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Mönchsbart: Italienische Frühlingsdelikatesse – Stil | ABC-Z

Wenn Deutsche etwas nicht glauben wollen, bekommen sie, wahrscheinlich als Übersprungshandlung, Appetit auf seltsame Dinge: „Ich fresse einen Besen – mitsamt Stiel!“ Redensartlich werden auch gerne alte Lederschuhe gekaut, Hüte verspeist oder ein Sack Salz verzehrt. Das macht großen Durst, deshalb heißt es anschließend: „Ich sauf jetzt den ganzen Bodensee leer!“ Alles irgendwie nachvollziehbar, zumindest als rhetorische Wendung. Aber wer kommt bitte auf die bizarre Idee, einen Mönchsbart zu essen?

Die Italiener sind auf diese Idee gekommen. In diesem kulinarischen Wunderland isst man zum Beispiel auch Strozzapreti („Priesterwürger“, eine Nudelform), Spaghetti alla Puttanesca (Spaghetti nach Hurenart), Palle del Nonno („Großvaters Eier“, eine Art Salami) und Zizzona di Salerno („Große Titte von Salerno“, eine mehrere Kilo schwere Mozzarella-Kugel). Der Mönchsbart, italienisch Barba di frate, heißt so, weil seine feinen, fusseligen Blätter an den Bart eines alten Mönchs erinnern. Zudem wird vermutet, dass die Pflanze ursprünglich in den Gärten von Kapuzinermönchen in der Toskana kultiviert wurde.

Mönchsbart macht sich wunderbar in der Pastasauce

Die Pflanze gehört zur Familie der Wegerichgewächse, sie besteht aus dunkelgrünen fleischigen Stielen, die auf den ersten Blick aussehen wie Schnittlauch, aber fein verästelt sind wie Dill. Der Mönchsbart (Soda inermis), auch Salzkraut oder Agretti genannt, stammt aus dem Mittelmeerraum und wächst oft auf Salzwiesen in Küstenregionen. Dementsprechend schmeckt er auch: leicht salzig und erdig. In Italien ist das junge Salzkraut eine typische Frühlingsdelikatesse, die oft kurz blanchiert zu Pasta oder als Beilage zu Fisch serviert wird. Barba di frate ist nur für kurze Zeit im Frühjahr erhältlich, von März bis Anfang Mai, in Deutschland findet man das Gemüse in Feinkostgeschäften oder an gut sortierten Gemüseständen, etwa auf dem Münchner Viktualienmarkt.

Laut Bundeszentrum für Ernährung ist Mönchsbart auch gesundheitlich kein schlechter Fang. Das Kraut hat nur etwa 17 Kilokalorien pro 100 Gramm und liefert eine Reihe wertvoller Mineralstoffe und Vitamine, darunter Kalium, Kalzium sowie Vitamin C, Vitamin E und mehrere B-Vitamine. Vor allem aber bringt er etwas mit, das vielen Frühlingsgerichten guttut: ein frisches, mineralisches Aroma, das einen Hauch Mittelmeer-Urlaub in die Küche wehen lässt. In Italien landet Barba di frate gern im Risotto, in einer Frittata oder im Salat.

Die einfachste Art, den Mönchsbart kennenzulernen, ist ein schnelles Nudelgericht: grüne Stängel, ein paar Tomaten, etwas Knoblauch und gutes Olivenöl, mehr braucht es kaum. Spaghetti nach Packungsangabe bissfest kochen. Zwiebel und Knoblauch schälen, fein hacken. Beim Mönchsbart den Wurzelansatz entfernen, die Stiele gründlich waschen – oft versteckt sich noch etwas Sand darin – und in fingerlange Stücke schneiden. Tomaten halbieren. Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin glasig werden lassen. Knoblauch, Tomaten und Mönchsbart zugeben und alles bei mittlerer Hitze etwa fünf Minuten dünsten, bis die Stiele weich, aber noch leicht bissfest sind. Nudeln abgießen, in die Pfanne geben und mit dem Gemüse mischen. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken. Das Aroma ist überraschend: mild, leicht säuerlich, mit einer Prise Strandspaziergang.

Das braucht man für Pasta mit Mönchsbart (4 Portionen)

• 500 g Spaghetti
• 1 Bund Mönchsbart (Agretti)
• 1 Zwiebel
• 2 Knoblauchzehen
• 200 g Cherry- oder Datteltomaten
• 3 EL Olivenöl
• Salz und Pfeffer
• 1 EL Zitronensaft

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