Oliven und Saatgutlagerung in Spitzbergen – Wissen | ABC-Z

Was hat der ägyptische Flusshanf, was ein Olivenbaum nicht hat? Nun, da gäbe es einiges zu nennen. So wurden bereits in der Antike aus den Blättern des Hanfs Seile hergestellt. Auch eignet sich die Pflanze als Tierfutter, und sie hilft dank ihrer düngenden Wirkung anderen Pflanzen beim Wachsen.
Doch dem Flusshanf ist noch etwas vergönnt, das dem Olivenbaum bisher verwehrt war: Samenproben der vom Nil stammenden Nutzpflanze sind im Saatgut-Bunker auf Spitzbergen eingelagert, dem doomsday vault, wie er oft genannt wird, der Kornkammer für den Weltuntergang.
1,3 Millionen Saatgutproben sind dort mittlerweile bei konstanten minus 18 Grad eingelagert, Samen von mehr als 6500 Pflanzenarten aus aller Welt. Das soll sicherstellen, dass die Menschheit nach einer globalen Katastrophe die Chance auf einen landwirtschaftlichen Neuanfang hat. Mais, Getreide, Reis, Soja, Okra, Erbsen und vieles mehr ist dabei im Bunker von Spitzbergen, keineswegs nur Exotisches wie der ägyptische Flusshanf oder die Bambara-Erdnuss. Doch eine bedeutende Pflanze hat bislang gefehlt: die Olive.
Noch widersteht die Steinfrucht der Klimakrise, aber sicher ist sicher
Diesem Missstand wird nun abgeholfen: In der letzten Februarwoche werden erste Olivensamen, vorwiegend aus dem Mittelmeerraum, im hohen Norden tiefgefroren und für postapokalyptische Zeiten aufbewahrt. Schließlich soll das gesunde Öl dieser Steinfrucht auch nach dem Weltuntergang wieder verfügbar sein.
„Die Artenvielfalt der Oliven ist ein wertvoller Schatz“, sagt Jaime Lillo, Generaldirektor des in Madrid ansässigen Internationalen Olivenrats COI, dem fast 50 Olivenöl-produzierende Länder der Welt angehören, von Saudi-Arabien bis Argentinien. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass die Olive in Spitzbergen noch nicht dabei ist.“
Während es bei vielen im ewigen Eis eingelagerten Feldfrüchten darum geht, Grundnahrungsmittel vor der sich bereits anbahnenden Klimakatastrophe zu schützen, sieht COI-Chef Lillo Olivenkulturen noch nicht akut bedroht. „Ein Olivenbaum hält viel aus“, sagt der Funktionär. Zudem sei in der Saison 2024/25 weltweit so viel Olivenöl wie noch nie produziert worden, fast 3,6 Millionen Tonnen. Dazu kam fast die gleiche Menge an Tischoliven. Doch sicher ist sicher, also kommt auch die Olive nach Spitzbergen.
Unbehandelt sterben die Kerne beim Einfrieren ab
Größter Exporteur von Olivenöl ist Spanien, mit einem Weltmarktanteil von rund 40 Prozent. Eine umfangreiche Genbank mit Proben von 700 Olivenvarianten aus mehr als zwei Dutzend Ländern ist an der Universität Córdoba angesiedelt. Dort und an der Universität Granada werden die Proben für den Versand nach Spitzbergen vorbereitet.
Tatsächlich gibt es einen biologischen Grund, warum bislang noch keine Olivensteine in Spitzbergen lagern. Es ist der gleiche Grund, warum Kaffee, Mango und Kochbananen im Saatgut-Bunker fehlen: Unbehandelt sterben die Kerne der Oliven beim Einfrieren ab.
Das in den Steinen der Früchte versteckte Keimgut muss aufwendig präpariert werden, um tiefgekühlt lagern zu können. Für die Reise nach Spitzbergen werden die Kerne daher von Feuchtigkeit befreit und hermetisch in Spezialhüllen verpackt. COI-Direktor Lillo wird die Einlagerung auf Spitzbergen persönlich überwachen.





















