München: Demo für die Rückkehr der Eisbachwelle – München | ABC-Z

Die Welle sprudelt und schäumt. Aber es ist zu wenig Wasser im Eisbach. Surfen? Keine Chance. Seit Monaten ist die Surfer-Welle verschwunden. Gemeinsame Versuche von Stadt und der Surf-Community, die Welle im Sinne aller wiederzubeleben, sind bis jetzt gescheitert. Seit dem 11. Februar hat die Stadt München das Surfen auf der Eisbachwelle verboten. Dagegen haben am Sonntag viele Surfer demonstriert – mit Plakaten, mit Pfeifen und Buh-Rufen.
Die Menschen stehen auf Baumwurzeln an der Seite des Baches, sitzen am Uferrand und stehen vor der Eisbachbrücke auf dem Bürgersteig. Wie viele gekommen sind, lässt sich schwer schätzen. Markige Sprüche haben sie auf Plakate geschrieben. „Nicht das Surfen ist gefährlich, sondern die Angst vor Freiheit“ oder „Hier surft die Bürokratie“. Auf einem Plakat sind Fotos der drei Bürgermeisterkandidaten zu sehen: Dieter Reiter (SPD), Clemens Baumgärtner (CSU) und Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen). „Posen reicht nicht. Welle statt Wahlkampf“.
Die meisten machen die Politik dafür verantwortlich, dass die Welle nicht funktioniert. „Es geht einen Schritt vor und zwei zurück“, sagt Conni Grundmann. Sie hat die Demo angemeldet, surft seit 30 Jahren auf der Welle und ist enttäuscht. „Die Politik nutzt die Welle als Wahlkampfprogramm“, ruft sie dann auch laut in ein Mikrofon. Buh-Rufe. Und sie ruft einen weiteren Satz in die Menge: „Es geht nur um eines: Wir wollen dieses Stück Freiheit behalten.“ Die Menschen klatschen.
Ein Zauber gehe von diesem Ort aus, bestätigt Tanja Thaler. Die 49-Jährige surft seit 2001 auf der Eisbachwelle und liebt diesen sportlichen Treffpunkt. „Hier kommt jeder her, ob Arzt, ob Student, ob Künstler – hier ist ein Melting Pot an Freigeistern.“ Den müsse es einfach wieder geben. Das glaubt auch Lino, 28, der mit seiner Freundin Luise zur Demo gekommen ist. Ein Jahr habe er surfen können, Freundschaften geschlossen, und jetzt ginge nichts mehr. „Das tut weh“, sagt er. Aber unabhängig vom Surfen sei es einfach eine Tragödie für die Stadt und für die Kultur Münchens, dass die Welle nicht mehr surfbar sei.
Brigitte Düwel ist 63. Sie ist keine Surferin, aber hat in aller Eile trotzdem ein Plakat gemacht. „Lasst meine Jungs endlich wieder surfen“ steht darauf. Sie hat vier Söhne. Drei davon seien regelmäßig hier am Surfen. „Mal schnell vor der Arbeit, mal zur Mittagspause“, sagt sie. Sie wünscht sich einfach für ihre Söhne, dass es wieder so wird wie vorher: Dass die Stadt die Surfer duldet. In Eigenverantwortung.
Ein Vater steht mit seiner kleinen Tochter an der Eisbachbrücke und schaut mit ihr ins sprudelnde Wasser. „Warum surft da keiner?“, fragt das Kind. Er erklärt es ihr. Fachkundig. Richtig verstanden hat das Mädchen die Ausführungen wohl eher nicht. Aber sie findet den „Fluss richtig schön“. Eine Gruppe Spanier ist enttäuscht, dass niemand surft. Gerade jetzt, wo sie in München sind. Sie seien „extra gekommen“, um den Surfern zuzuschauen. Aber sie zeigen Verständnis dafür, dass die Surfer demonstrieren. „The wave must return“, sagt einer von ihnen.

Wenn man Surfer an diesem Sonntagnachmittag fragt, was denn jetzt zu tun sei, heißt das Zauberwort fast unisono: Rampe. „Seit 30 Jahren haben die Surfer Rampen eingesetzt“, sagt Conni Grundmann. Und alles habe funktioniert. „Alles, was wir wollen, ist, eine Rampe einzubauen. Dann ist die Welle konstanter und auch sicherer.“ Eigenverantwortung heißt das andere Wort. Jeder solle surfen können, aber jeder sei auch für sich verantwortlich, sagt Valeska Schneider, 34. Und man müsse wissen: Die Eisbachwelle sei wie eine schwarze Piste und nur für geübte Surfer.
Vor einigen Wochen hat Aljoscha Lubos (FDP) der Stadt München angeboten, als Investor zu fungieren. Er wolle als haftender Pächter die Eisbachwelle „langfristig erhalten und sicher machen“, sagt er. Der Geschäftsführer der Dr.-Lubos-Kliniken in München glaubt, dass eine Rampe nur eingebaut werden könne, wenn es eine „zivile Betreibergesellschaft“ gebe. Davon wollen die Surfer am Sonntag nichts wissen. „Wir wollen keinen Betreiber“, sagt Conni Grundmann. Keiner solle Profit aus der Eisbachwelle ziehen. „Denn dann ist der ganze Zauber an diesem Ort vorbei.“





















