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Nachruf auf Torwart Georg Koch: So ehrlich, dass es manchmal wehtat – Sport | ABC-Z

Dass Georg Koch Ecken und Kanten hatte, sich nichts gefallen ließ und auch mal verbal zu einer saftigen Grätsche ansetzte, konnte man im Lauf seiner Karriere immer wieder erleben. Vor allem aber war der Fußballtorwart ein Sportsmann, der immer kämpfte, immer emotional und mit vollem Einsatz bei der Sache war. Weshalb es nicht gerade für die Menschenkenntnis der Berliner Wettbetrüger sprach, dass sie ausgerechnet einen wie Koch für labil genug hielten, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen.

Im Frühjahr 2005 kontaktierte ihn der später wegen der Verwicklung in die Affäre um den Schiedsrichter Robert Hoyzer zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Ex-Profi Steffen Karl und bot ihm eine fünfstellige Summe für den Fall, dass er im kommenden Spiel „ein-, zweimal den Ball reinlassen“ würde. Koch dachte zunächst an einen Scherzanruf; als er erkannte, wie ernst es Karl meinte, war es Ehrensache, dass er nicht auf den Betrug einging und den Vorgang stattdessen öffentlich machte. Auch über die folgenden Drohanrufe durch die Kriminellen sprach er ohne Umschweife. Denn der in Bergisch Gladbach geborene Rheinländer war ehrlich. So ehrlich, dass es manchmal wehtat. Ihm selbst – und auch anderen. „Ich durfte mich immer nach Spielen vor die Kameras stellen. Soll ich dann lügen?“, sagte Koch einmal in einem Interview. Nein, das wäre für ihn nie infrage gekommen.

So ehrlich ging Georg Koch auch mit seinem schweren Schicksal um. Im Mai 2024 gab er bekannt, unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt zu sein. „Ich werde sterben“, sagte er damals, „aber ich habe keine Angst vor dem Tod.“ Ein halbes Jahr später sprach er ausführlich mit dem Fußballmagazin 11 Freunde über sein Leben und über den täglichen Kampf. „Es gab keinen Tag, an dem ich hätte aufgeben wollen. Dafür lebe ich zu gern“, sagte er damals. Nun hat er diesen Kampf verloren. Georg Koch ist am Mittwoch gestorben, einen Monat nach seinem 54. Geburtstag.

Reaktionen seiner Freunde und Weggefährten ließen nicht lange auf sich warten. So schrieb der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann auf der Plattform X: „Ein trauriger Tag, Georg Koch ist gestorben.“ Sie hätten oft gegeneinander gespielt, „und häufig war er besser als ich“. Einer seiner besten und langjährigsten Freunde war Markus Anfang, Trainer von Fortuna Düsseldorf. „Ich bin sehr traurig und fühle einen tiefen Schmerz in mir“, ließ er über den Instagram-Kanal seines Vereins verbreiten. „Schorsch und ich kannten uns seit der U17 und haben in fünf Vereinen zusammengespielt. Meine Gedanken sind jetzt bei der Familie“, sagte Anfang, der selbst sozusagen zur Familie gehört: Er ist Patenonkel von Kochs Tochter Emma.

Ein durch einen Böllerwurf beim Wiener Derby erlittenes Knalltrauma beendete seine Karriere

Bei seinem Heimatverein VfR Marienfeld hatte Georg Koch als Achtjähriger zunächst im Sturm gespielt. Weil der Stammtorwart auf dem Bauernhof seiner Eltern helfen musste, wurde Koch bei einem Turnier in Köln ins Tor gestellt. Wie später als Profi gab er alles, schlug sich auf dem Ascheplatz Knie und Ellbogen blutig. Und imponierte damit seinem Trainer dermaßen, dass er ihn zum Keeper umfunktionierte.

Ausgebildet wurde er später bei Bayer Leverkusen, über die SpVgg Erkenschwick ging es zu Fortuna Düsseldorf. Dort konnte sich Koch zunächst nicht gegen Jörg Schmadtke durchsetzen, später jedoch war er die Nummer eins, als der Klub von der dritten in die erste Liga durchmarschierte. Ein unglückliches Kapitel in seiner Karriere war das kurze Engagement bei der PSV Eindhoven. Dort sei er von Torwarttrainer Piet Schrijvers und seinem Konkurrenten Ronald Waterreus, beide ehemalige niederländische Nationalspieler, gemobbt worden, berichtete er später. Koch zog weiter nach Bielefeld, schaffte später mit dem 1. FC Kaiserslautern den Einzug ins Uefa-Pokal-Halbfinale, in dem die Pfälzer am spanischen Klub Alavés scheiterten. Weitere Stationen seiner Karriere waren Energie Cottbus und der MSV Duisburg, wo er als Mannschaftskapitän zum Liebling der Fans avancierte und die letzten seiner insgesamt 213 Bundesligaspiele bestritt.

Beim kroatischen Klub Dinamo Zagreb feierte Koch 2008 den Gewinn des Doubles – die einzigen beiden Titel seiner Profikarriere. Sein Karriereende folgte in der nächsten Saison, als er bei Rapid Wien unter Vertrag war. Während des Derbys gegen die Austria explodierte ein Knallkörper direkt neben dem Torwart, er erlitt ein Knalltrauma und einen Kreislaufzusammenbruch. Anhaltende Gleichgewichtsprobleme zwangen ihn zum Aufhören.

Später arbeitete Koch als Torwarttrainer, ehe ihn die schwere Erkrankung ereilte, der Koch aber auch mit Humor und Lebensmut entgegentrat. Er rauchte, trank gelegentlich ein Bier. Und oft trug er ein T-Shirt seiner Lieblingsband Die Toten Hosen. Die Aufschrift: „Bis zum bitteren Ende.“

In einer früheren Version des Textes war vom späteren Uefa-Cup-Sieger Alavés die Rede. Richtig ist, dass Alavés das Finale im Jahr 2001 verlor, mit 4:5 nach Golden Goal gegen den FC Liverpool. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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