Nahost-Liveblog: ++ Zwei tote Geiseln aus Gazastreifen geborgen ++ | ABC-Z

liveblog
Israels Militär hat zwei tote Geiseln im Gazastreifen gefunden und geborgen. Ein Fernsehteam der Deutschen Welle ist im Westjordanland von israelischen Soldaten bedroht und mit Tränengas beschossen worden.
Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:
Wir schließen den Liveblog für heute und danken für Ihr Interesse.
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben einen ranghohen Vertreter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Gazastreifen getötet. Mohammed Abd al-Aziz Abu Subaida sei bei einem Angriff im Gebiet des Flüchtlingslagers Bureidsch im Zentrum des abgeriegelten Küstenstreifens in der vergangenen Woche getötet worden, teilte das Militär bei Telegram mit.
Abu Subaida war demnach der Chef des palästinensischen Distrikts des IS. Nach Angaben der Armee war er für Festlegung der Politik sowie die Planung und Überwachung der Aktivitäten des IS im Gazastreifen, Westjordanland sowie auf der Sinai-Halbinsel verantwortlich. Der IS-Ableger im Gazastreifen beteiligte sich demnach aktiv an den Kämpfen gegen israelische Truppen in dem Gebiet.
Die USA entziehen Mitgliedern der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der Palästinensischen Autonomiebehörde die Visa. Dies teilt das US-Außenministerium mit, ohne Namen zu nennen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kann damit möglicherweise nicht zur UN-Generalversammlung im September reisen.
Die Vertretung der Palästinensischen Autonomiebehörde bei den Vereinten Nationen sei von den Beschränkungen jedoch ausgenommen, heißt es in der Erklärung. Der palästinensische UN-Vertreter Rijad Mansur sagt, man prüfe die genauen Folgen der Ankündigung. Frankreich und andere Staaten haben angekündigt, die Palästinensergebiete auf der Vollversammlung als eigenständigen Staat anerkennen zu wollen.
Die Türkei hat aus Protest gegen den Gazakrieg ihren Luftraum für israelische Flugzeuge gesperrt. Außenminister Hakan Fidan sagte in einer Sondersitzung des Parlaments in Ankara, der Handel mit Israel sei vollständig eingestellt worden. Türkischen Schiffen sei das Anlaufen israelischer Häfen ebenso untersagt wie israelischen Maschinen der Überflug über die Türkei.
Die Türkei hatte im Mai des vergangenen Jahres die direkten Handelsbeziehungen zu Israel abgebrochen und einen dauerhaften Waffenstillstand und die sofortige Bereitstellung von Hilfslieferungen für den Gazastreifen gefordert. 2023 belief sich das Handelsvolumen beider Länder noch auf rund sieben Milliarden Dollar.
Die Türkei sperrt ihre Häfen für israelische Schiffe und verbietet türkischen Schiffen, israelische Häfen anzulaufen. Zudem werden Beschränkungen für Flugzeuge verhängt, die in den türkischen Luftraum einfliegen, kündigt Außenminister Hakan Fidan an.
Eine Stellungnahme der israelischen Regierung liegt zunächst nicht vor. Die Regierung in Ankara gehört zu den schärfsten Kritikern des Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen.
Die israelische Armee hat nach Angaben eines Sprechers erste Schritte ihrer Offensive auf die Stadt Gaza begonnen. Derzeit gehe das Militär “mit großer Intensität” in den Außenbezirken der größten Stadt des Gazastreifens vor, teilte Avichay Adraee auf X in arabischer Sprache mit. Er sprach von “vorbereitenden Einsätzen”.
Israel plant, die Stadt im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens einzunehmen. Schätzungen zufolge halten sich dort noch rund eine Million Menschen auf, die nach dem Willen der israelischen Führung in den Süden des Gebiets umquartiert werden sollen. “Wir werden unsere Angriffe verstärken”, kündigte der Armeesprecher weiter an. Ziel sei die Freilassung aller aus Israel entführten Geiseln sowie die Zerschlagung der Hamas.
