Kultur

Martin Sonneborn, Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt sind als „Titanic“-Boygroup auf Tour | ABC-Z

Mit der Forderung nach einer „Bierpreisbremse“ ist es der satirischen „Partei für „Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ gerade gelungen, einen Stadtratssitz in München zu besetzen. Über zwanzig Jahren ist die Parteigründung durch Martin Sonneborn her, der auch Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ war. Auch der Ehrenvorsitzende Oliver Maria Schmitt war vormals dort Chef. Jetzt gibt es ein Titanen-Treffen am Montag in München. Martin Sonneborn, Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt sind die „Titanic“-Boygroup, die im Lustspielhaus „300,3 Jahre Satire Supreme für Deutschland“ feiert.

AZ: Herr Sonneborn, wie gut kennen Sie sich eigentlich mit Opern aus?
MARTIN SONNEBORN: So mittel. Ich habe 1989 ein Jahr in Wien studiert, und wenn es kalt war, war ich für zehn Schilling auf den Stehplätzen in der Oper.

Ganz oben unterm Dach…
…wo man den besten Klang hatte.

Als ich die Ankündigung Ihres Gigs mit der „Titanic Boygroup“, den Ex-Chefredakteuren Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt, gesehen habe, musste ich an die drei Tenöre denken. Ist das eine vergleichbare Liga?
Das Publikum ist ähnlich.

Autorin Sibylle Berg und Satiriker Martin Sonneborn sitzen für Die Partei im EU-Parlament in Straßburg.
© Panama Pictures/Imago
Autorin Sibylle Berg und Satiriker Martin Sonneborn sitzen für Die Partei im EU-Parlament in Straßburg.

von Panama Pictures/Imago

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Seit wann gibt es Ihr Trio?
Ungefähr seit 1997. Einen Kollegen haben wir verschlissen, aber zu viert hatten wir auf der Bühne eh zu wenig Zeit um unsere langen Texte zu verlesen. Zu dritt ist es ergiebiger.

“Titanic ist eine Einstellung” 

Diese Abende mit Brüdern im Geiste müssen für Sie nach der Kärrnerarbeit im Europäischen Parlament doch so angenehm sein wie das berühmte Fußbad.
Das stimmt. Es ist eigentlich nur eine Fortsetzung der „Titanic“-Zeit. Das waren die unbeschwertesten und freiesten Zeiten, die wir hatten. Nicht nur wir, sondern offensichtlich auch die westliche Zivilisation. An solchen Abenden kann man das wieder aufleben lassen.

Einmal „Titanic“, immer „Titanic“ -davon kommt man nicht mehr weg, oder?
Nein, das ist eine Einstellung. Es gibt ja unterschiedliche Möglichkeiten auf dieses komplett wahnsinnig gewordene kapitalistische System zu reagieren. Leute, die sich nicht in den Alkoholismus oder den bewaffneten Widerstand flüchten, sondern satirisch auf Dinge reagieren, finden sich dann halt bei „Titanic“ zusammen. Das ist eine Charaktersache und eine grundsätzliche Einstellung, die man nur selten verliert. Da kommt man nur tot wieder raus.

Wobei Sie ja schon 1994 in Ihrer Magisterarbeit über „die absolute Wirkungslosigkeit moderner Satire“ geschrieben haben. War das satirisch gemeint?
Nee, das war wissenschaftlich überzeugend dargelegt und wurde sehr gut benotet. Ich habe es dann aber aus Versehen en passant selbst widerlegt mit meiner Arbeit. Das Nächste, was ich dann gemacht habe, war mit ein wenig Bestechung die Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland zu holen.

Martin Sonneborn vor dem Reichstag.
Martin Sonneborn vor dem Reichstag.
© Bernd Elmenthaler/Imago
Martin Sonneborn vor dem Reichstag.

von Bernd Elmenthaler/Imago

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Der Präsentkorb mit Kuckucksuhr und Schwarzwälder Schinken für ein Fifa-Funktionäre…
Das hat dem Bruttosozialprodukt einige Milliarden Zuwachs gebracht – und was kaum jemand weiß: zu einem kleinen Baby-Boom geführt.

Ach ja?
Eine befreundete Hebamme hat neun Monate nach der WM keine freien Termine mehr gehabt. Nach dem deutschen Sieg gegen Schweden sind sehr viele Kinder gezeugt worden. Das ist natürlich etwas, das ich mir als Verdienst ans Revers hefte. Da sollen meine Kollegen erst mal nachziehen.

“Olympische Spiele? Können Sie gerne haben”

Mit der deutschen Bewerbung für Olympische Sommerspiele steht die nächste Entscheidung an, bei der man bestimmt auch wieder nachhelfen muss. Haben Sie schon etwas in Vorbereitung für die IOC-Funktionäre?
Da ich selber eine Wohnung in Berlin habe, bin ich absolut nicht daran interessiert, dass sich die Idioten-Dichte in der Stadt weiter erhöht. Deswegen stehe ich da nicht zur Verfügung.

Berlin bekommt die Spiele ja eh als Allerletzter! Da sind ja noch eher wir Münchner dran.
Können Sie gerne haben. Ich schenke es München!

