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München: Neue Tram 14 fährt trotz des Streiks durch Laim – München | ABC-Z

Die Sonne über Laim strahlt an diesem Samstagvormittag, ein ideales Wetter für die Einweihung der neuen Trambahn-Linie 14. Noch dazu herrscht ideales Fahrrad-Wetter – und viele Münchnerinnen und Münchner werden auch an diesem Samstag mehr oder minder freiwillig in die Pedale treten. Denn die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird schon am zweiten Tag hintereinander bestreikt. Dazu hat die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Von den U-Bahnen sind am Vormittag nur die U3 und die U6 in einem Teilbetrieb, von den Straßenbahnen fahren nur die Linien 25 und 20 – und eben auch die nagelneue 14er. Deren Einweihung sollte am Arbeitskampf nicht scheitern, es fand sich ausreichend Fahrpersonal, das einen Linienbetrieb sicherstellte.

Es ist die erste Eröffnung einer neuen Trasse seit Dezember 2016, damals wurde die Strecke nach Steinhausen eingeweiht. Und das neue, anderthalb Kilometer lange Teilstück zwischen der Agnes-Bernauer-Straße und der Ammerseestraße, das auf der Fürstenrieder Straße verläuft, ist der erste fertige Abschnitt der künftigen Tram-Westtangente, die dereinst den Romanplatz mit der Aidenbachstraße verbinden soll. Ende 2028 sollen die ersten Straßenbahnen auf der gesamten Tangente rollen, sofern alles nach Plan läuft und es etwa beim Neubau der Brücke über die Autobahn A96 und der sogenannten Umweltverbundröhre, der Unterführung unter dem Laimer Bahnhof, keine weiteren Verzögerungen gibt.

Auch der Bau des ersten Teilabschnitts zog sich länger, als er sollte. Er hätte eigentlich schon Ende vergangenen Jahres fertig werden sollen. Doch dann sackte unter anderem der Untergrund in der Fürstenrieder Straße ein, es tat sich ein Loch auf, das die Bauarbeiten um Wochen zurückwarf. Aber jetzt fährt die Linie 14 im Regelbetrieb. In den nächsten Jahren verkehrt sie vom Gondrellplatz bis Pasing im Zehn-Minuten-Takt. Die Haltestellen Fürstenrieder Straße, Laimer Platz und Aindorferstraße sind barrierefrei gestaltet und bereits für Züge mit bis zu 56 Meter Länge ausgelegt. Vorerst fahren auf dem Abschnitt noch kürzere Straßenbahnen. Doch mit der Fertigstellung der zweiten S-Bahn-Stammstrecke Mitte bis Ende der 2030er-Jahre wird der Verkehrsknoten Laim an Bedeutung gewinnen und auch der Tram mehr Fahrgäste bringen, die dann in lange Fahrzeuge mit mehr Kapazität einsteigen können.

Am Straßenrand und an den Haltestellen filmen und fotografieren die Laimer die neue Tram. (Foto: Florian Peljak)

Und schon am ersten Tag wird die 14er genutzt. Bei der Jungfernfahrt dürfen zwar nur geladene Gäste einsteigen.  Die Haltestellen sind aber bereits voll mit wartenden Fahrgästen, von denen einige enttäuscht schauen, dass sie bei der Sonderfahrt nicht mitfahren dürfen und auf die nächste Tram warten müssen. Viele Menschen am Straßenrand und an den Haltestellen filmen, Autofahrer winken. Dass die Strecke umstritten war, daran denkt an diesem Vormittag niemand.

Zum Fest sind nicht nur viele Laimer gekommen, sondern auch viele Stadträte und Stadtwerke-Leute, die an der Realisierung der Tram mitgewirkt haben. Ob auch Mitglieder der Bürgerinitiative „Keine Tram Westtangente“ gekommen sind, ist nicht erkennbar, niemand gibt sich als solches zu erkennen.

Die 14er wird mit einem Bürgerfest am Laimer Anger gefeiert.
Die 14er wird mit einem Bürgerfest am Laimer Anger gefeiert. (Foto: Florian Peljak)

Natürlich werden auch Reden gehalten. Münchens zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) nennt die Westtangente eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte. Er sei froh, dass die Stadt nach fast einem Jahrzehnt Pause den Ausbau des Trambahn-Netzes wieder aufgenommen habe. Die Bauarbeiten seien zwar eine Belastung für die Anwohner und das Gewerbe gewesen, Investitionen in die Infrastruktur seien aber wichtig, damit München eine moderne Stadt bleibe. Auch die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), den eigenen Worten nach ein „Laimer Kindl“, spricht von moderner Stadtgestaltung. Mit der neuen Tram gehe für sie und viele Laimer ein großer Wunsch in Erfüllung. Die Tram verändere das Gesicht der Straße. Mit Rasengleis und neuen Bäumen werde aus einer der lautesten Achsen des Stadtbezirks ein Stück Stadt, „in dem man sich wieder gerne aufhält“. Vorher habe die Fürstenrieder Straße vor allem als viel befahrener Autobahnzubringer gedient. „Das hat nichts mit moderner Stadtgestaltung zu tun“, so Dietl.

1991 beschloss der Stadtrat den Ausbau des Tramnetzes, dazu gehörte auch die Tram-Westtangente. Es folgten jahrelange Debatten und es sollte bis Dezember 2016 dauern, bis die Trasse endgültig auf den Weg gebracht wurde und sich auch die CSU dazu hinreißen ließ, dafür zu stimmen. Längst zählen die Christsozialen wieder zu den Gegnern, vor allem dem jetzt eröffneten Teilstück sprechen sie den verkehrlichen Nutzen ab. MVG-Chef Ingo Wortmann gibt sich bei der Feier aber überzeugt, dass das Gegenteil der Fall ist. „Auch diese kurze Linie 14 wird nicht leer fahren, da bin ich mir ganz sicher.“ Und Mobilitätsreferent Georg Dunkel (parteifrei) sagt, er wünsche sich, dass auch die weiteren Bauabschnitte der Westtangente und die ebenso wichtigen Projekte „Tram Münchner Norden“ und „Tram Johanneskirchen“ ebenfalls zeitnah realisiert werden.

Der Abschnitt der Fürstenrieder Straße, der seit 20 Monaten eine Dauerbaustelle ist, soll voraussichtlich bis September eine neue Fahrbahn und Radwege bekommen. Dann erst ist das Straßenstück wirklich fertig. Sieben Monate klingen ambitioniert, angesichts des Straßenbilds, das sich momentan noch bietet. Die Fahrbahn muss komplett saniert werden, auch deren Unterbau. Das wird wieder zu Verkehrsumlegungen und Einschränkungen im Autoverkehr führen. Dass der Zeitplan eingehalten wird, versichern sowohl das Mobilitätsreferat als auch die Stadtwerke. Bis zum Start des Oktoberfests haben sie Zeit, das auch zu beweisen.

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