Neue Kämpfe im Ostkongo: Zwischen Todesangst und Flucht | ABC-Z

Wegen einer neuen Offensive der M23-Miliz im Ostkongo sind Tausende Menschen in das benachbarte Burundi geflohen. Einige haben auf der Flucht Schreckliches gesehen.
Weiße Plastikplanen über simple Holzgestelle gehängt – diese einfachen Notunterkünfte erstrecken sich, so weit das Auge reicht. Das Flüchtlingslager im burundischen Gatumba ist völlig überfüllt. Viele Menschen hungern.
In knapp einer Woche sind rund 30.000 Menschen aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo hierher geflüchtet, schätzt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Viel mehr, als versorgt werden können, klagt Lumwana Nzuluni: “Wir haben kein Trinkwasser und keine Toiletten. Die Situation ist katastrophal – unhygienisch und gefährlich. Menschliche Exkremente liegen überall in der Gegend. Das ist widerlich und gefährdet unser Leben.”
Flucht vor neuer Offensive
Die Menschen sind vor einer neuen Offensive der M23 geflüchtet. Die Rebellenmiliz hat in dieser knappen Woche den größten Teil der Provinz Süd-Kivu erobert. Zuletzt die strategisch wichtige Stadt Uvira am Tanganjika-See.
Bewohner Alvin Safari sagt: “Die Leute hatten Todesangst wegen der Feuergefechte. Einige sind geflüchtet, andere wurden getötet. Aber wir haben Gott sei Dank überlebt.”
Inzwischen hat M23-Miliz ihren Rückzug aus Uvira verkündet. Die Miliz werde ihre Kämpfer auf Verlangen der USA “einseitig” aus der Stadt am Tanganjikasee zurückziehen, erklärte der politische Anführer der M23, Corneille Nangaa.
Die Rebellenmiliz M23 patrouilliert durch die Stadt Uvira. Nach eigenen Angaben will sie sich von dort zurückziehen.
Die Offensive in Süd-Kivu kam direkt nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen dem Kongo und Ruanda in Washington, den Donald Trump als Wunder gefeiert hatte. Ruanda unterstützt die M23, was sowohl die Regierung in Kigali als auch die Miliz bestreiten.
“Wir sagen, dass wir hier keine Truppen aus Ruanda haben. Und vor allem, dass dies ein Konflikt zwischen Kongolesen ist”, so Nangaa. Der politische Führer der M23 betont, dass seine Kämpfer den Ostkongo befreit und befriedet hätten. Die Flüchtlinge erzählen eine andere Geschichte.
Berichte über Bomben und Gräueltaten
Samuel Masikitiko schiebt ein Fahrrad, schwer beladen mit geretteten Habseligkeiten. Oben auf dem Lenker sitzt sein kleiner Sohn. Der Flüchtling aus Luvungi nahe der Grenze zu Burundi sucht nach einem sicheren Ort für sich und seine Familie. “Es hat so viele Tote gegeben”, sagt Samuel. “Ein Motorradfahrer direkt vor uns auf der Straße wurde von einer Bombe getroffen. Alle um ihn herum sind gestorben. Wir wissen nicht mal, ob die Bomben von der M23 geworfen wurden oder von der kongolesischen Armee.”
Bernadette Shalulo im Flüchtlingslager Gatumba hat noch Schrecklicheres gesehen: “Wir sind vor den Bomben aus unserem Dorf geflüchtet. Davon sind mehr gefallen als Kugeln aus den Maschinengewehren. Auf der Flucht haben wir viele Tote gesehen. Andere haben Hände oder Füße verloren. Einigen haben sie die Beine abgehackt. So war es auf dem ganzen Weg hierher.”
M23 bestreitet Gräueltaten
Die M23 bestreitet alle Gräueltaten gegen Zivilisten. Die Miliz ist dabei, eine Gegenregierung im Ostkongo aufzubauen – als Vorbereitung auf einen eigenen Staat. Und sie schielt bereits auf die nächste Provinz: Das bisher friedliche Katanga mit seinen riesigen Kupfer- und Kobaltminen. Patrick Busu Bwa Ngwi, der neue Gouverneur von Süd-Kivu, sagt: “Katanga ist eine Provinz wie jede andere. Wir gehen überall hin, wo es Missbrauch, Massaker und Missmanagement gibt. Wir wollen Tshisekedi und seine Bande stoppen, die dieses Land ausplündern. Und wir werden ihn, wenn nötig, mit Gewalt stoppen.





















