Neue Union-Parteivize: Katholisch und knallhart gegen rechts | ABC-Z

Als sie vor 25 Jahren Wahlkampfflyer für Roland Koch verteilte, hätte sie sich niemals vorstellen können, eines Tages stellvertretende Parteivorsitzende zu sein, sagt Ines Claus. Die 1001 Delegierten des CDU-Bundesparteitages wählten die 48-jährige am Freitag zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden, eine von sechs in dieser Postion. Für sie wurde extra ein zusätzlicher Vizeposten geschaffen, um die 50-prozentige Frauenquote einzuhalten und es einem der drei männlichen Vizes zu ersparen, seinen Posten zugunsten einer Frau zu räumen.
Wie sehr die CDU mit der Quote, die sie ab 2022 für ihre Gremien und Führungspositionen schrittweise einführte und die erst mal befristet bis 2029 gilt, immer noch fremdelt, lässt sich an den Wahlergebnissen ablesen. Die drei Stellvertreterinnen schneiden alle schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. Ob sie das störe? Claus eine großgewachsene Frau, die mit ruhiger Stimme spricht, verneint. „Ich empfinde Demut und Dankbarkeit“, sagt sie der taz.
Aber nur mit Demut und Dankbarkeit kommt man in der CDU gerade als Politikerin nicht nach oben. So ist auch Claus, die eigentlich nie eine Anhängerin der Quote gewesen sei, überzeugt, „dass da noch Luft nach oben ist“. „Ich bin immer Team Frauenförderung“, sagt sie. Die Frauenquote sei da eigentlich nur der zweitbeste Weg. „Aber wenn der beste nicht funktioniert, braucht es eben den zweitbesten.“
Weibliche Vorbilder? Damit kann sie nicht viel anfangen. Aber starke Frauen habe es in der CDU immer gegeben: Angela Merkel, Ursula von der Leyen und die kürzlich verstorbene Rita Süssmuth. Gerade die einstige Familienministerin und Bundestagspräsidentin sei „ihrer Zeit weit voraus gewesen“.
„Besser, wenn die CDU regiert“
Claus, gebürtige Bochumerin, lebt in Hessen und ist Fraktionsvorsitzende im Wiesbadener Landtag. Mit 21 Jahren, während ihres Jura-Studiums, trat sie in die CDU ein. Die Christdemokraten hatten gerade die Wahl verloren, die SPD unter Gerhard Schröder übernahm zusammen den Grünen. Und Claus war der Meinung: „Es ist immer besser, wenn die CDU regiert.“
Also machte sie Wahlkampf für Koch, der 1999 die rot-grüne Regierung in Hessen ablöste, unter anderem mit der Kampagne gegen den Doppelpass.
Die politische Karriere von Claus, die nach ihrem Abschluss als Volljuristin im Büro des Landtagspräsidenten gearbeitet und drei Kinder bekommen hatte, nahm erst in den vergangenen Jahren Fahrt auf. 2019 zog sie erstmals in den Landtag ein, nur ein Jahr später wurde sie, gefördert vom damaligen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Fraktionsvorsitzende. Als es zwei Jahre später um die Nachfolge Bouffiers ging, zog der allerdings einen Mann vor – den jetzigen Ministerpräsidenten Boris Rhein. Das sei völlig in Ordnung gewesen sagt Claus mit Nachdruck, „Boris und ich sind ein gutes Team.“
Als Parteivize sehe sie sich als Generalistin, die Themen Wirtschaft und Sicherheit für Frauen möchte sie starkmachen. Das klingt sehr allgemein, präziser lässt sich sagen, wofür Ines Claus nicht steht, nämlich für eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Als Katholikin sehe sie sich in Verantwortung gegenüber dem ungeborenen Leben.
„Traut Euch“
Aber auch für eine Zusammenarbeit mit der AfD ist Claus nicht zu haben. „Unser Land überlassen wir nicht denen, die von der Machtergreifung träumen“, rief sie in ihrer Bewerbungsrede auf dem Parteitag. Wie die CDU strategisch gegen die extrem Rechten vorgehen soll, klingt auch bei Claus eher dünn, nämlich „gut regieren und die Themen der Menschen bearbeiten“. Aber solche Allgemeinplätze sind nicht nur in der CDU weit verbreitet.
Für Claus steht fest, dass es mehr Frauen in führenden Positionen braucht, denn „wir haben eine moderierende Art und sind Organisationstalente.“ Jungen Frauen, die in die Politik wollen, rät sie: „Traut Euch!“ Gut möglich, dass für Ines Claus der Posten als Parteivize nur eine Station der politischen Karriere ist.





















