Gesundheit

USA: Die Masernfälle nehmen zu – aber auch die Impfskepsis |ABC-Z

Der Masernausbruch in den Vereinigten Staaten hat nun auch den Bezirk Escambia im Westen von Florida erreicht, in dem mehr als 30 Jahre lang kein Fall der unter Umständen tödlichen Virus­erkrankung ­gemeldet worden war. Eine Kinderarzt­praxis in Pensacola gab in der Nacht zu Mittwoch den ersten Patienten bekannt, nachdem die katholische Ave Maria University bei Naples im Bezirk Collier im Süden des Bundesstaats in den Tagen zuvor schon mindestens zwölf Fälle bestätigt hatte. Vier der Studenten wurden in ein Krankenhaus gebracht.

„Ich glaube, es gibt viel mehr Infektionen. Viele meiner Freunde sind erkrankt“, sagte die Studentin Josephine Miller dem Lokalsender WBBH. Das Gesund­heitsamt schickte inzwischen Ärzte auf den Campus. Die Verwaltung der Privatuniversität geht davon aus, dass sich ein Student während der Feiertage in einem anderen Bundesstaat ansteckte und die Masern nach Florida brachte. Auch in den Bezirken Duval, Hills­borough, St. John’s und Manatee wurden in den vergangenen Tagen Infektionen gemeldet.

Schon in den ersten Wochen des Jahres 2026 liegt die Zahl der Infizierten in Florida damit höher als im gesamten Vorjahr. Von Januar bis Dezember 2025 ­hatten die Gesundheitsbehörden des Südstaats insgesamt acht Infektionen registriert. In den vergangenen 20 Jahren infizierten sich jedes Jahr durchschnittlich drei Bewohner Floridas mit Masern.

Herdenimmunität liegt bei einer Impfquote von mindestens 95 Prozent

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beobachten aber eine zunehmende Impfskepsis. In Florida konnten für das Schuljahr 2024/2025 nur knapp 89 Prozent der Vorschüler die in der Vergangenheit übliche Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) nachweisen. Die Herdenimmunität, eine Barriere gegen das schnelle Ausbreiten von Infektionen, liegt bei einer Impfquote von mindestens 95 Prozent. Florida gehört zu den 13 amerikanischen Bundesstaaten mit einer Quote von weniger als 90 Prozent.

Der amerikanische Gesundheits­minister Robert F. Kennedy Jr. hatte kurz nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr für Empörung unter Medizinern gesorgt, als er die Entscheidung für eine MMR-Impfung eine „persönliche Angelegenheit“ nannte und auf eine ausgewogene Ernährung als „beste Verteidigung“ gegen viele Infektionskrankheiten verwies. Im Nordwesten von Texas wurde damals der schwerste ­Masernausbruch der vergangenen Jahrzehnte beobachtet. Ein sechs Jahre altes Mädchen, Tochter streng gläubiger Mennoniten, starb im Februar 2025. Ein weiteres Mädchen, das ebenfalls ungeimpft war, starb einige ­Wochen später. Bis zum Ende des Masern­ausbruchs in ­Texas im August infizierten sich fast 800 Bewohner des Bundes­staats.

Im Bezirk Spartanburg in South Carolina, das seit einem Jahr ebenfalls eine der größten Masernwellen der vergangenen Jahrzehnte erlebt, breiten sich die Infek­tionen derweil weiter aus. Bis Mittwoch meldeten die Gesundheitsbehörden des Bundesstaats fast 900 Fälle, etwa 30 von ihnen allein in der vergangenen Woche. In Utah und Arizona wurden insgesamt mehr als 500 Maserninfektionen gezählt. Weitere Bundesstaaten, unter ­ihnen Ohio, Washington und Wisconsin, meldeten kleinere „Outbreaks“ mit ­mindestens drei zusammenhängenden Fällen.

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