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Oberschleißheim: Unternehmer-Ehepaar rettet Hallenbad – Landkreis München | ABC-Z

Das Hallenbad in Oberschleißheim ist vorerst gerettet: Mit einer privaten Spende in Höhe von einer halben Million Euro sichert das örtliche Unternehmer-Ehepaar Helmut und Ulrike Schreiner den Betrieb des Bads zumindest für dieses Jahr. Die zum 1. April drohende Schließung ist damit vom Tisch.

In einer Sondersitzung hat der Gemeinderat am Dienstagabend zudem erste Maßnahmen beschlossen, um das Defizit dauerhaft zu senken und so den Fortbestand der Schwimmhalle im Münchner Norden zu sichern. Unter anderem sollen die Eintrittspreise erhöht und die Wassertemperatur etwas abgesenkt werden. Zudem sollen für den Schwimmunterricht von Schülern aus Nachbarkommunen Bahngebühren angehoben werden. Ein eigens gegründeter Arbeitskreis wird über weitere Möglichkeiten zum Defizitabbau beraten; auch die Gründung eines Fördervereins ist denkbar.

Helmut Schreiner, der Senior-Gesellschafter des in Oberschleißheim ansässigen international tätigen Familienunternehmens Schreiner Group, und seine Frau Ulrike stehen der Kommune finanziell bei. Für den 86-Jährigen ist das nach eigenen Worten „eine Gnade, dass wir helfen können“, wie er in der Sitzung sagte. Er sei stolz, dass ihn keiner gefragt oder gebeten habe zu helfen. „Ich habe selbst die Idee gehabt.“

Die halbe Million aus dem Privatvermögen von ihm und seiner Frau stifte er gerne – „als Anerkennung für den Gemeinsinn und als Zeichen, dass wir zusammenstehen“. Er hoffe, dass die Spende der Gemeinde Zeit verschaffe, Ideen für den Fortbestand des Hallenbades zu finden. „Ich bin dankbar, dass ich dazu beitragen kann“, sagte der Unternehmer sichtlich ergriffen unter dem lang anhaltenden Beifall der Gemeinderäte und des zahlreich erschienenen Publikums im Bürgerzentrum.

Das Unternehmer-Ehepaar Helmut und Ulrike Schreiner spendet eine halbe Millionen Euro für den Erhalt des Hallenbades. (Foto: Sabine Wejsada)

Wegen des großen Interesses am Fortbestand des Schwimmbads hatte Bürgermeister Markus Böck (CSU) eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt und diese in den Saal des Bürgerzentrums verlegt. Die vorgesehenen 290 Stühle reichten bei Weitem nicht aus, auch der Nachschub war schnell besetzt, sodass viele der mehr als 400 Besucher auf die Empore ausweichen oder stehen mussten. Im Publikum waren an diesem Abend nicht nur Menschen jeden Alters aus dem Ort selbst, sondern auch aus den Nachbarkommunen Haimhausen, Karlsfeld und Garching, die ihre Kinder zum Schwimmunterricht nach Oberschleißheim schicken. Und auch aus München hatten Zuhörer den Weg in die Gemeinde gefunden.

Sie alle hat in den vergangenen Wochen die Nachricht von der zum 1. April drohenden Schließung des Oberschleißheimer Hallenbads umgetrieben. Mehr als 5000 Leute haben sich mittlerweile in einer Online-Petition für dessen Erhalt eingetragen, in Schulen wurden Unterschriften gesammelt und Zeichnungen angefertigt, in Haimhausen gab es eine Demonstration von Buben und Mädchen. Die örtliche Sektion der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und andere Vereine protestierten gegen das Aus für die Schwimmhalle. Und auch in der Lokalpolitik mehrten sich die Stimmen, das Hallenbad zu retten.

Ein mitgebrachtes Plakat zur Rettung des Oberschleißheimer Hallenbades.
Ein mitgebrachtes Plakat zur Rettung des Oberschleißheimer Hallenbades. (Foto: Sabine Wejsada)

In einem bereits im vergangenen Dezember vorliegenden Haushaltsentwurf der notorisch klammen Kommune war davon die Rede, dass beim Hallenbad jährlich ein Defizit in Höhe von einer halben Million Euro aufläuft, was sich Oberschleißheim nicht leisten kann. Die Kämmerei hatte deswegen die kurzfristige Schließung der Schwimmhalle empfohlen – was wiederum bei SPD und Grünen heftige Kritik hervorrief und in die Gründung eines Arbeitskreises mündete, in dem Möglichkeiten für einen Fortbestand diskutiert werden sollen.

Bürgermeister Markus Böck, der das Aus des Hallenbades zunächst für alternativlos hielt, sah sich plötzlich einer Protestwelle gegenüber – und ruderte zurück. Der Rathauschef bat bei seinen Kollegen in Haimhausen, Karlsfeld und Garching um die Bereitschaft, Oberschleißheim beim Erhalt des Hallenbades zu unterstützen, und er kontaktierte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sowie die örtlichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten, damit sie die Gemeinde unterstützen. Die Antworten stehen nach den Worten des Bürgermeisters noch aus.

In der Sitzung am Dienstagabend war Böck die Erleichterung darüber anzusehen, dass ihm, seiner Verwaltung und dem Gemeinderat nun durch die großzügige Spende der Familie Schreiner etwas Luft verschafft wird. Er sei sprachlos gewesen, als der Anruf von Helmut Schreiner kam, berichtete der Bürgermeister und versicherte, dass er die Hoffnung auf eine Rettung des Hallenbads fast aufgegeben habe. Böck dankte dem Ehepaar Schreiner ebenso wortreich wie die Fraktionen im Gremium.

Sowohl Böck als auch den Gemeinderäten ist allerdings bewusst, dass der unerwartete Geldsegen „nur ein Notpflaster für ein, zwei Jahre ist“, wie Ingrid Lindbüchl von den Grünen bilanzierte. Um den Fortbestand des Hallenbades langfristig zu sichern, muss Oberschleißheim voraussichtlich bei anderen freiwilligen Leistungen sparen. Darüber und über weitere Maßnahmen zur Senkung des Defizits entscheidet schon bald der Gemeinderat. Außerdem: Sollte die Technik in der 1972 erbauten Schwimmhalle streiken, kann immer noch von jetzt auf gleich Schluss ein, denn Ersatzteile gibt es nicht mehr. Es sei denn, Oberschleißheim sichert sich funktionstüchtige Gerätschaften aus dem zum Abbruch freigegebenen Hallenbad in Karlsfeld. Auch das soll nun geprüft werden.

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