Mehrwertsteuer: Gastroketten wollen Mehrwertsteuersenkung nicht an Kunden weitergeben | ABC-Z

Die Betreiber mehrerer Gastronomieketten erwarten von der vorgesehenen Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent in ihrer Branche keine sinkenden Preise für Kunden. Als Grund geben Ketten wie Kentucky Fried Chicken, Burger King, Nordsee und L’Osteria unter anderem gestiegene Kosten für Personal und Lebensmittel an. Die Steuersenkung fange lediglich die eigenen gestiegenen Kosten auf, argumentieren sie. Der Deutsche Hotel- und
Gaststättenverband (Dehoga) äußerte sich ähnlich und bezeichnete die Steuersenkung als “die wichtigste
Maßnahme zur Zukunftssicherung der Restaurants, Wirtshäuser und Cafés”.
Wenn die Steuersenkung wie geplant komme, “werden wir auf eine breite Preiserhöhung verzichten können”, schrieb die Pizzakette L’Osteria. Auch Burger King plant nach eigenen Angaben lediglich eine “Stabilisierung bestehender Preise”. Kentucky Fried Chicken sprach zumindest davon, dass “punktuelle Preissenkungen denkbar” seien. Die Kette Nordsee plant eigenen
Angaben zufolge einzelne Rabatte, teilte aber mit, eine “pauschale Preissenkung über das gesamte
Sortiment im Umfang der Mehrwertsteuerreduktion” sei “nicht
möglich”.
McDonald’s wollte sich mit Verweis auf die noch ausstehende Abstimmung
im Bundesrat bisher nicht konkret zum Thema äußern. Die Steakhauskette
Block House verwies auf den Dehoga.
Steuersenkungen wurden nicht erwartet
Experten zufolge war dies erwartbar. “Steuersenkungen
werden in aller Regel zu einem geringeren Anteil an die Konsumenten
weitergegeben als Steuererhöhungen”, sagte der Professor für
Volkswirtschaftslehre Matthias Firgo von der Hochschule München. “Ich rechne
daher nicht damit, dass die Preise spürbar sinken werden. Eher ist zu
erwarten, dass sich die Preissteigerungen verlangsamen.” Als 2024 die
Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wieder angehoben wurde, wäre das jedoch zu rund 70 Prozent an die Kunden
weitergegeben worden.
Von 19 auf 7 Prozent soll zum Jahreswechsel die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in der Gastronomie sinken. Der Bundestag hatte für die von Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbarte Steuersenkung gestimmt,
der Bundesrat berät am Freitag. Mit der Senkung kehrt
der Bund zu dem Steuersatz zurück, der bereits während der
Coronapandemie gegolten hatte. 2024 war der Bund zunächst zum alten
Steuersatz von 19 Prozent zurückgekehrt.
Kritiker weisen darauf hin, dass die Maßnahme teuer ist: Die Steuerausfälle würden sich nach Angaben des Bundesfinanzministeriums allein 2026 auf 3,6 Milliarden Euro belaufen. Die Bundesländer rechnen mit Ausfällen von 11,2 Milliarden Euro, die Gemeinden mit 1,4 Milliarden Euro.
Das deutsche Gastgewerbe
machte im Oktober 2,1
Prozent mehr Umsatz als im September, nachdem dieser im Vormonat deutlich gesunken war. Im Vorjahresvergleich zeigen sich zudem die teilweise deutlichen
Preiserhöhungen in der Branche. Dennoch sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,9 Prozent.




















