Neunfache Gebühren – Japan bittet Touristen stärker zur Kasse | ABC-Z

In Japan beginnen gerade die Kirschblüten zu blühen. Es ist eine Zeit im Jahr, in der auch die Menschen regelmäßig aufblühen, sich nicht nur über die Schönheit der Natur im Land freuen, sondern auch über gute Gesellschaft. Zur Kirschblütenkultur im ostasiatischen Land gehört es, sich mit Picknickdecke unter einen Baum zu setzen oder mit Booten über Teiche zu fahren und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Denn was ist Schönheit schon wert, wenn man sie nicht teilt?
Aber gerade in diesem Jahr zeigt sich, dass viele Menschen in Japan – und mit ihnen viele Behörden – ein besonderes Verhältnis zu Begriffen wie Teilen und Gemeinsamkeit entwickelt haben. Ab diesem Jahr kostet eine beliebte Bootstour in der Nähe des Kaiserpalasts in Tokio, mit Blick auf diverse Kirschbäume, für 30 Minuten 800 Yen (rund 4,40 Euro) – es sei denn, man ist Tourist, dann liegt der Preis knapp doppelt so hoch.
Auch anderswo gibt es für die nun startende Tourismushauptsaison ein paar Neuerungen, die zuungunsten der Reisenden ausfallen. Kyoto, das als kulturelle Wiege Japans gilt, hat seine Kurtaxe pro Übernachtung deutlich erhöht, je nach Kategorie sogar verneunfacht. In der Stadt Himeji, wo eine Burg von historischer Bedeutung zu den wichtigsten Attraktionen zählt, müssen Touris seit Kurzem auch mehr zahlen als Menschen, die vor Ort leben. In einigen Museen sieht es nun ähnlich aus. Und diese Preise sind alles andere als Zufall.
Wegen Besucherwelle: Höhere Preise für Nicht-Japaner
Die Schritte ordnen sich ein in einen klar erkennbaren Trend: Man will Touristinnen und Touristen, deren Zahl seit Jahren zunimmt, stärker zur Kasse bitten, sie damit wohl auch von Orten, die unter Einheimischen beliebt sind, zumindest in allzu großen Massen fernhalten. Denn immer wieder hat es in den vergangenen Jahren Aufreger über nervige Touris gegeben, die sich über soziale Medien wie Lauffeuer verbreiteten: laute Menschen in U-Bahnen, Sportler, die an heiligen Stätten Klimmzüge machen, und vieles mehr.
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Die neuen, strengeren Regeln mögen denen im Land, die vom Tourismus nicht finanziell profitieren, gefallen. Aber sie sind auch ein Balanceakt. Denn im demografisch alternden und schrumpfenden Land ist es schwer geworden, noch weiteres Wirtschaftswachstum zu generieren – wobei die Regierung dies aber offiziell anstrebt. Nur ist das bei fallenden Zahlen von Produzentinnen und Konsumenten nicht leicht. Unternehmen zögern mit Investitionen, wenn sie keine wachsenden Märkte erwarten.

Eine Touristin auf ihrer Japan-Reise.
© imago/AFLO | IMAGO stock
Eine Sonderrolle spielt hier der Tourismus. Denn mit ihm lässt sich Kaufkraft aus dem Ausland importieren, die touristische Erfahrung also quasi exportieren. Auf die Idee, den Tourismus gezielt zu einem neuen Wachstumsmotor zu machen, kam Japans Regierung Anfang des vergangenen Jahrzehnts. Und Japans einzigartige Kultur – von minimalistischer Ästhetik über grazile Kulinarik bis zu atemberaubend vielfältiger Natur – hat sich als Verkaufsschlager erwiesen.
Im Jahr 2011, bevor der japanische Staat mit einer weltweiten Werbekampagne unterm Banner „Cool Japan“ begann, waren noch 6,2 Millionen Besucherinnen ins Land gereist. 2025 wurde mit knapp 43 Millionen ein neuer Rekord aufgestellt. Der Fremdenverkehr ist hinter der Automobilbranche mittlerweile zum zweitwichtigsten Exportsektor geworden.
Fremdenfeindlichkeit: Vorurteile gegen Ausländer in Japan
Und die Regierung will offiziell noch mehr. Bis 2030, so ein aktuelles Ziel, sollen 60 Millionen ins Land reisen. Wobei die Regierung hierüber aktuell nicht so laut redet. Was solche Zuwächse mit der Stimmung im Land machen würden, mag man sich nicht vorstellen. Schon jetzt ist der Argwohn gegenüber ausländischen Reisenden spürbar. Bei den letzten Wahlen sind rechte Parteien und Parolen beliebt gewesen. Die präsentierten Ideen reichten vom Vorschlag, dass Ausländer keine Immobilien kaufen dürfen, über Obergrenzen für Ausländer bis zur Forderung, in Japan geborene Kinder von Ausländern sollten kein Wahlrecht haben. Auch wird gern behauptet, Ausländer seien oft kriminell.
Der Missmut gegenüber Ausländern – Touris und im Land Lebende werden oft vermischt – wird auch durch ökonomische Hintergründe befeuert. „Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich mir eine Reise ins Ausland nicht mehr leisten“, ist ein Satz, der von älteren Menschen zuletzt häufiger zu hören ist. Denn seit einigen Jahren ist Japans Währung Yen – da Zentralbank und Regierung die stotternde Wirtschaft mit Investitionen beleben wollen – historisch schwach. Dies senkt die Kaufkraft des Yens im Ausland. Und dies führt zu einem doppelten Effekt, der die Stimmung im Land nicht positiver macht.
Teurer Yen: Ausländische Touristen profitieren von schwacher Währung
Dass Reisen ins Ausland für Menschen aus Japan, die über Jahrzehnte ein reisefreudiges Volk gewesen sind, nun sehr teuer sind, ist nur die eine Seite. Die andere ist, dass derzeit bei Touristen, die aus dem Ausland nach Japan kommen, das Portemonnaie oft lockersitzt. Denn für sie ist Japan, dessen Yen in den letzten 13 Jahren rund 80 Prozent seines Werts gegenüber US-Dollar und Euro verloren hat, oft billig.

Auch auf diese Weise werden die dualen Preise, die es nun für diverse Attraktionen in Japan gibt und Menschen aus dem Ausland stärker zur Kasse bitten sollen, teils gerechtfertigt. Ob dies aber der wahre Grund ist, wird sich zeigen, wenn Japans Zentralbank eines Tages seinen Leitzins anhebt, womit der Yen stärker und Japan als Reiseland wieder teurer werden würde.





















