München-Land: Wo es bei der Kommunalwahl 2026 spannend wird – Landkreis München | ABC-Z

Der Stimmzettel für die Kreistagswahl am 8. März in München-Land misst 132 mal 60 Zentimeter und ist damit etwa so groß wie eine Mitteldecke für einen Esstisch. Darauf: die Namen von 700 Kandidaten auf zehn Listen. Im bevölkerungsreichsten Landkreis Bayerns sind mehr als 266 000 Stimmberechtigte zur Wahl aufgerufen, wobei viele schon vor dem Wahltag per Briefwahl abgestimmt haben. In Unterschleißheim etwa haben bereits mehr als 6100 Personen ihre Briefwahlunterlagen beantragt. Das ist fast ein Drittel der insgesamt 21 295 Wahlberechtigten in der Stadt.
Das große Interesse an der Briefwahl dürfte eben auch mit dem Ausmaß des Stimmzettels für den Kreistag zu tun haben. Zur Wahl stehen für das 70-köpfige Gremium Kandidierende von CSU, Freien Wählern, SPD, Grünen, FDP, AfD, Linken sowie ÖDP. Erstmals gibt es auch eigene Listen der Jungen Union und der Unabhängigen Bürgergemeinschaft München Land (UB-ML). Letztere hat sich von den Freien Wählern losgesagt, weil sie mit dem Kurs des Vorsitzenden Hubert Aiwanger nicht einverstanden ist.
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Um den Job des Landrats bewerben sich zwei Frauen und vier Männer: Christoph Göbel von der CSU strebt eine dritte Amtszeit an, streitig machen wollen ihm den Posten Wolfgang Panzer (SPD), bislang Bürgermeister in Unterhaching, der AfD-Bundestagsabgeordnete Gerold Otten, Aschheims dritte Bürgermeisterin Marion Seitz von den Grünen sowie Katharina Diem (FDP) aus Feldkirchen und der Ismaninger Landtagsabgeordnete Nikolaus Kraus von den Freien Wählern. Damit scheint eine Stichwahl wie vor sechs Jahren wahrscheinlich.
Spannend dürfte es vor allem auch in jenen sechs Kommunen werden, in denen amtierende Bürgermeisterinnen und Bürgermeister einen Schlussstrich ziehen: In Grasbrunn hört SPD-Bürgermeister Klaus Korneder auf, in Putzbrunn steht sein Parteifreund Edwin Klostermeier nach 20 Jahren nicht mehr zur Verfügung. In Sauerlach zieht sich Barbara Bogner von der Unabhängigen Bürgervereinigung (UBV), die seit 2008 amtiert, zurück; dort kämpfen sechs Kandidaten um ihre Nachfolge. In Taufkirchen wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den parteifreien Rathauschef Ullrich Sander gesucht, der nach zwölf Jahren aufhört. Vier Männer und zwei Frauen kandidieren für den Chefposten – darunter Sanders Vorgänger Jörg Pötke.
In Unterhaching konkurrieren sechs Bewerber um die Nachfolge von SPD-Bürgermeister Panzer
In Unterföhring bewerben sich drei Frauen und ein Mann um den höchsten Posten. Nicht dabei ein Kandidat von der Parteifreien Wählerschaft (PWU), deren Amtsinhaber Andreas Kemmelmeyer sich zurückzieht: Die Gruppierung hat in ihren Reihen keinen gefunden. In Unterhaching, wo nach 18 Jahren SPD-Bürgermeister Wolfgang Panzer sein Amt aufgibt, um Landrat zu werden, soll Daniel Schön das Rathaus für die Sozialdemokraten verteidigen. Der 42-jährige Anwalt aus München-Bogenhausen bewirbt sich neben Korbinian Rausch (CSU), Johanna Zapf (Grüne), Andreas Büchele (Freie Wähler), Julia Stifter (parteilos) und Peter Hupfauer (FDP).

:Unterhaltsamer Schlagabtausch ohne klare Sieger
Sechs Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge von Bürgermeister Panzer präsentieren bei einer Podiumsdiskussion in Unterhaching ihre Ideen zu Verkehr, Klimaschutz und Finanzen. Am Ende gibt es Applaus für alle und das Fazit: Es wird spannend.
In Ottobrunn hofft CSU-Amtsinhaber Thomas Loderer nach 18 Jahren auf eine weitere Verlängerung im Rathaus. In der Würmtalgemeinde Gräfelfing tritt Bürgermeister Peter Köstler (CSU) zum zweiten Mal an; gleiches gilt für den Haarer Rathauschef Andreas Bukowski, der vor sechs Jahren das lange von der SPD geführte Rathaus für die CSU eroberte. Er hat vier Konkurrenten – darunter in Christoph Rätscher erstmals einen Kandidaten der AfD. Die in Teilen rechtsextreme Partei stellt im Landkreis München auch Bürgermeisterkandidaten in Sauerlach und Taufkirchen. Der dortige Bewerber nahm nach BR-Recherchen an Aufmärschen von „Pro Deutschland“ und Pegida teil.
In Oberhaching stellt sich Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) wieder zur Wahl – bereits zum fünften Mal. Auch Grünwalds Rathauschef Jan Neusiedl (CSU) strebt eine fünfte Amtszeit an – und sein Wunsch dürfte sich erfüllen: Der 64-Jährige ist der einzige Kandidat. Selbiges ist in Straßlach-Dingharting der Fall, wo der parteifreie Hans Sienerth von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) und der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV) zum vierten Mal als gemeinsamer und einziger Bürgermeisterkandidat nominiert wurde. In Baierbrunn tritt der seit 2020 amtierende Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) wieder an; er hat keinen offiziellen Gegenkandidaten, aber Christian Ramet von der Gruppierung „Bürger für Baierbrunn“ wirbt um Stimmen, obwohl er gar nicht auf dem Wahlzettel steht. Dasselbe versucht Matthias Amtmann (FW-UBW) in Brunnthal, wo nur Stefan Kern (CSU) auf dem Stimmzettel steht.

Mit Spannung erwartet wird der Wahlausgang in Pullach, wo sich in Susanna Tausendfreund die einzige Grünen-Bürgermeisterin im Landkreis zur Wiederwahl stellt und sich einem Feld von gleich vier Konkurrentinnen und Konkurrenten gegenübersieht. Einer ist der Geschäftsleiter im Rathaus, Heinrich Klein von der Wählervereinigung „Wir in Pullach“ (WIP). Bereits 2020 hatte in Christine Eisenmann (CSU) eine Mitarbeiterin aus der Bauverwaltung gegen Tausendfreund kandidiert, war aber unterlegen.
Interessant dürfte es darüber hinaus in Neubiberg werden. Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) hofft, dass ihm die Wähler trotz seiner Kokain-Affäre das Vertrauen aussprechen. Kein Selbstläufer dürfte es auch für den Planegger Bürgermeister Herrmann Nafziger (CSU) werden, dem drei Frauen und zwei Männer den Posten streitig machen. Eine Stichwahl ist wahrscheinlich.





















