Nächtlicher Luftangriff auf Odessa: Das leise Surren vor dem Knall | ABC-Z

Es begann mit einem Surren in der Luft. Wäre Odessa nicht im Krieg, würde man solche Geräusche überhaupt nicht wahrnehmen. Doch Odessa ist im Krieg. Und wer just in diesem Moment, am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht, nicht gerade laut Musik hörte, konnte dieses Surren sofort hören und begreifen, dass sich ein Unheil ankündigte.
Zu diesem Zeitpunkt war es schon zu spät, sich noch auf den Weg zu einem Luftschutzraum zu machen. Jeder Odessit weiß, dass es vom ersten Summen bis zur Explosion nur wenige Minuten sind. Und da ist der Aufenthalt auf der Straße gefährlicher als in einem fensterlosen Raum in der Wohnung.
Und richtig: kurz darauf gab es einen fürchterlichen Knall, mitten im Stadtzentrum. Es hörte sich an, als würde drei Straßen weiter ein schwer beladener Lastwagen von einer Brücke fallen. Wer zu diesem Zeitpunkt immer noch die Kopfhörer aufhatte, hörte die Explosionen im Zentrum von Odessa nicht. Doch die Füße begriffen, dass sich irgendetwas am Boden zu bewegen schien. Laut, schwer und ans Herz gehend. Und dann ging es Schlag auf Schlag. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Irgendwo draußen konnte man Schreie hören.
Nach etwa einer halben Stunde wurde es im Stadtzentrum wieder ruhig. Glücklicherweise funktionierte das Mobilfunknetz noch. Und so telefonierte man mit Freunden und Bekannten: „Wie geht es Dir? Hast Du noch Heizung, hast Du noch Strom?“ sind immer die ersten Fragen bei diesen Telefonaten. „Ich wollte mich gerade duschen, als bei mir eben der Strom ausgefallen ist“ berichtet Olha. Sie hat zwar eine autonome Gasheizung in ihrer Wohnung. Doch die wird über einen Boiler betrieben. Und der braucht Strom. Jetzt muss sie auf dem Gasherd Wasser heiß machen und das mit kaltem Wasser mischen, um sich zu waschen.
Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.
Tote und Verletzte nach russischen Angriffen auf Südukraine
In der Nacht zum 13. Februar hat Russland zahlreiche Regionen im Süden der Ukraine mit Drohnen und Raketen angegriffen. Neben Odessa waren auch Mykolajiw und Cherson betroffen. Getroffen wurden Wohnhäuser, Energieanlagen, Hafeninfrastruktur und zivile Einrichtungen. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, mehrere wurden teilweise schwer verletzt. Am Morgen wurde bekannt, dass zwei mehrstöckige Wohnhäuser in Odessa getroffen wurden. Zudem wurden zivile Infrastrukturobjekte und ein Autohaus beschädigt. In einer Schule und einem Kindergarten wurden Fensterscheiben von den Druckwellen der Explosionen zerstört.
In der Folge waren zahlreiche Wohnungen im Raum Odessa ohne Strom, Heizung und Wasser. Bei einem weiteren Angriff auf einen Hafen in der Region wurde nach offiziellen Angaben ein Mensch getötet, sechs weitere wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Die ukrainische Luftwaffe meldete, 18 Ortschaften seien bombardiert worden.
Auch im Osten des Landes gab es wieder russische Angriffe. Beim Beschuss eines Wohnhauses in der Stadt Kramatorsk sind nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft drei Brüder ums Leben gekommen. Ihre Mutter und Großmutter wurden verletzt.
Russische Ortschaften unter ukrainischem Beschuss
Auch im russischen Grenzgebiet zur Ukraine sind mehrere Menschen verletzt worden. Besonders betroffen waren Orte im Rajon Graivoron und im Rajon Krasnojaruschski der Region Belgorod. Neben Wohnhäusern und Verwaltungsgebäuden wurden auch Fahrzeuge und Versorgungsleitungen beschädigt. Dies berichtet der Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram.
In Graivoron wurde ein Mann verletzt, als eine Drohne ein Fahrzeug angriff. Beschädigt wurden drei Einfamilienhäuser, ein Gewerbeobjekt und drei Wohnungen. In der Nähe des Dorfes Ilek-Penkovka wurde ein Fahrer verletzt, als eine Drohne einen Bus traf.




















