Kultur

Ohne Sticker: Gipfelkreuz auf der Zugspitze steht wieder | ABC-Z

Das Gipfelkreuz auf dem Berg ist wie der Stern auf dem Weihnachtsbaum. Beide scheinen zwischen Erde und Himmel zu schweben, beide weisen den Weg: nach oben! Manchmal schimmert so ein Kreuz sogar golden wie ein Stern. Das Gipfelkreuz der Zugspitze zum Beispiel, ein besonders prächtiges, 4,88 Meter großes und 300 Kilogramm schweres Kreuz samt Strahlenkranz aus Eisen – von oben bis unten mit Blattgold (23,66 Karat) vergoldet.

Am Freitag ist es, frisch restauriert und an Tragegurten befestigt, von einem Hubschrauber zurück auf den 2962 Meter hohen Gipfel von Deutschlands höchstem Berg gehievt worden, pünktlich zum Start der Skisaison. Denn Touristen und Bergsteiger meinten, es sei eine schöne Erinnerung, sich dort mit unzähligen Aufklebern, die sie eigens dazu mitgebracht hatten, auf dem Gipfelkreuz zu verewigen. Die Aufkleber klebten zum Teil in drei Lagen, wie Andrea Würzinger der F.A.Z. sagte. Mühsam musste die Kunstschmiedin das klebrige Plastikzeug in tagelanger Kleinarbeit vom Blattgold ablösen, manchmal auch herunterkratzen. Dafür wurde das Kreuz mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht und dann mit dem Lastwagen in ihre Werkstatt in Eschenlohe transportiert.

In der Werkstatt: Andrea Würzinger entfernt Aufkleber vom Zugspitz-Gipfelkreuz.dpa

Restaurierung kostete fünfstelligen Betrag

Mit Hunderten Stücken Blattgold in der Größe von acht mal acht Zentimetern hat sie dann dem berühmten Wahrzeichen wieder zu alter Pracht und Herrlichkeit verholfen – das Kreuz wurde komplett neu vergoldet. Allein die Restaurierung kostete laut Zugspitzbahn „einen fünfstelligen Betrag“, dazu kamen dann noch die Kosten für den komplizierten Transport.

Bezogen hat Andrea Würzinger das Kreuz jetzt auch mit einer Art Schutzfolie, damit künftige Sticker vielleicht leichter zu entfernen sind.

Schon einmal musste die Kunstschmiedin das Kreuz restaurieren. 2017 wurden 70 Aufkleber entfernt, doch nach ein paar Monaten war vieles von dem empfindlichen Blattgold wieder mit Stickern zugepflastert. Seit Jahren hat sie sich dafür ausgesprochen, das Aufkleben mit Schildern zu verbieten. Ihr Kunstschmiedebetrieb hat eine besondere Beziehung zum Gipfelkreuz – ihr Vater Franz Würzinger hat das Kreuz gefertigt, das 1993 das Originalkreuz von 1851 ersetzte.

Handarbeit: Kunstschmiedin Andrea Würzinger trägt neues Gold auf das Kreuz auf.
Handarbeit: Kunstschmiedin Andrea Würzinger trägt neues Gold auf das Kreuz auf.Reuters

Jetzt gibt es ein Klebe-Verbot

Die Übergriffigkeit der Gipfelkleber hat die Bayerische Zugspitzbahn, die seit 90 Jahren Gäste auf den Berg bringt, bislang jedoch erstaunlich langmütig hingenommen. Um die Kundschaft nicht zu verprellen? Verbotsschilder gab es nicht, auch keine Bitte auf der Homepage, vom Kleben abzusehen, im Gegenteil: Man fand dort eher eine Anregung: „Sehr beliebt bei den Besuchern ist es, sich durch das Anbringen von Stickern am Gipfelkreuz auf Deutschlands höchstem Berg zu verewigen.“

Das, immerhin, hat sich nun geändert. Jetzt gibt es ein Schild auf dem Gipfel, das auf das Klebe-Verbot hinweist. Denn die Bayerische Zugspitzbahn sehe es als ihre Aufgabe an, „das Gipfelkreuz zu schützen und es in Zukunft möglichst frei von Aufklebern zu halten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Zudem gibt es seit dem Sommer eine Art „Ersatzkreuz“, zu dem der Zugang „ohne alpine Gefahren“ möglich ist und das ausdrücklich beklebt werden darf. So sollen die Leute von dem Originalkreuz weggelockt werden. Vielen Menschen, heißt es jetzt auf der Homepage, sei gar nicht bewusst, dass dort „das Anbringen von Stickern den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit darstellt“.  Darauf werde man in Zukunft „noch deutlicher hinweisen“. Appelliert werden soll so an die „Vernunft der Besucher“, das Gipfelkreuz respektvoll zu behandeln. Dann kann es weiter mit der Sonne – und den Sternen – um die Wette funkeln.

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