Nahost-Liveblog: ++ Israeli soll Attentat auf Regierung geplant haben ++ | ABC-Z

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Ein vom Iran angeworbener Israeli soll ein Attentat auf die israelische Regierung geplant haben. Medienberichten zufolge hat Israel einen neuen Vorschlag für eine Feuerpause vorgelegt haben. Die Entwicklungen im Liveblog.
- Israel meldet Festnahme wegen mutmaßlicher Anschlagspläne
- Israel meldet Angriffe auf Hisbollah-Stellungen im Libanon
- Walkie-Talkies laut Hersteller seit zehn Jahren nicht produziert
- Westliche Diplomaten beraten in Paris über Lage in Nahost
Der Iran hat seinen bei einer Pager-Explosion verletzten Botschafter aus dem Libanon ausgeflogen. Außenminister Abbas Araghchi besuchte den Leiter der diplomatischen Vertretung, Modschtaba Amani, in einem Krankenhaus in der iranischen Hauptstadt Teheran. Dort erkundigte sich Araghchi auch bei den behandelnden Ärzten über dessen Gesundheitszustand.
Staatsmedien hatten in den vergangenen Tagen zunächst nur von einer “leichten Verletzung” Amanis berichtet. Insgesamt hatte der Iran am Mittwoch 95 Patienten ausgeflogen. Die meisten der Verwundeten hatten Verletzungen an Händen und Augen erlitten. Bei den Explosionen sogenannter Pager und Walkie-Talkies am Dienstag und Mittwoch wurden nach offiziellen Angaben mehr als 3.250 Menschen verletzt und 32 getötet. Die vom Iran unterstützte Hisbollah sieht Israel als Drahtzieher hinter den Explosionen.
Bei Raketenbeschuss aus dem Libanon sind in Nordisrael israelischen Medienberichten zufolge mindestens acht Menschen verletzt worden. Eine Person sei schwer verletzt, berichteten mehrere Medien übereinstimmend.
Israels Armee teilte mit, in der Nacht erneut Stellungen der Schiitenorganisation in mehreren Orten im Libanon attackiert zu haben. Darunter sei ein Waffenlager gewesen. Das Militär bestätigte zugleich, dass am Morgen Geschosse aus dem Libanon Richtung Israel gefeuert worden seien. Die Hisbollah reklamierte einen Angriff auf einen Posten der israelischen Armee für sich. Dabei habe es Opfer gegeben, teilte die Miliz mit.
Israel hat angesichts der stockenden Gaza-Verhandlungen einem Medienbericht zufolge einen neuen Entwurf für ein Abkommen mit der Hamas über eine Waffenpause und die Freilassung der verbliebenen Geiseln vorgelegt. Der Plan sieht auch vor, dass der Hamas-Anführer im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, das Gebiet unbehelligt verlassen darf, wie der israelische Sender Kan berichtete.
Im Gegenzug sollen alle noch von der Hamas festgehaltenen, aus Israel Entführten auf einmal freigelassen werden. Bei den Verhandlungen war bislang geplant gewesen, die Geiseln in mehreren Phasen freizubekommen. Nach fast einem Jahr Geiselhaft ist in Israel die Sorge um das Leben der Menschen groß. Mehrere Entführte sind bereits von der Hamas ermordet oder sehr wahrscheinlich im Zuge der israelischen Bombardierungen getötet worden.
Neben Sinwar soll dem Bericht zufolge auch weiteren hochrangigen Hamas-Mitgliedern freies Geleit aus dem Gazastreifen zugesichert werden. Wohin genau sie sich absetzen sollen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Der Plan beinhaltet Medien zufolge auch ein Ende des Kriegs sowie eine neue Regierung anstelle der Hamas. Teil des Deals ist demnach weiterhin auch die Entlassung palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen. Israel habe den Vorschlag den USA, die neben Ägypten und Katar zwischen Israel und der Hamas vermitteln, unterbreitet. Eine Reaktion der Hamas gab es zunächst nicht.
Israelische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben einen israelischen Staatsangehörigen festgenommen, der verdächtigt werde, in vom Iran unterstützte Pläne zur Ermordung ranghoher Politiker verwickelt zu sein.
Es handle sich um einen Geschäftsmann mit Verbindungen zur Türkei. Der israelische Staatsbürger sei vom iranischen Geheimdienst angeworben worden, teilten die Polizei und der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet mit. “Er wurde zweimal heimlich in den Iran gebracht und erhielt eine Bezahlung für die Durchführung von Missionen”, hieß es in der Erklärung mit Blick auf den Festgenommenen.
Bei den Treffen sei es um mögliche Attentate auf Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, Verteidigungsminister Yoav Gallant oder den Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes gegangen.
Nach der mutmaßlich koordiniert ausgelösten Explosion von Funksprechgeräten im Libanon hat die islamistische Terrororganisation Hisbollah den Tod von 20 Mitgliedern bekanntgegeben.
