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Marktbericht: Eskalation im Nahen Osten erschüttert Finanzmärkte | ABC-Z


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Stand: 02.03.2026 • 07:32 Uhr

Der Ölpreis steigt kräftig an, die Aktien von Reisegesellschaften und Airlines geraten unter massiven Druck – der DAX dürfte nach der Eskalation im Nahen Osten deutlich schwächer in die Handelswoche starten.

Der Traum vom neuen DAX-Rekord ist ausgeträumt: Nach den amerikanisch-israelischen Luftangriffen auf den Iran taxiert der Broker IG den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Start auf rund 24.905 Punkte und damit 1,5 Prozent unter dem Stand vom vergangenen Freitag.

“Ein längerfristiger Konflikt dürfte Ölpreise und Inflation treiben sowie Aktienmärkte belasten, während Staatsanleiherenditen sinken könnten”, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Die Auswirkungen der Eskalation im Nahen Osten sind beim Ölpreis bereits deutlich spürbar. Die Notierungen klettern zeitweise um mehr als sieben Prozent auf den höchsten Stand seit Monaten. Die Anleger befürchten, dass der Öltransport in der wichtigen Förderregion gestört wird. Vor der Straße von Hormus stauen sich die Schiffe: Teheran verbietet die Durchfahrt und beschießt mehrere Öltanker.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich in der Spitze auf 82,37 Dollar, den höchsten Stand seit Januar 2025. Der Preis für US-Leichtöl WTI stieg zeitweise auf 75,33 Dollar und erreichte damit den höchsten Wert seit Juni 2025.

“Mit den Vergeltungsmaßnahmen, die sich nun zu Angriffen auf Öltanker in der Straße von Hormus entwickeln, ist die Bedrohung für die Ölversorgung erheblich gestiegen”, schrieb ANZ-Analyst Daniel Hynes. Die Experten der Citigroup erwarten, dass der Brent-Preis in dieser Woche zwischen 80 und 90 Dollar pro Barrel gehandelt wird.

Das Ölkartell Opec+ hatte am Sonntag eine geringfügige Fördererhöhung beschlossen. Die Nutzung zusätzlicher Kapazitäten sei jedoch “stark eingeschränkt, wenn wichtige Wasserstraßen unpassierbar gemacht werden”, sagte RBC-Capital-Analystin Helima Croft.

Für die Verbraucher dürfte das einerseits zu steigenden Kosten an den Tankstellen führen. Höhere Energiepreise wirken sich aber auf die Produktion aller Produkte und auch in der Landwirtschaft aus. Perspektivisch dürften also die Verbraucherpreise insgesamt steigen.

Sollten sich die Aufschläge beim Ölpreis als nachhaltig erweisen, so werde das eine steigende Inflation rund um den Globus nach sich ziehen, schreibt Jens Klatt, Marktanalyst bei XTB. Auch die energieintensive Industrie wird unter hohen Energiepreisen leiden – die Wachstumssorgen dürften hierzulande und global wieder zunehmen.

Da die Angriffe am Samstagmorgen begonnen haben, waren die großen Börsen weltweit geschlossen – die ersten Reaktionen zeigen sich nun an den asiatischen Börsen. Während es an den Börsen in China vergleichsweise ruhig bleibt, bricht der Nikkei-Index in Tokio um knapp 1,5 Prozent ein. Das Land ist in besonderer Weise von Ölimporten abhängig, ein Preis-Schock träfe die japanische Wirtschaft besonders stark.

Betroffen sind zwar die Aktien aller Branchen, vor allem aber fallen die Titel von Fluggesellschaften. Schließlich sind mehrere zentrale Airports derzeit geschlossen. Die Flughäfen der Golfregion dienen als Drehkreuze für den asiatischen Flugverkehr, die Auswirkungen treffen Verbindungen und Fluggesellschaften weltweit.

Die Papiere von Cathay Pacific, Qantas Airways, Singapore Airlines und Japan Airlines gaben um mehr als fünf Prozent nach. Die Aktien von Qantas fielen zeitweise um mehr als zehn Prozent.

Insgesamt lässt sich beobachten, dass die Investoren in ihren Portfolios umschichten. Wie häufig in Krisenzeiten sind jetzt als sicherer geltende Anlagen wie Gold oder US-Dollar gefragt. Der Goldpreis macht einen Sprung nach oben, die Feinunze wird inzwischen wieder mit mehr als 5.340 Dollar gehandelt.

Auch die US-Währung legt zu. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Kosten von Öl und anderen Rohstoffen.

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