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Nico Schlotterbeck beim BVB: Schon gut genug für Bayern oder Liverpool? | ABC-Z

Nico Kovač, der Trainer von Borussia Dortmund, hatte große Mühe, seine Kernbotschaft zu kommunizieren, nach dem stabilen 2:1-Sieg seiner Mannschaft in Leverkusen. Nach sechs Siegen in sieben Bundesligapartien und dem Erfolg bei Manchester City am Dienstag war Bayer 04 ja so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. „Man muss das erst mal in Leverkusen so kontrollieren“, sagte Kovač, „das gefällt mir, das ist der Fußball, den wir sehen wollen, so stelle ich mir das vor bei einem Topgegner.“ Aber das Spielgeschehen war schnell überlagert von allerlei Randgeschichten.

Von der Frage nach dem immer noch nicht vollständig entfalteten Talent Karim Adeyemis, der „vom lieben Gott geküsst worden“ sei, wie Kovač sagte. Vom demonstrativ zur Schau gestellten Unmut des formschwachen Serhou Guirassy anlässlich einer Auswechslung. Und vom riesengroßen Nico-Schlotterbeck-Thema, das seit Wochen mal stärker und mal schwächer im schwarz-gelben Untergrund schwelt.

Bleibt er oder geht er?

Der Vertrag des Nationalspielers endet 2027, und für die Verantwortlichen ist klar: Entweder wird die Zusammenarbeit verlängert oder Schlotterbeck wird im kommenden Sommer verkauft, damit er nicht ablösefrei geht. In Leverkusen berichtete nun also Julian Brandt, dass er und Schlotterbeck „sehr viel quatschen“ und dass die Zukunftsplanung „auch ein Thema“ dieser Gespräche sei. „Ich mache mir bei meinem Schlotti keine Gedanken“, verkündete Brandt schließlich. Die Fans können also auf einen Verbleib des Profis hoffen.

Damit hatte die große Schlotti-Soap eine neue Episode, nachdem es bereits in den Tagen zuvor wild zur Sache gegangen war. Auf der Mitgliederversammlung sechs Tage vor dem Leverkusen-Spiel hatte Sportdirektor Sebastian Kehl allen Spielern die Hand gegeben, nur Schlotterbeck nicht. Das Video dazu ging viral. Ist das Verhältnis zwischen Abwehrchef und Sportdirektor erkaltet? Gibt es Konflikte? Plant Schlotterbeck seinen Abschied? „Das sieht etwas unglücklich aus“, sagte Kehl unter der Woche, „Schlotti und ich haben darüber geschmunzelt.“

Zuvor war im ewigen Strom der Fußballnachrichten darüber debattiert worden, ob Schlotterbeck innerhalb der Kabine Widerstand gegen den pragmatischen Kovač-Fußball leiste. Nach einer sehr passiven Schlussphase beim 1:1 in Hamburg vor der Länderspielpause hatte Schlotterbeck erklärt: „Wir müssen ein wenig mehr Fußball spielen. Das haben wir am Ende gar nicht mehr hinbekommen.“

Dieser Satz hätte auch zum Leverkusen-Spiel gepasst, in dessen Nachspielzeit die Dortmunder nur noch hilflos lange Bälle schlugen. Kovač jedoch war begeistert. Passt dieser Fußballer, der kurz vor dem Sprung in die Kategorie Weltklasse zu stehen scheint, noch zu einem oftmals eher bieder agierenden Tabellendritten der Bundesliga?

Schlotterbeck macht noch zu viele Fehler

Weil der BVB auch künftig kaum in den engeren Kreis der stärksten Teams der Welt vorstoßen wird, wäre es sehr erstaunlich, wenn Schlotterbeck noch lange bliebe. Kehl kann allerdings argumentieren, dass dem Fußballer noch ein letzter Entwicklungsschritt fehlt, um bei Real Madrid oder Manchester City zu landen. Schlotterbeck macht noch zu viele Fehler. So wie in der 81. Minute in Leverkusen, als Christian Kofane das Anschlusstor für die Werkself schoss und das Spiel noch einmal öffnete.

Auch in der Woche zuvor, als der Stuttgarter Deniz Undav in der Nachspielzeit zum 3:3 in Dortmund traf, war Schlotterbeck für den Angreifer zuständig, dessen Tor später als „Weltklasse“ kategorisiert wurde. Aber ein Weltklasseverteidiger hätte es auch verhindern können. Ist dieser Mann also schon gut genug für München, Liverpool, Madrid oder den FC Arsenal?

Duell um die Lufthoheit: Nico Schlotterbeck beim Kopfball im eigenen Strafraumdpa

Anfang November sagte der gebürtige Waiblinger noch über seinen Dortmunder Arbeitgeber, er habe „kein Problem, den Weg weiterzugehen“, und „Bock auf den Verein“. Vielleicht erzählt er solche Dinge auch Brandt.

Worauf er sicher keinen Bock hat, ist eine Fortsetzung der Geschichte der vergangenen Jahre. Schlotterbeck kam 2022 nach Dortmund, als gerade der Wechsel von Erling Haaland nach Manchester eine riesige Lücke im Kader geschlagen hatte. Er sah zu, wie Jude Bellingham ersetzt werden musste, und nahm hin, dass nicht einmal Niclas Füllkrug gehalten werden konnte. 2023 hat er mit dem BVB das traumatische Saisonfinale mit der durch ein 2:2 gegen Mainz verspielten Meisterschaft erlebt. Ein Jahr später verlor er das Champions-League-Finale. Mit dem SC Freiburg hat er schon zuvor eine Niederlage im Endspiel des DFB-Pokals erlitten.

In der Bundesliga wurde Schlotterbeck Zweiter, Fünfter und Vierter, bei Leipzig, Leverkusen oder Stuttgart hätte er während der vergangenen drei Jahre mehr gewonnen. In München sowieso. Außerdem ist er ganz gut vertraut mit dem Schicksal von Marco Reus, der bis 2023 das Gesicht der Mannschaft war. Der langjährige Kapitän des BVB spielte dort zwölf Jahre, war zweimal Fußballer des Jahres, wurde dreimal zum Spieler der Saison gewählt, hat aber abgesehen von zwei auch noch von Verletzungen und einer Pandemie überschatteten Erfolgen im DFB-Pokal nichts gewonnen in seiner Karriere. Gemessen an Reus’ fußballerischem Potential ist das sehr wenig.

Vor diesem Hintergrund könnte das Achtelfinale im DFB-Pokal, in dem die Dortmunder am Dienstag abermals gegen Leverkusen spielen, auch für Schlotterbecks Entscheidungsfindung relevant sein. Im Falle einer Niederlage wäre die beste Chance auf einen Titel in dieser Saison dahin. Und jeder Klub, der um Schlotterbeck wirbt, hätte ein Argument mehr für einen Vereinswechsel.

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