OB-Stichwahl Germering: Bei Liebetruth gibt’s Dönerkebab, bei Kirmair Leberkässemmeln – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Alle Register werden noch einmal gezogen. Im Germeringer Wahlkampf vor der Oberbürgermeister-Stichwahl am Sonntag geht es weniger um Programme und Inhalte, er verläuft eher zwischen Döner und Leberkässemmel. „Das wird ein Foto-Finish“, prophezeite SPD-Kandidat Daniel Liebetruth schon unmittelbar nach dem ersten Wahlgang. Obwohl er mit 28,2 Prozent deutlich hinter dem CSU-Kandidaten Hannes Kirmair (45,3 Prozent) zurückliegt, rechnet sich der 37-jährige Studienrat noch gute Chancen auf die Amtsnachfolge von OB-Andreas Haas (CSU) aus, der nach 18 Jahren abtritt.
Der Optimismus Liebetruths hat auch damit zu tun, dass die grüne Kandidatin Sophie Schuhmacher ihre 20,9 Prozent aus dem ersten Wahlgang zugunsten von Liebetruth in die Waagschale wirft. Die Germeringer Grünen haben das auch bereits auf ihren Wahlplakaten gut sichtbar vermerkt. „Die Grünen empfehlen mit Herz und Mut Liebetruth“, klebt jetzt in Rot auf den grünen Plakatständern. Ob sich die Wählerinnen und Wähler der Grünen daranhalten, bleibt abzuwarten.
Schuhmacher, 30, sah auf Nachfrage der SZ „übereinstimmende Visionen mit Liebetruth“. Sie hatte als amtierende dritte Bürgermeisterin auch mit der Stichwahl geliebäugelt, doch es kam anders. Die angehende Gymnasiallehrerin will sich jetzt auf die letzten Prüfungen im Juni zum Abschluss ihres Referendariats konzentrieren. Egal wer OB wird, sie wird als sicherlich baldige Fraktionsvorsitzende der Grünen dem künftigen Rathauschef genau auf die Finger schauen.
Landwirtschaftsmeister Hannes Kirmair, 32, kann auf die Unterstützung der kleinen Fraktionen ÖDP/Parteifreie und der FDP bauen. „Unternehmer wählen Unternehmer“ bekundet Micha Pfisterer, IT-Geschäftsführer in Germering, der als Kandidat von ÖDP und Parteifreien 3,6 Prozent aus dem ersten Wahlgang quasi zur Verfügung stellt.
Doch erst einmal zurück zu Döner und Leberkäs. Liebetruth lockte potenzielle Wähler zum bekannten „Steak Döner“-Laden an der Oberen Bahnhofstraße, um dort einen Döner für den Rabattpreis von drei Euro über den Ladentisch zu reichen. Neben ihm stand dabei Ronja von Wurmb-Seibel, die grüne Kontrahentin von Thomas Karmarsin bei der Landratsstichwahl. Auch bei Nieselregen war die Nachfrage groß und die Schlange lang. 350 Döner wurden offenbar feilgeboten.
500 Meter entfernt auf dem Wochenmarkt konnten sich die Menschen bei Kirmair schon vorher eine Leberkässemmel schmecken lassen. Die war sogar kostenlos, weil auch das Fleisch aus der Hofmetzgerei der Familie Kirmair stammte. Als „Voresser“ hatten sich auch Landrat Thomas Karmasin und als prominente Verstärkung Innenminister Alexander Dobrindt (beide CSU) aus Peißenberg eingefunden. Kirmair wechselte dann noch für eine Stunde an die Edeka-Supermarktkasse in der Nähe, wo er, wie verlautete, Waren für etwa 2000 Euro scannte. Die Summe soll als Spende an das Germeringer Hospiz und das Frauenhaus des Landkreises fließen.
Bei so vielen Nebengeräuschen gingen im Stichwahlkampf Inhalte vollkommen unter. Kirmairs Programm lautet zusammengefasst: keine Experimente. Der Landwirt, der vor allem durch seine Schweinezucht mit großer Weide für 250 Tiere bekannt ist, will „grundsolide Politik machen“, wie er bekräftigt. „Bodenständig“ ist sein Credo und „ich bin kein Freund von Luftschlössern“, fügt er hinzu „und auch nicht von Märchenerzählungen.“ Das geht gegen die Idee von Liebetruth, das Germeringer Rathaus in den großen Gebäudekomplex an die Stadthalle zu verlegen.

Das ist ein inhaltlicher Punkt, vielleicht der einzige, in dem sich die beiden Kontrahenten unterscheiden. Wenigstens hat der SPD-Kandidat eine Idee, sagt sich der eine oder andere Wähler. Die sogenannte „Harfe“ an der Stadthalle gehört seit zehn Jahren Rock Capital, einem Investor aus Grünwald. Der möchte das Gewerbeareal abreißen und dort in den Obergeschossen viele Wohnungen bauen, was der Stadtrat bisher abgelehnt hat, weil dann aus Lärmschutzgründen der Stadthallenplatz kaum noch genutzt werden kann, so die Befürchtung.
„Wenn auch der neue Stadtrat das Vorhaben und das Baurecht von Rock Capital ablehnt, muss das Unternehmen zwangsläufig verkaufen“, zeigt sich Liebetruth überzeugt. „Die Stadt könne das auch finanziell seriös darstellen“, so der SPD-Kandidat weiter. Sie kann zur Finanzierung das bisherige Rathaus und das alte Rathaus an der Planegger Straße einbringen. Kirmair bezeichnet die Idee als „nicht verantwortungsbewusst“. Ein bereits stattgefundenes Verkaufsgespräch mit Rock Capital hatte zu keinem Ergebnis geführt. „Da waren die finanziellen Forderungen utopisch gewesen“, erinnert sich Liebetruth.
Bei der Stadtratswahl hat die SPD kräftig zugelegt, die CSU bleibt aber stärkste Kraft
Apropos Stadtrat. Im Sog von Liebetruth, wenn man so will, konnte die SPD ihre Mandate von vier auf acht verdoppeln und ihr Ergebnis um gut acht auf 20,1 Prozent verbessern. Die CSU verlor acht Punkte auf 38,3 Prozent, ist aber mit 16 von 40 Sitzen immer noch mit Abstand stärkste Fraktion im Stadtrat. „Da habe ich mehr Gestaltungsspielraum als Liebetruth“, sieht sich Kirmair im Vorteil.
Der Endspurt der Stichwahl-Matadore ist in vollem Gange. Hausbesuche und Infostände sollen die Wählerinnen und Wähler an die Urne bringen. Liebetruth setzt nach 18 Jahren CSU-OB auf eine Wechselstimmung.





















