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Mangelware Quark und Skyr im Supermarkt: Finger weg von meinen Grundnahrungsmitteln! | ABC-Z

S chon wieder alle Regale leer? Zustände wie 2020 zu pandemischen Hamsterkaufzeiten herrschen seit Wochen in vielen deutschen Supermärkten. Nur dass statt Klopapier, Speiseöl und Mehl plötzlich die Mopro-Abteilung geplündert wird. Mit Mopro sind, sprechfaule Leute von Fach und Welt wissen das, Molkereiprodukte gemeint. Konkret betroffen sind Quark und das aus Island stammende und auch bei uns beliebte Mopro Skyr.

Und warum? Weil Influencer dem halben Internet eingetrichtert haben, dass man diese Produkte gerade unbedingt in rauen Mengen zu verschlingen hat, weil sie so furchtbar gesund sind und superleckaaa.

Teilweise mag das ja stimmen; Quark und Skyr haben kaum Fett und viel Eiweiß, was wichtig ist, um unsere Muskeln und Knochen zu kräftigen. Zum Teil ist es auch dreist gelogen. Insbesondere Magerquark schmeckt säuerlich und sonst nach nicht viel, außerdem hinterlässt er ein fades, trockenes, irgendwie pelziges Mundgefühl. So etwas isst man doch nicht!

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Eigentlich hatte das die Mehrheit der Menschen auch verinnerlicht und ließ schön die Finger von dem Zeug, was zur Folge hatte, dass Quark nie zum trendigen Lifestyleprodukt hochgejazzt wurde. Doch seit vergangenem Sommer gehen mehr und mehr Rezepte in den sozialen Netzwerken viral. Quark oder Skyr statt Milch in alle Teigrezepte ergibt proteinreiches Gebäck, Quark oder Skyr mit Tiefkühlfrüchten fettfreies Eis. Quark oder Skyr mit Keks: hmmm, ein schneller, günstiger, gesunder Käsekuchenersatz! Und besonders pervers: Quark mit Monster White, einem Energydrink mit Zitrusgeschmack, was je nach Quarkdichte im Glas daherkommt wie Zitronensorbet, Actimel oder Zitronenbuttermilch.

Los ging der Wahnsinn, wie so oft, bei den Amis und Briten, was anfangs kein Problem war, denn die kennen überhaupt keinen Quark. So begnügten sich ihre FollowerInnen auch hierzulande eben mit Greek yogurt oder cottage cheese. Es dauerte Monate, bis irgendwer auf den Trichter kam, dass es bei uns ja auch den viel günstigeren und viel gesünderen Quark gibt. Und so nahm der üble Hype seinen Lauf.

Influencer haben dem halben Internet eingetrichtert, dass man diese Produkte gerade unbedingt in rauen Mengen zu verschlingen hat

In einer Info der Molkereifachwelt heißt es, das Handelspanel des Marktforschungsinstituts Nielsen habe im vergangenen Jahr ein konstant hohes Zuwachsniveau in der Kategorie Quark mit einem Jahresergebnis von plus 7,4 Prozent registriert. Seit Anfang März werde punktuell von leer gekauften Regalen im Mopro-Segment gesprochen. Jedoch lasse sich die gestiegene Nachfrage bislang leicht bedienen. Es sei weder mit Engpässen noch mit Preisveränderungen zu rechnen.

Aber was, wenn das nicht so bleibt? Ich brauche diesen Quark! Ich habe ihn schon immer im Kühlschrank stehen, bin ich doch mit Quarkspeisen aufgewachsen: Quarkkeulchen zum Frühstück, Kräuterquark mit Kartoffeln zum Mittag, Quarkkuchen zum Kaffee, Quarkbrötchen zum Abendbrot und Fruchtquark als Nachtisch. Quark ist mein Grundnahrungsmittel, umso mehr, seitdem auch ich mich bewusst proteinreich ernähre. Und so viele Möglichkeiten der Eiweißzufuhr habe ich nicht, denn mir schmecken weder Tiere noch Hülsenfrüchte – und Haferflocken in äquivalenten Mengen sind mir zu teuer. Ein Quarkengpass träfe mich dementsprechend hart, härter als die Ölkrise. Schließlich fahre ich Rad und heize nicht mehr, was also schert mich euer Krieg?

So liebäugele ich mit zwei Optionen, der Quarkflation entgegenzutreten. Entweder stelle ich DIY-Quark her. Zwar habe ich kein Labenzym zu Hause, das für gewöhnlich die Milch in Eiweiß und Molke trennt, aber Zitronensaft oder Apfelessig sollen einen ähnlichen Dienst tun. Drei Esslöffel Säure lassen erwärmte Milch ausflocken, sodass man nach ein paar Stunden Ruhezeit die Molke durch ein Baumwolltuch abgießen können soll. Zurück bleibt purer Quark.

Oder aber ich sorge für ein Ablenkungsmanöver und starte einen neuen viralen Hit, dem das Internet künftig hinterherhechelt. Am besten mit irgendwelchen Ladenhütern, die vorher kein Schwein beachtet hat. In Instantkartoffelpüree gegarte Innereien mit einem crunchy Topping aus Dosenchampignons und Salzstangen sind nämlich gerade deeer Hit in den USA, weil supergesund und superleckaaa. Haben Sie’s gewusst?

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