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Neue Bürgermeister im Landkreis Starnberg: Eine Frau, ein Grüner, niemand mehr aus SPD und FDP – Starnberg | ABC-Z

Die Kommunalpolitik im Landkreis Starnberg bleibt auch nach den Wahlen männerdominiert. „Ich bin die einzige Frau, ich weiß schon“, sagt Sassa Bäumler am Tag nach der Stichwahl lachend am Telefon. Bisher ohne kommunalpolitisches Mandat, ohne Parteizugehörigkeit, aber „amtlos viel unterwegs“, wie sie sagt, hat sich die 55-jährige Juristin am Sonntag in Wörthsee gegen den CSU-Konkurrenten Jakob Aumiller durchgesetzt. Sie habe schon zweimal für den Gemeinderat kandidiert, allerdings erfolglos, die Politik im Ort habe sie aber stets intensiv begleitet und oft Gemeinderatssitzungen besucht.

Sassa Bäumler, Rechtsanwältin, Steuerberaterin und Mutter von vier Kindern, wohnt seit 20 Jahren in Walchstadt. Im Wahlkampf habe sie an vielen Haustüren geklingelt und dadurch eine gewisse Bekanntheit in der 5290-Einwohner-Gemeinde erlangt. „Das hat wahnsinnig Spaß gemacht“, sagt sie im Nachhinein. Auch das hat nach ihrer eigenen Einschätzung zu ihrem Wahlsieg bei einer vergleichsweise hohen Wahlbeteiligung von gut 72 Prozent gegen einen CSU-Mann beigetragen.

Außerdem ist sie in Wörthsee durch vielfältiges ehrenamtliches Engagement unter anderem im Verein des Montessori-Kindergartens und im Helferkreis bekannt, wo sie sich um Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine kümmert. Unterstützt wurde sie bei der Wahl von SPD, Grünen, „Wörthsee aktiv“ und einem „unglaublich guten Wahlkampf-Team“. Zu ihren Zielen zählen eine bessere Infrastruktur für Radfahrer, der Ausbau der Hortplätze, und der Erhalt der Artenvielfalt, etwa durch Blühwiesen auf Gemeindeflächen.

Bei Bürgermeisterdienstbesprechungen im Starnberger Landratsamt wird Sassa Bäumler demnächst die einzige Frau unter 14 Amtskollegen sein. Hubert Vögele wird der einzige Grüne in der Runde sein. Während in München ein Rathauschef der Ökopartei als Sensation gilt, ist das in Inning am Ammersee ganz sang- und klanglos über die Bühne gegangen. Und kampflos zudem bereits in der ersten Runde. Die CSU hat dort das Bürgermeisteramt ohne Gegenwehr aufgegeben, denn der 67-jährige Rentner Vögele war der einzige Bewerber. Er kann auf eine lange kommunalpolitische Erfahrung verweisen. Seit 2002 sitzt er im Gemeinderat, seit 2014 ist er Dritter Bürgermeister. CSU-Amtsinhaber Walter Bleimaier ist durchaus einverstanden mit seinem bisherigen Stellvertreter und künftigem Nachfolger, man versteht sich, da gibt es keine parteipolitischen Animositäten.

Hubert Vögele von den Grünen ist Bürgermeister in Inning. Das war einfach, denn er hatte keinen Gegenkandidaten. Marcus Vetter

Insgesamt ist die politische Landkarte im Fünfseenland weniger bunt als bisher. Jedes zweite Rathaus wird von einem CSU-Mann regiert, zwei mehr als bisher. Ansonsten gibt es außer dem einzigen Grünen Vögele noch Parteifreie aus verschiedenen Gruppierungen. Die Parteien FDP und SPD, die sich bundesweit in einer Krise befinden, verlieren auch in Gemeinderäten Sitze und müssen die Chefbüros in den zwei Gemeindeverwaltungen in Krailling und Gilching räumen.

FDP-Bürgermeister sind in Bayern eine Rarität, Rudolph Haux in Krailling war einer der wenigen. Er hatte fest damit gerechnet, dass er in die Stichwahl kommt, scheiterte aber schon in der ersten Runde. Gründe waren seiner Ansicht nach unrichtige Behauptungen im Wahlkampf und die Gesamtsituation der FDP. Es sind aber auch Dinge schiefgelaufen in seiner Amtszeit. So wurde es in der Grundschule mangels einer funktionierenden Heizung kurzzeitig so kalt, dass dort kein Unterricht möglich war. Am Rand des Gewerbegebiets wurde ein Grundstück für den Bau eines Krematoriums verkauft, das dafür möglicherweise gar nicht geeignet ist. In der Stichwahl setzte sich CSU-Kandidat Stefan Göttlinger erwartungsgemäß gegen Ricarda Weimar von den Grünen durch.

Manfred Walter war vorerst der letzte Bürgermeister mit einem SPD-Parteibuch im Landkreis Starnberg. Der 59-Jährige hatte diesmal nach drei Amtsperioden nicht mehr kandidiert, wurde aber noch in den Gemeinderat gewählt; seine Wunschnachfolgerin Steffi Weller scheiterte schon in der ersten Runde. In der Stichwahl siegte der 50-jährige FW-Kandidat Stefan Siegl deutlich vor dem CSU-Bewerber Roland Schrafstetter.

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