Die Zahl der seit Beginn des Krieges im Gazastreifen Getöteten liegt nach Angaben des von der militant-islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums jetzt bei mehr als 63.000. Das Ministerium meldete am Freitag 63.025 Tote. Das Ministerium unterscheidet in seinen Statistiken nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern.
Trotz seiner Zugehörigkeit zur Hamas-Regierung sehen die Vereinten Nationen und internationale Organisationen das Ministerium als die zuverlässigste Quelle für Opferzahlen im Gazastreifen an. Israel hat die aus dem Palästinensergebiet gemeldeten Zahlen immer wieder bestritten, selbst aber keine Angaben zur Zahl der palästinensischen Kriegsopfer vorgelegt.
Die etwa 440 Menschen auf dem Gelände der katholischen Kirche in der Gaza-Stadt wollen ungeachtet der Evakuierungsaufforderungen der israelischen Armee dort bleiben. Die Gemeinde der Heiligen Familie habe den Menschen auf dem Gelände die Entscheidung überlassen, ob sie fliehen oder bleiben wollten, sagte Kirchenvertreter Farid Dschubran. Auch Geistliche blieben vor Ort, um den Menschen zu helfen.
Das israelische Militär hat angekündigt, die Stadt einzunehmen und sie zu “einer gefährlichen Kampfzone” erklärt. Die Kirche der Heiligen Familie ist die einzige katholische Kirche im Gazastreifen. Mitte Juli kamen bei einem israelischen Angriff auf das Gelände drei Menschen ums Leben. Weitere zehn wurden verletzt, unter ihnen Gemeindepfarrer Gabriel Romanelli. Das israelische Außenministerium bat damals in einem seltenen Schritt um Verzeihung.
Auf dem Kirchenkomplex sind sowohl Christen als auch Muslime untergebracht, darunter auch eine Reihe von Kindern mit Behinderungen, wie der stellvertretende Direktor des Al-Ahli-Krankenhauses sagte.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat erstmals diplomatische Kontakte zur islamistischen Übergangsregierung in Syrien bestätigt. “Diese Gespräche finden genau jetzt, in diesem Moment statt”, sagte Netanjahu am Donnerstag in einem von seinem Büro veröffentlichten Video. Dabei gehe es um den Schutz der religiösen Minderheit der Drusen in Syrien, um die Schaffung einer entmilitarisierten Zone im Süden des Nachbarlandes und humanitäre Korridore für die Lieferung von Hilfsgütern. Die entmilitarisierte Zone solle sich “von den Golanhöhen südlich von Damaskus bis hinunter nach Suwaida erstrecken und dieses mit einschließen”, fügte Netanjahu hinzu.
Angesichts der Intensivierung des Armeeeinsatzes im Gazastreifen hat Großbritannien israelische Regierungsvertreter von der britischen Rüstungsmesse DSEI ausgeschlossen. “Die Entscheidung der israelischen Regierung, ihren Armeeeinsatz im Gazastreifen zu intensivieren, ist falsch. Folglich können wir bestätigen, dass keine Delegation der israelischen Regierung zur DSEI UK 2025 eingeladen werden wird”, hieß es in einer Erklärung des britischen Verteidigungsministeriums
Israels Armee hat einen Bericht bestätigt, wonach Soldaten kürzlich einen herzkranken Palästinenser, der mit einer jüdischen Israelin verheiratet ist, zeitweise festgenommen und verhört haben. Der Mann sei vier Tage lang “ohne Verdacht oder Haftbefehl” festgehalten worden, berichtete die israelische Zeitung Haaretz. Zeitweise soll er auch mit Handschellen gefesselt gewesen sein. Das Oberste Gericht erwirkte dem Medienbericht zufolge schließlich die Freilassung des Palästinensers und forderte eine Aufklärung des Vorfalls.
