf 4843 Dollar je Feinunze. Die Notierung für das Edelmetall baute das Minus nach der Fed-Entscheidung aus. Gold schloss damit zum fünften Mal in den vergangenen sechs Handelstagen mit einem Abschlag. Der festere Dollar und die steigenden Marktzinsen mindern die Attraktivität des zinslos gehaltenen Edelmetalls, hieß es.

Konjunkturseitig sind die Erzeugerpreise im Februar sowohl in der Gesamt- als auch in der Kernrate stärker gestiegen als erwartet. Da der Iran-Krieg erst Anfang März begann, spiegelt sich der dadurch bedingte Anstieg der Ölpreise noch nicht in der Inflation wider. Der Auftragseingang der US-Industrie hat sich im Januar nicht so stark erhöht wie erwartet.

Nvidia schaut wieder nach China

Für die Nvidia-Aktie ging es nach anfänglichen Gewinnen um 0,9 Prozent nach unten. Hintergrund war die Mitteilung von CEO Jenson Huang, wonach das Unternehmen die Produktion der H200-Prozessoren für den Verkauf in China wieder aufgenommen hat. Die sich entwickelnde Produktpalette von Nvidia könnte die Marktdominanz des Unternehmens in einer Reihe von Halbleiteranwendungen festigen, so Ross Seymore von der Deutschen Bank.

Nach Börsenschluss wird zudem Micron Geschäftszahlen vorlegen. Die Titel hatten in den vergangenen Tagen von Plänen des Chipherstellers zum Bau einer zusätzlichen Produktionsstätte in Taiwan profitiert. Der Kurs zeigte sich wenig verändert.

Überzeugende Geschäftszahlen verhalfen der Aktie von Macy’s zu einem Plus von 4,7 Prozent. Die Kaufhauskette hat im vierten Quartal mehr umgesetzt und verdient als erwartet. General Mills hat für das dritte Geschäftsquartal durchwachsene Zahlen vorgelegt, sieht sich aber auf gutem Wege hin zu einer Trendwende. Die Aktie verlor 3,0 Prozent.

Quelle: ntv.de, mau/DJ

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