Haben Sie irgendeine Verbindung zu München, oder ist das eine Stadt wie alle anderen?
Naja, mein Gott, es ist ein bisschen hässlich, und die Bevölkerung ist ein bisschen einfach, aber irgendwie sind wir gerne da. Ich bin mit Rudi Hurzlmeier verabredet, ein in München weltbekannter komischer Maler, einer der größten Künstler, den ich im „Titanic“-Umfeld kennen und schätzen gelernt habe. Kürzlich hatten wir eine Ausstellung im Europäischen Parlament geplant, die dann aber von der Verwaltung im letzten Moment abgesagt wurde, als sie die Bilder sahen.

Erzählen Sie!
Zu sehen war unter anderem die Kommissionspräsidentin, relativ unbekleidet, in der Badewanne mit dem Pfizer-Chef Albert Bourla, wo sie sich gegenübersitzend SMS schreiben und irgendwelche finanziellen Schweinereien ausmachen.

Avanti provocanti!
Das ist eine Notwehr-Reaktion. Wir haben in den Medien zu wenig Interesse an den Entscheidungen der Kommissionspräsidentin…

Ursula von der Leyen, um die Frau mal beim Namen zu nennen…
Sie setzt Milliarden in den Sand, rüstet vertragswidrig die EU auf und will vertragswidrig Schulden aufnehmen. Dafür gibt es zu wenig Kritik, in allen Mitgliedsländern. Das ist tatsächlich eine existenzielle Bedrohung für die EU.

Martin Sonneborn Vorsitzender der Partei
Martin Sonneborn Vorsitzender der Partei
© IMAGO/Uwe Meinhold (www.imago-images.de)
Martin Sonneborn Vorsitzender der Partei

von IMAGO/Uwe Meinhold (www.imago-images.de)

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Sie sitzen seit 2014 im EU-Parlament. Wie haben diese zwölf Jahre Ihr Sein und Tun verändert?
Eigentlich hat es mein Leben wesentlich verbessert. Ich lebe in Belgien, wo es eine zumindest in Teilen noch funktionierende Infrastruktur gibt. Etwas, was Sie zwar in München möglicherweise noch haben, aber nicht in Berlin und nicht auf den Autobahnen und Eisenbahnstrecken. Wenn ich nach Deutschland komme, bin ich immer schockiert, dass man bereit ist, die Hälfte des Bundeshaushalts in die Militarisierung zu stecken. Die Infrastruktur, die Verkehrs-, Sozial- und Bildungssysteme: Ich sehe nur kaputte Sachen. Und frage mich, wieso da nicht wie in Frankreich oder Belgien die Leute auf die Straße gehen…. Ach, in diesem Moment fällt mir doch noch ein München-Bezug von mir ein.

Nur her damit!
Im letzten Wahlkampf hat die CSU eins unserer Wahlplakate geklaut, das wir vor der CSU-Zentrale aufgestellt hatten. Darauf war Friedrich Merz zu sehen, mit der Überschrift „Wenn du Trump bei Wish bestellst“. Dieses Plakat verschwand über Nacht. Wir haben wieder eins hingestellt, das ebenfalls verschwand, und noch ein drittes Mal. Dabei hatten wir allerdings einen GPS-Tracker eingebaut und festgestellt, dass das Plakat nur fünf Meter weiter nach Norden gewandert war: in die CSU-Parteizentrale. Wir haben Anzeige erstattet und hinzugefügt, dass Gefahr in Verzug besteht, woraufhin die Polizei die Parteizentrale hätte stürmen müssen. Was sie aber abgelehnt hat. Letztlich stellte sich heraus, dass jemand aus dem gegenüberliegenden Gebäude mitgefilmt hatte. Vollmundig wurde eine Entschuldigung versprochen, auf die ich bis heute warte. Die hole ich mir dann jetzt am Montag ab.

“Die jungen Leute lesen ja nicht mehr” 

Was erwartet nun die Zuschauer im Lustspielhaus?
Eine Art Best-of. Wir bringen die lustigsten Sachen mit, die wir je fabriziert haben. Und da wir alle schon lange im Bühnenbereich tätig sind, wird’s nicht langweilig. Die Reaktionen sind immer sehr lustig. Es gibt ja eine Zurückhaltung bei Comedians, Kabarettisten oder Satirikern. Aber das ist etwas, was wir hingegen nie gelernt haben – und in unserem Alter auch nicht mehr lernen werden. Es gibt bei uns also noch Old-School-Satire: plump, primitiv, lustig.

Wissen Sie, wie alt das „Titanic“-Publikum ist?
Im letzten Heft hatten wir eine Rettungskampagne, da haben wir uns mal die Namen angesehen, und da waren viele Hans-Günthers dabei. Die jungen Leute lesen ja nicht mehr. Bei den Auftritten ist es dagegen eher gemischt. Dadurch, dass wir inhaltlich relativ aggressiv sind, gibt es immer noch diese ein, zwei Millionen in Deutschland, die sich für so etwas interessieren und genug Humor haben sowie intelligent genug sind für das, was wir machen. Diese Anzahl wird es – glaube ich – immer geben. Da kommen auch Jüngere nach.

Montag, 16. März 2026, 20 Uhr (Einlass 18.30 Uhr), Lustspielhaus, Occamstraße 8: „Titanic“-Boygroup: „300,3 Jahre Krawall für Deutschland“, muenchenticket.de

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