Das israelische Militär teilte mit, der Mann sei in der vergangenen Woche im Westjordanland festgenommen worden. Die Armee habe dort nach Waffen gesucht und dabei eine “unbekannte unterirdische Infrastruktur unter dem Haus des im Bericht erwähnten Verdächtigen” gefunden. Laut Haaretz sagte der Palästinenser, es handle sich dabei um eine Abwassergrube. Er habe in dem Ort Verwandte besucht, lebe aber in der israelischen Wüstenstadt Beerscheva.
Ein Team der Deutschen Welle ist nach Angaben des Senders am Dienstag bei Dreharbeiten in Ramallah vom israelischen Militär mit Waffen bedroht und gezielt mit Tränengas beschossen worden. Wie der deutsche Auslandssender jetzt mitteilte, waren die Journalisten klar als Presse gekennzeichnet. Der Angriff wurde filmisch dokumentiert, das Team wurde vom Tränengas getroffen.
Das Team, bestehend aus der Korrespondentin Fanny Facsar, dem Kameramann Rajai Khateeb und einem lokalen Kollegen, war vor Ort, um die Risiken für Medienschaffende im besetzten Westjordanland zu dokumentieren. Während der Dreharbeiten richteten israelische Soldaten ihre Waffen direkt auf die Gruppe, wie in einem bei YouTube veröffentlichten Video ab Minute 2:30 zu sehen ist. Die Soldaten hätten daraufhin das Feuer mit Tränengas eröffnet. Das Team sei getroffen worden, blieb aber körperlich unversehrt.
DW-Intendant Peter Limbourg äußerte sich besorgt. “Die wiederholten Angriffe auf unsere Journalistinnen und Journalisten in der Westbank sind absolut inakzeptabel”, erklärte er.
Das israelische Militär setzt die tägliche “humanitäre Feuerpause” für Gaza-Stadt ab Freitag aus. Das Gebiet stelle eine “gefährliche Kampfzone” dar, teilte es mit. Das Sicherheitskabinett hatte einen Plan zur Übernahme der Kontrolle über Gaza-Stadt und eine Ausweitung des Militäreinsatzes beschlossen. Das Militär erklärt, es werde “humanitäre Bemühungen neben den laufenden Manövern und Offensiveinsätzen gegen Terrororganisationen im Gazastreifen” zum Schutz Israels weiter unterstützen. Wie das geschehen soll, wurde nicht erklärt.
Im Juli hatte Israel eine tägliche, zehnstündige Feuerpause für Teile des Gazastreifens angekündigt, um eine Versorgung der hungernden Bevölkerung zu ermöglichen.
Israels Armee hat die Leichen zweier aus Israel entführter Menschen im Gazastreifen geborgen und nach Israel gebracht. Bei einem der Entführten handelt es sich um Ilan Weiss, einem Israeli, der bereits am Tag des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 getötet worden ist, wie der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu nach Angaben seines Büros mitteilte.
Zur Identität der zweiten Person gab es zunächst keine Informationen. Die sterblichen Überreste würden identifiziert. Insgesamt werden nun noch 48 Geiseln im Gazastreifen festgehalten, 20 davon sollen am Leben sein.
Bei dem jüngsten israelischen Luftangriff auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa soll nach Informationen aus Huthi-nahen Quellen auch deren Ministerpräsident Ahmed al-Rahaui getötet worden sein. Mehrere Leibwächter sollen ebenfalls ums Leben gekommen sein, hieß es aus Kreisen, die der Miliz nahestehen.
Auch das jemenitische Nachrichtenportal Adan al-Ghad berichtete unter Berufung auch nicht näher genannte Quellen von der Tötung al-Rahauis. Er soll demnach mit mehreren Begleitern in einem Wohnhaus getroffen worden sein. Die Huthi äußerten sich zunächst nicht selbst dazu.