Nach Angriffen auf Schiffe in Straße von Hormus: Anstieg von Ölpreis erwartet | ABC-Z

Vor der Straße von Hormus stauen sich die Schiffe: Teheran verbietet die Durchfahrt und beschießt mehrere Öltanker. Reedereien wollen nun die Wasserstraße meiden. Experten rechnen mit einem massiven Anstieg des Ölpreises.
In der Straße von Hormus sind zwei Schiffe angegriffen worden. Eines der Schiffe sei vor der Küste von Oman “von einem unbekannten Geschoss getroffen worden”, erklärte die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO).
Im Maschinenraum sei ein Feuer ausgebrochen, das mittlerweile aber unter Kontrolle sei. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge habe es vier Verletzte gegeben und das Schiff musste evakuiert werden.
Das zweite Schiff ist UKMTO zufolge ebenfalls von einem Geschoss getroffen worden. Der danach entstandene Brand sei inzwischen gelöscht. Das Schiff beabsichtige, “seine Reise fortzusetzen”. Das iranische Staatsfernsehen hatte gemeldet, ein Öltanker sei “am Sinken”, nachdem er während der “illegalen” Passage durch die Straße von Hormus getroffen worden sei.
Reedereien vermeiden Straße von Hormus
Nach dem Beginn der US-israelischen Angriffe im Iran gestern hatte die Islamische Revolutionsgarde staatlichen Medienberichten zufolge die strategisch wichtige Wasserstraße geschlossen. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean.
Rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert. Die Schweizer Reederei MSC teilte mit, sie habe ihre Schiffe in der Golfregion angewiesen, sichere Häfen anzulaufen. Bis auf Weiteres seien sämtliche Buchungen für weltweite Fracht in der Region ausgesetzt. Auch der dänische Reederei-Konzern Maersk will die Straße von Hormus vorerst nicht mehr nutzen.
Ölpreise könnten auf mehr als 100 Dollar steigen
Die Eskalation in der Region beflügelt den Ölpreis: Der Preis der Nordseesorte Brent stieg Ölhändlern zufolge heute im außerbörslichen Handel um zehn Prozent. Damit liegt er bei rund 80 US-Dollar je Barrel. Freitag kostete ein Fass noch knapp 73 US-Dollar.
Analysten prognostizierten, dass der Preis auf 100 US-Dollar oder mehr klettern könnte. “Während die Militärschläge selbst die Ölpreise stützen, ist hier der entscheidende Faktor die Schließung der Straße von Hormus”, sagte Ajay Parmar, ein Mitarbeiter des Analysehauses ICIS. Satellitenbilder der Region zeigen, wie sich die Tankschiffe etwa vor den Vereinigten Arabischen Emiraten stauen.
“Wir erwarten, dass die Preise nach dem Wochenende deutlich näher an 100 US-Dollar pro Barrel eröffnen und dieses Niveau möglicherweise überschreiten, wenn die Sperrung der Wasserstraße andauert”, so Parmar. Auch Experten von RBC und Barclays halten einen Preis von 100 US-Dollar für möglich.
Opec+ will Fördermenge anheben
Das Ölkartell Opec+ beschloss heute eine Anhebung der Fördermenge um 206.000 Barrel pro Tag ab April. Dies entspricht weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage.
Selbst nach der Umleitung einiger Ölmengen durch Pipelines würde die Schließung der Meerenge einen Verlust von acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag bedeuten, sagte der Rystad-Ökonom Jorge Leon.
Reiche: Versorgung Deutschlands nicht gefährdet
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ruft mit Blick auf die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas zur Gelassenheit auf. Bezogen auf Flüssiggas würden “keine signifikanten Mengen” über die Straße von Hormus nach Deutschland importiert, sagt die CDU-Politikerin in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin.
Gas beziehe Deutschland vor allem über Pipelines aus Norwegen und Belgien, Flüssiggas überwiegend aus den USA und Kanada. Sie sehe aber, dass vor allem China, Indien, Japan und Südkorea Probleme bekommen könnten. In Bezug auf Öl betont Reiche, Hauptlieferanten für Deutschland seien Kasachstan, Norwegen und die USA. “Es kann zu Preissteigerungen kommen”, schließt Reiche für Deutschland nicht aus. Sie wolle darüber jetzt aber nicht spekulieren.





















