Medaillen für nicht mehr da: Wie das deutsche Olympiateam verwöhnt wird – Kolumne aus Mailand. – Sport | ABC-Z

Es war an dieser Stelle schon vom eklatanten Mangel an Verhütungsmitteln bei den Olympischen Spielen die Rede. Ob das besser war oder nicht, aber: Früher verteilte das IOC eine durchaus großzügig bemessene Zahl von Kondomen an Teilnehmende. Ob sie diese dann ihrer originären Bestimmung gemäß verbrauchten oder auf den Gängen im olympischen Dorf Wasserbombenschlachten damit austrugen, blieb den Sportlern überlassen. Und hinter dem Sichtschutz des Intimen verborgen.
Es mag keine Gratiskondome geben in Mailand, Cortina, Predazzo, Livigno, Bormio oder Antholz, dafür sonst so ziemlich alles, was das Leben in einem Sportlerdorf angenehm und lebenswert macht. In Mailand, einem der beiden Hauptstandorte, wo allein 67 der 189 deutschen Athletinnen und Athleten auf zwei Stockwerken untergebracht sind, stehen ihnen 61 Zimmer und 92 Betten zur Verfügung, sowie ein Ruheraum, wie der DOSB erklärt, „falls mal ein Zimmernachbar zu laut schnarcht“. Oder die Schweizer, Polen und Tschechen, die im selben Haus wohnen.
In den sechs jeweils siebenstöckigen Neubauten, die nach den Spielen als Studierendenwohnheim genutzt werden, wird Platz für 1700 Menschen sein; während der Olympischen Spiele sind es rund 950 Kurzzeitmieter aus 41 Nationen. Es gibt Gamingcenter für die Daddelfreunde, Tischkicker und Air-Hockey-Tische sowie eine gemeinsame Mensa, zur körperlichen Stärkung und für den interkulturellen Dialog. Dass das finnische Frauen-Eishockeyteam kurz nach dem Einzug von einer Noroviruswelle ergriffen wurde, soll damit nicht in Zusammenhang stehen.
Pädagogisch ist das auf dem neuesten Stand der Lehre
Aber so fürsorglich und achtsam wie vom DOSB dürfte kein anderes Olympiateam bei diesen Spielen empfangen worden sein. Auf jedem Bettchen fand sich ein Täschchen mit lauter nützlichen Dingen. Für die erholsame Nachtruhe, die für Spitzensportler essenziell ist, lagen darin Schlafmasken sowie Ohrenstöpsel griffbereit (in besonders schweren Fällen von nachbarschaftlicher Ruhestörung siehe oben, Stichwort Ruheraum). Auch im Beutel: Pins, Anstecknadeln mit verschiedenen Motiven, laut einem DOSB-Sprecher „harte Währung“ unter den Sammlern und Tauschern im Dorf, und weitere nette Kleinigkeiten. Im Ruheraum liegen zudem schwarz-rot-goldene Handschmeichler zum Kneten bereit, für den akuten Stressabbau. Im Selbsttest zeigten die bunten Knautscher zufriedenstellende Wirkung.
Das Beste aber: Kein deutscher Eisschnellläufer, keine Skispringerin muss mit leeren Händen nach Hause fahren. Der DOSB hat für alle Mitglieder der Reisegruppe Olympia exklusive Medaillen anfertigen lassen, Farbe: Messing, mit der Aufschrift „Team D Olympische Winterspiele Mailand Cortina 2026“, dazu das Ringesymbol. In Zeiten, da es bei Bundesjugendspielen keine Sieger- und Ehrenurkunden mehr gibt, sondern nur noch Teilnahmebestätigungen, pädagogisch auf dem neuesten Stand der Lehre. Dabeisein darf endlich alles sein, jeder bringt den Lieben etwas Vorzeigbares mit, unabhängig vom eigenen Abschneiden. So geht Druckminderung. Zu Hause kann ja jeder seine Medaille dann in der gewünschten Metallicfarbe umlackieren.





















