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Nach fast 70 Jahren: Eine Münchner Institution schließt für immer | ABC-Z

Es war Rudolf Neumeister, der 1958 dem Auktionshaus seinen Namen gab. In den folgenden Jahrzehnten stieg das Auktionshaus in die Spitzenliga der Versteigerer auf. Maria Callas und Aristoteles Onassis waren Kunden. Und weil Neumeister auch Honorarkonsul von Jordanien war, schauten auch König Hussein und Kronprinz Hassan vorbei sowie Soraya, die Frau des Schahs von Persien.

Neumeisters Tochter, Katrin Stoll, trat 1983 in das Familienunternehmen ein, war ab 2008 alleinige Geschäftsführerin – und beendet nun zu Ende Oktober den Geschäftsbetrieb.

Auch das Haus soll verkauft werden

“Die Zeit bei Neumeister hat mich unglaublich bereichert: durch die Kunst, aber auch durch die wunderbaren Menschen, denen ich begegnet bin und bei denen ich mich auch bedanke – vor allem bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern”, sagt Katrin Stoll. Rund zwanzig Angestellte hat das Auktionshaus. Auch das Haus selbst in der Barer Straße 37 wurde verkauft, “weil sich die Erbengemeinschaft der Familie ebenfalls auflöst”. Eine Weiterführung sei auch deshalb nicht mehr geplant, weil sich Katrin Stolls Kinder für einen anderen Berufsweg entscheiden hätten, wie Stoll mitteilt.

Neumeister-Geschäftsführerin Katrin Stoll und Experte Rainer Schuster mit einem der Highlights. Die Vase war ein Geschenk des preußischen Königs an den Kronprinzen.
© Auktionshaus Neumeister
Neumeister-Geschäftsführerin Katrin Stoll und Experte Rainer Schuster mit einem der Highlights. Die Vase war ein Geschenk des preußischen Königs an den Kronprinzen.

von Auktionshaus Neumeister

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Besonders an Neumeister war das breite Spektrum der Objekte – von Alten Meister, moderne und zeitgenössische Kunst, Graphik, Antiquitäten, Silber, Porzellan und Schmuck. Eine Art “Hausheiliger” sei Carl Spitzweg gewesen, von dem einige Werke über Neumeister neue Eigentümer fanden, wie Neumeister mitteilt.

Schnell Licht in eine dunkle Zeit gebracht 

Neben Versteigerungen bot das Haus auch Schätzungen, Privatverkäufe und Provenienzforschung an. Dabei machte Katrin Stoll auch vor der Vergangenheit des eigenen Hauses nicht Halt. Nach einem Archivfund im Hause Neumeister hinsichtlich des Vorgängerunternehmens Weinmüller, das man 1958 übernommen hatte, stieß man auf Verstrickungen in die NS-Zeit.

 

Innerhalb von wenigen Wochen digitalisierte Neumeister seinen gesamten Datensatz und machte ihn öffentlich. “Ich sah immer eine große Verpflichtung des Kunsthandels, Licht ins Dunkel zu bringen, um in Restitutionsfällen zu fairen und gerechten Lösungen zu kommen”, sagt Katrin Stoll – und fordert “genaues Hinschauen statt Wegschauen.” Auf diesen eigenen Schritt, was ihr Unternehmen anbelangt, ist sie auch stolz, wie sie sagt.

Die Sommerauktion findet noch statt

Katrin Stoll selbst addierte zu den klassischen auch thematische Versteigerungen: “Vintage Culture” oder “Plastic Fantastic” (zur Kulturgeschichte des Kunststoffs) waren Sonderauktionen wie auch “Chair Affair” nur mit Sitzmöbeln. 2022 wurde auch der komplette Modenachlass von Hannelore Elsner versteigert – mit mehr als 1400 Stücken.

Kleidung der verstorbenen Schauspielerin Hannelore Elsner ist im Auktionshaus Neumeister ausgestellt.
Kleidung der verstorbenen Schauspielerin Hannelore Elsner ist im Auktionshaus Neumeister ausgestellt.
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Kleidung der verstorbenen Schauspielerin Hannelore Elsner ist im Auktionshaus Neumeister ausgestellt.

von Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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“In einer Zeit, in der Kunstwerke kühl wie Aktien gehandelt werden und es nur um Gewinnmaximierung geht, haben wir auch mit Leidenschaft für die Kunst und ihre gestalterische Kraft gearbeitet”, beschreibt Stoll die Philosophie ihres Hauses.
Die Sommerauktion am 24. Juni findet noch statt, bis Mitte Mai werden Einlieferungen angenommen. “Und für die Beendigung des Geschäftsbetriebes soll niemand einen Nachteil erleiden”, sagt Stoll: “Hierfür stehe ich persönlich ein.”
  

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