Netto verkauft jetzt Cannabissamen – und die CDU ist wenig begeistert – Wirtschaft | ABC-Z

Die Kugel Mozzarella für 1,29 Euro, die Flasche Rapsöl für 1,55 Euro und die Packung Hanfsamen Typ „L.A. Kush“ für 14,99 Euro. So liest sich das Prospekt vieler Netto-Filialen für die aktuelle Woche. In 255 Discountern in Nordostdeutschland und Berlin gibt es derzeit zum Frühlingsbeginn Cannabissamen im Angebot. Auch die Sorten „Sour Diesel“ und „White Runtz“ des Start-ups Gutmut Saatgut stehen in den Regalen. Eigenanbau dürfte wohl noch nie so einfach gewesen sein.
Möglich ist das, weil die vorherige Ampelregierung Kiffen in Teilen legalisiert hat. Seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene in ihren eigenen vier Wänden bis zu drei Cannabispflanzen hegen und pflegen. Seitdem ist auch der Verkauf von Cannabissamen erlaubt.
Dass jetzt aber selbst Discounter anfangen, diese Art von Pflanzensamen anzubieten, findet Hendrik Streeck (CDU) nicht gut. Streeck ist Drogenbeauftragter der Bundesregierung und CDU-Mitglied. Der überwiegende Teil seiner Partei ist mit der Teillegalisierung von Cannabis nicht einverstanden. Und laut Streeck gefährde die Aktion von Netto das Wohlergehen junger Menschen: Wenn die Pflanzen im Eigenheim einfach so rumstehen, so sagte es Streeck gegenüber dem Fernsehsender NTV, könnten auch Kinder und Jugendliche zum Cannabiskonsum kommen, „weil keiner hier den Konsum und den Anbau und die Ernte von Cannabis kontrolliert“.
Aber vielleicht könnte der Paragraf 10 aus dem Konsumcannabisgesetz eine entspannende Wirkung auf Streeck haben. Dort steht geschrieben, dass Cannabis am eigenen Wohnsitz sicher vor Kindern und Jugendlichen aufbewahrt werden muss. Übrigens: Den Kasten Bier und die Schachtel Zigaretten können Familien in Deutschland ruhig im Wohnzimmer stehen lassen – eine vergleichbare Regel für Alkohol oder Tabak gibt es hierzulande nicht.
Ohnehin scheint die Jugend Deutschlands kein Interesse daran zu haben, sich die Finger mit Blumenerde schmutzig zu machen. Der Geschäftsführer von Gutmut Saatgut wurde diese Woche im MDR gefragt, wer eigentlich die Hauptzielgruppe seiner Cannabissamen sei. Die Antwort: 40- bis 70-Jährige, die gerne gärtnern.
Um aus einem Cannabissamen eine Pflanze zu züchten, die etwas Brauchbares, beziehungsweise Rauchbares, abwirft, braucht es Zeit und Hingabe. Für diejenigen, die hierzulande legal kiffen möchten, gibt es viel einfachere Wege. Allen voran über Apotheken. Denn seit dem 1. April 2024, im Zuge der Teillegalisierung, ist es deutlich einfacher geworden, ein Rezept für medizinisches Cannabis zu bekommen. Auf Online-Plattformen können die Blüten zudem mittlerweile sogar ohne direkten Kontakt zu einem Arzt verschrieben werden.
Und auch an Tankstellen und in Gartencentern findet man in Deutschland schon häufiger Cannabissamen. Auch im Internet gibt es verschiedene Anbieter. Jetzt haben auch die Discounter diesen Markt entdeckt. Nun müssen nur noch die Hobbygärtner im mittleren Alter „L.A. Kush“ und „White Runtz“ im heimischen Garten anpflanzen.





















