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München: Solarauto lux025 im australischen Outback – Freising | ABC-Z

Endlose Weiten, roter Staub, eine brennende Sonne: Auf den schnurgeraden Straßen Australiens war ein Fahrzeug unterwegs, das ganz ohne Benzin auskommt. Entwickelt und gebaut hat das Solarauto das „TUfast Eco Team“, ein etwa 40-köpfiges Team von Studierenden der Technischen Universität München aus den Studienfächern Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Management. Mitte Juli wurde der „lux025“ per Luftfracht nach Australien verschickt. Kurz darauf reiste die erste Gruppe des Teams hinterher, um letzte Tests zu absolvieren. Von August an stand dann die große Bewährungsprobe an: die Bridgestone World Solar Challenge 2025, an der die Münchner zum ersten Mal teilnahmen, aber wegen einer Panne aus der Wertung fielen.

„Wir sind das einzige bayerische Team und nach dem Team Sonnenwagen aus Aachen das zweite aus Deutschland“, sagt Teammitglied Anna Buhmann, eine ehemalige Freisinger Schülerin. Fünf bis sechs Tage lang führte die 3000 Kilometer lange Route von Darwin im Norden bis nach Adelaide im Süden – auf dem schnurgeraden Stuart Highway durch das australische Outback.

Die TUfast-Gruppe gibt es seit einigen Jahren. Die Studierenden engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit, unterstützt von Sponsoren. Bisher bauten sie nur ultraleichte Elektroautos, mit ihrem Fahrzeug „muc022“ erreichten sie mit 2573 Kilometern den Weltrekord für die längste Reichweite mit einer Batterieladung, der bis heute unübertroffen ist. 2023 entwickelte das Team sogar ein autonom fahrendes Fahrzeug.

Mit „lux025“ geht es nun einen Schritt weiter: Weg vom reinen E-Antrieb und hin zu einem Auto, das ausschließlich von Solarenergie angetrieben wird. Zwei Jahre Entwicklungszeit stecken in dem Wagen, sagt Anna Buhmann. Ende Mai wurde das Fahrzeug bei einem Rollout in München am Viktualienmarkt zum ersten Mal öffentlich präsentiert. Nur ein Fahrer hat im „lux025“  Platz, es ist somit relativ klein. Ein Elektromotor treibt das Auto an, während die Solarpanels auf dem Dach die Energie liefern. Genug, um mit rund 80 Kilometern pro Stunde durch das menschenleere Outback zu rollen. Ganz energieneutral.

„Es war eine tolle Erfahrung“, schildert Buhmann. Geschlafen hat das Team in einem Zelt, weit entfernt von dem Highway, auf dem Roadtrains, besonders lange Lastwagen mit mehreren Anhängern, vorbeizogen. Die Entfernung zur Straße war bewusst gewählt, nicht nur wegen des Lärms, sondern vor allem aus Sicherheitsgründen. Romantisches Camping mit Lagerfeuer? Mitnichten: Offenes Feuer ist im trockenen Outback tabu, zu groß ist die Gefahr eines Buschbrandes. Auch der starke Wind machte den Studierenden zu schaffen. „Das war schon schwierig. Du stehst da und hoffst, dass du nicht wegwehst.“

Anna Buhmann aus Freising war mit dem „TUfast Eco Team“ in Australien unterwegs. (Foto: TUfast Marketing Team)

Dazu kommen giftige Spinnen und Schlangen. Schuhe ausschütteln, nachts nur mit Taschenlampe vor die Zelte – das gehörte zum Alltag. Von einem entspannten Campingausflug ist also nicht die Rede. Anna Buhmann bezeichnet dieses Erlebnis lachend als „ein Abenteuer“. „Es ist das Outback. Das ist eben wild.“

Gearbeitet und geschraubt haben die Studierenden unter anderem in Werkstätten am Hidden Valley Racetrack in Darwin, wo sie zum ersten Mal auf die anderen Teilnehmer trafen. Für Buhmann ein spannendes Erlebnis: „Man konnte mit allen reden und sich alles anschauen.“ Besonders die vielen unterschiedlichen Designs der Autos hatten ihr gut gefallen, denn jedes Team setzte die Vorgaben auf anderen Wegen um. Sicher habe es Teams gegeben, die etwas geheimnisvoller taten, erzählt die Studentin weiter. „Die wollten nicht, dass wir ihre Autos sehen. Aber die meisten waren sehr nett.“ Zusammen habe man gegessen und über Verschiedenes geredet. Gemeinsame Themen habe man schnell gefunden. „Wir sind ja alle Studenten.“

Selbst gefahren ist Buhmann im „lux025“ nicht. Für den Fahrer galten strenge Vorgaben, unter anderem musste er registriert sein und ein bestimmtes Gewicht haben. Sie selbst blieb in den Begleitfahrzeugen, die im Gegensatz zum Solarauto über eine Klimaanlage verfügten. Ganz ohne Schwierigkeiten lief es auch nicht. Der Start der World Solar Challenge wurde kurzfristig vom September auf August vorverlegt: weniger Zeit zum Testen, andere klimatische Bedingungen. „Da war es in Australien Winter und die Sonneneinstrahlung schwächer. Das machte alles noch anspruchsvoller“, schildert Buhmann.

Das Team von Studierenden, die das Solarauto „lux025“ entwickelt und gebaut haben.
Das Team von Studierenden, die das Solarauto „lux025“ entwickelt und gebaut haben. (Foto: TUfast Marketing Team)

Auch logistisch war der Wettbewerb eine Herausforderung: Ersatzteile, Werkzeuge, Zelte – alles musste per Container auf einem Schiff nach Australien transportiert werden. Während des Rennens fuhr ein Konvoi mit, der das Auto absicherte und Daten sammelte. Auf diese war das Fahrstrategie-Team angewiesen, um die optimale Geschwindigkeit bei idealem Energieverbrauch zu berechnen und anschließend an den Fahrer weiterzugeben.

Ein Ausfall der Solarzellen führte dazu, dass das Energiesystem nicht mehr zuverlässig arbeitete, wodurch das Team aus München aus der Wertung fiel. „Wir konnten wertvolle Praxiserfahrungen sammeln“, bilanziert Buhmann, „und konnten lux025 erstmals unter realen Straßenbedingungen in Australien testen.“ Denn den Studierenden geht es nicht um den Sieg. „Unser Projekt soll zeigen, wie weit man mit Forschung, Innovation und Kreativität kommt – unabhängig von Industrieinteressen“, betont Buhmann.

Wer weiß: Vielleicht rollt „lux025“ eines Tages nicht nur durch das australische Outback, sondern auch durch München und inspiriert zu neuen Ideen und Technologien. Denn: „Wir wollen die Grenzen der Technik und Innovation neu denken und schauen, wie viel noch möglich ist“, sagt Buhmann. Eine Teilnahme für das Jahr 2027 ist geplant, und die Entwicklung von lux027 hat bereits begonnen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Projekts.

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