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Maya Fügenschuh und Johanna Holzmann – blindes Vertrauen bei 80 km/h | ABC-Z

Stand: 12.03.2026 • 18:36 Uhr

Para-Ski-Alpin-Fahrerin Maya Fügenschuh vertraut auf der Piste nahezu blind Johanna Holzmann. Über das besondere Verhältnis zwischen einer erst 17-Jährigen und ihrer Begleitläuferin.

Wenn sich Maya Fügenschuh gemeinsam mit Johanna Holzmann die Skipiste hinunterstürzt, ist Vertrauen das A und O. Fügenschuh ist aufgrund eines Gendefekts seit ihrer Geburt sehbehindert. Sie verfügt nur über etwa sechs Prozent Sehkraft, sieht stark verschwommen und kann kaum Kontraste erkennen.

Dennoch fährt die mit 17 Jahren jüngste Athletin im deutschen Team bei den Paralympics Ski-Alpin-Rennen mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. Immer an ihrer Seite: Johanna Holzmann.

Zwischen “Zack, zack!” und “steig voll drauf!”

Wobei “an ihrer Seite” in diesem Fall nicht ganz zutrifft. Eher müsste es heißen: vor ihr. Begleitläuferin Holzmann fährt stets ein paar Meter voraus. Über ein Headset kommunizieren die beiden miteinander. Dann heißt es auch mal: “Zack, zack!“, “Steig voll drauf!” oder “Jetzt konsequent durchziehen!

Holzmann gibt Fügenschuh präzise Anweisungen zu Tempo, Linie und Sicherheit, warnt vor wechselnden Lichtverhältnissen oder tückischen Schlägen auf der Piste. “Maya sagt mir ganz genau, was sie sich wünscht. Wir haben da unsere eigene Sprache entwickelt“, beschreibt Holzmann die gemeinsame Kommunikation.

Holzmann jahrelang im Telemarken und Skicross unterwegs

Zwischen Fügenschuh und Holzmann liegen 13 Jahre Altersunterschied. Letztere kennt die großen Bühnen des Wintersports bestens: Jahrelang war sie zunächst im Telemarken und später im Skicross erfolgreich. 2022 nahm sie im Skicross auch an den Olympischen Spielen in Peking teil, bevor sie im April 2024 nach drei intensiven Jahren ihre Karriere in dieser Disziplin beendete.

Mit 30 Jahren beginnt für Holzmann dann ein neues Kapitel – an der Seite von Fügenschuh. Als ausgebildete Skilehrerin erfüllte sie alle Voraussetzungen für die Rolle als Begleitläuferin. Seit August 2025 arbeitet das Duo zusammen, und von Beginn an passt die Zusammenarbeit. Das große Ziel: die Paralympischen Winterspiele 2030.

Immer als Team unterwegs: Maya Fügenschuh (l.) und ihre Guidin Johanna Holzmann.

Fügenschuh erhält Wildcard für Paralympics

Doch dann verändert ein Anruf bei Fügenschuh alles. Über die reguläre Nominierung war sie zunächst nicht für das deutsche Team in Italien berücksichtigt worden. Dann meldete sich Bundestrainer Justus Wolf mit einer überraschenden Nachricht: Fügenschuh erhält gemeinsam mit Holzmann eine der beiden Wildcards im deutschen Aufgebot.

Für die 17-Jährige geht damit ein Traum in Erfüllung. Eigentlich lag ihr Fokus auf den Abschlussprüfungen für die Realschule. Nun steht sie plötzlich auf der größten Bühne des Para-Sports. Ein wenig Aufregung gehört da natürlich dazu.

Platz zehn beim Paralympics-Debüt

Bei ihrem ersten Start im Riesenslalom wollte sie zunächst sogar gemeinsam mit Holzmann losfahren. “Ich dachte kurz, ich wäre wieder im Skikurs, weil wir da gleichzeitig gestartet sind. Dann hat es sich gut eingependelt“, erzählt ihre Begleitläuferin später lachend. Am Ende bringt Fügenschuh beide Läufe sicher ins Ziel.

Platz zehn mit 36 Sekunden Rückstand auf die siegreiche Österreicherin Veronika Aigner ist dabei zweitrangig.

Für Medaillenträume ist es ohnehin noch zu früh. Erfahrung sammeln, Sicherheit gewinnen, die Atmosphäre aufsaugen – all das steht zunächst im Vordergrund. “Es ist einfach überwältigend, hier überhaupt am Start zu stehen“, sagt Fügenschuh anschließend. “Fahrtechnisch wäre natürlich noch mehr drin gewesen, aber ich bin mega happy, dass ich dabei war.

Auch Holzmann ist “stolz” auf ihre Partnerin. “Allen Respekt. Das erste Rennen vor so einer großen Kulisse. Das ist nicht ohne. Maya hat sich Stück für Stück herangetastet und sich gesteigert. Für mich ist es wunderschön, ein Teil davon zu sein. Das ist eine Ehre, ich genieße das ganz besonders.

Fügenschuh und Holzmann teilen ein Apartment

Am Samstag werden die beiden im Slalom noch einmal an den Start gehen. Fügenschuh will dann “noch einmal zwei gute Läufe runterbringen“, ihr Bestes geben und “schauen, was am Ende herauskommt“.

Bis dahin wird sie sich weiter eng mit ihrem Guide abstimmen. Gelegenheiten dafür gibt es genug. Im paralympischen Dorf teilen sich Fügenschuh und Holzmann ein Apartment. Neben dem Ski-Equipment steht im Regal auch eine “adoptierte Pflanze“, erzählt Holzmann im Rahmen einer “Room Tour” lachend.

Die beiden haben sichtlich Spaß miteinander, schlüpfen auch schon mal gemeinsam in einen der auffälligen deutschen Team-Ponchos. Fügenschuh und Holzmann wirken dabei wie ein eingespieltes Duo, fast wie ein langjähriges Ehepaar. Auch dort gilt schließlich: Vertrauen ist das A und O.

So funktioniert Para Ski Alpin

Beim Para Ski Alpin werden in Cortina Medaillen in der Abfahrt, im Super-G, Riesenslalom, Slalom und in der Super-Kombination vergeben. Die Teilnehmer werden in die Kategorien “sehbehindert”, “stehend” und “sitzend” unterteilt. Die sehbehinderten Athleten bewältigen den Kurs mithilfe eines Begleitläufers (Guides), der durch akustische Signale die Laufrichtung vorgibt. Die Sitzenden nutzen den sogenannten Monoski. Um die Vergleichbarkeit der Leistungen trotz der differenzierten Behinderungsarten zu gewährleisten, wird die Zeit je nach Grad der Behinderung mit einem bestimmten Faktor multipliziert.

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