Die Miliz verkündete den Tod der 20 Mitglieder, ohne offiziell die Ursache zu nennen. Aus der Hisbollah nahestehenden Kreisen hieß es aber, sie seien durch die Explosionen der Walkie-Talkies getötet worden.
Israels Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht mehrere Hisbollah-Stellungen im Süden des Libanon mit Kampfjets und Artillerie angegriffen. Es meldet Treffer in mehreren Ortschaften in dem Gebiet, darunter ein Waffenlager der radikalislamischen Miliz.
In Israel wiederum wurden unbestätigten Medienberichten zufolge mehrere Zivilisten durch Beschuss aus dem Libanon mit Panzerabwehr-Raketen verletzt.
Die im Libanon explodierten Funksprechgeräte werden nach Angaben des japanischen Herstellers seit zehn Jahren nicht mehr produziert. “Das IC-V82 ist ein Handfunkgerät, das von 2004 bis Oktober 2014 gebaut und exportiert wurde, unter anderem in den Nahen Osten”, erklärte das Unternehmen Icom. “Die Produktion wurde vor etwa zehn Jahren eingestellt und von unserem Unternehmen nicht mehr ausgeliefert.”
Medienberichten zufolge trugen die am Mittwoch explodierten Funksprechgeräte das Icom-Logo. “Die Produktion der Batterien, die zum Betrieb des Hauptgerätes notwendig sind, wurde auch eingestellt”, hieß es weiter vom Unternehmen.
Icom wies zudem darauf hin, dass es keine Hologramm-Siegel oder ähnliche Schutzmaßnahmen gegen Produktfälschung an den Geräten angebracht habe. “Deshalb ist es nicht möglich festzustellen, ob die Produkte von unserer Firma ausgeliefert wurden” oder ob es sich um illegal nachgebaute Walkie-Talkies handele.
Ranghohe Diplomaten der USA, Großbritanniens, Deutschlands, Frankreichs und Italiens treffen heute in Paris zu Gesprächen über die Lage im Nahen Osten zusammen. Nach Diplomatenangaben aus Paris wird US-Außenminister Antony Blinken an dem Treffen in der französischen Hauptstadt teilnehmen, nachdem er zuvor bereits bei einem Besuch in Kairo die Wichtigkeit einer Feuerpause bekräftigt hatte. Den Angaben aus Paris zufolge nimmt auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) teil. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es dagegen, für Deutschland werde der Politische Direktor des Auswärtigen Amtes an dem kurzfristig anberaumten Treffen teilnehmen.
Der ebenfalls teilnehmende italienische Außenminister Antonio Tajani erklärte, die Gruppe werde über eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Lage im Libanon sprechen. Deneben werde der Krieg in der Ukraine Thema sein. Großbritannien bestätigte seine Teilnahme zunächst nicht.
Dunkle Flächen: besiedelte Gebiete, Schraffur: militärische Aktivitäten Israels
Das höchste Gericht Israels hat die Behörden dazu aufgerufen, beim Betrieb einer umstrittenen Haftanstalt im Süden des Landes das Gesetz zu befolgen. Das Gericht erklärte, die Haftanstalt Sde Teiman müsse israelischen Gesetzen folgen, die vorschreiben, wie feindliche Kombattanten in Kriegszeiten behandelt werden müssen. Eine Schließung ordnete das Gericht jedoch nicht an. Menschenrechtsgruppen sagen, in der Einrichtung seien Palästinenser misshandelt worden. Häftlinge würden dort gefesselt und mit verbundenen Augen festgehalten und müssten in lagerhausähnlichen Strukturen unter 24-Stunden-Flutlicht in Reihen sitzen. Die Gefangenen würden unzureichend verpflegt und Misshandlungen durch israelische Soldaten seien an der Tagesordnung.
“Der Schutz der Rechtsstaatlichkeit, selbst während eines schwierigen Krieges, ist der klare Ausdruck des Unterschieds zwischen einem demokratischen Staat, der um sein Leben kämpft, und einer terroristischen Organisation, die ihn zerstören will”, schrieb der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Usi Vogelman, in der Urteilsbegründung. Der israelische Staat hat erklärt, er habe die meisten Häftlinge aus der Einrichtung verlegt, seit deren Betrieb vor Gericht angefochten wurde. Die bestehende Anstalt werde vergrößert, um die Bedingungen zu verbessern. Israel hat seit Beginn des Gaza-Kriegs Tausende Palästinenser aus dem Gazastreifen geholt und in vielen Fällen ohne Anklage oder Verfahren inhaftiert, ehe sie wieder freigelassen wurden.
Der UN-Sicherheitsrat will angesichts der Explosionen im Libanon am Freitag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die UN-Vollversammlung fordert den Rückzug Israels. Der Liveblog zum Nachlesen.