Neues Album von das bisschen Totschlag: Lo-Fi kaputter Frühling | ABC-Z

Shoegaze, Erschöpfung, Großstadt – das bisschen Totschlag haben mit „0dB Headroom“ ihr bisher bestes Album herausgebracht.
Ein abgeschrabbelter Renault 5 fährt in den Stadtautobahntunnel. Altes Polster, Asche und warme Haut in der Sonne. Die Dämmerung der Stadt entfernt sich im Rückspiegel. Langsam perlig-klimpernde Töne knirschen aus dem Autoradio, eine heisere Stimme: „Can you keep a secret for me?/Can you keep for me a promise?“. Immer tiefer bohrt sich der schummrige Tunnel. Oben über dem Asphalt arbeitet die Stadt sich krumm, bricht sich das Herz und schluckt die Tränen runter. Der Radioempfang ist weg, was bleibt, ist Knistern.
Dabei gibt es kein Auto, keinen Tunnel und auch kein Radio, nur geschlossene Augen und das neue Album „0dB Headroom“ der Berlin-Hamburger Familienunternehmung das bisschen Totschlag, bestehend aus den Brüdern Fabian und Max (beide Gitarre, Synths, Gesang) und ihrem Cousin Niklas Kiepe (Schlagzeug). Trotzdem rauschen die shoe-gazingen Sounds in den Ohren, es rauscht im Hirn und in der Brust, momentan rauscht es auch auf einer Mini-Tour der Band in Mini-Läden, letzten Donnerstag in der Berliner 8mm-Bar, am 28. März im Import Export in München.
Abgebrühte Synthies und schrubbende Drums
Irgendwo zwischen dem gelangweilten Cloud Rap Yung Leans und dem retro Lo-Fi Folk Eliott Smiths drücken die drei Jungs mit ihrer dritten LP melancholische Abstumpfung in den Äther. Verzerrte Gitarren und reibende Stahlbesen-Percussions brechen die Lyrics immer wieder, lassen sie hinter dem Sound verschwinden. Die Versatzstücke, die sich im Gehörgang entziffern, stützen die Gesamtanmutung: „Time is all I want/Time is all I want“ umkreisen da die Gitarren: „time is all I want/with you by my side/with/you/with/you/with you/by my side“
das bisschen Totschlag: „0dB Headroom“ (new basement/Word and Sound)
Es gibt keinen Puffer mehr. Der Titel des Albums – eine Anspielung aus der Tontechnik, die den Spielraum zwischen Signal und Verzerrung anzeigt – ist eindeutig. Kein Geräusch passt dazwischen, die Klänge sind wund und auch lyrisch-emotional scheinen die Kapazitäten erschöpft.
Die Monotonie zieht sich durchs Album, sie gräbt sich ins Nichts. Die meisten Songs verlaufen in die Leere. Das alles ist so großartig ausdruckslos, dass es sich zur maximalen Resignation aufstapelt. Wenn in „93“ elektronisches Knattern die Textzeilen „I’m doing my best, smoking out the window/I wanna change my hair my clothes my face/I wanna steal mums car and get away“ eröffnet, fehlt der Intonation zwar jegliche Dringlichkeit, doch gerade deswegen fangen die meist recht kurzen Tracks den Zeitgeist dieses deprimierenden Großstadtfrühlings ein. Man hört sie einfach in Endlosschleife. Musik wie Schotter in den Schuhen. Es tut weh, aber zum Rausschütteln fehlt die Kraft.
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