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Mallorca: Merkwürdige Ortsbezeichnungen auf Karten- und Wetterapps – Gesellschaft | ABC-Z

Selig die Zeiten, in denen man aus dem elterlichen Bücherregal den in blauen Stoff eingebundenen Atlas hervorholte und sich Seite für Seite in die weite Welt träumte. Man überlegte, wer wohl in Udacnyi im mittelsibirischen Bergland wohnen mag, ob die Tonga-Inseln am Rande des Süd-Fidschi-Beckens wirklich so exotisch sind, wie sie klingen, fragte sich beim Blättern, wo in Europa sich eigentlich Andorra oder San Marino verstecken. Mit dem Finger über gezeichnete Gebirge fahrend, entdeckte man sie, in einer kleinen Schrift gedruckt für die Ewigkeit – man muss das jetzt leider so staatstragend formulieren, denn Ortsnamen sind, in Zeiten dieser wilden Digitalisierung, offenbar auch nur noch Schall und Rauch.

Wer jedenfalls Anfang dieser Woche auf der Apple-Wetter-App wissen wollte, ob es am Ballermann gerade nicht nur party-, sondern auch temperaturmäßig heiß hergeht, bei dem ploppte „Betrunkene“ als Ortsangabe auf. In vollkommener Nüchternheit stand da dann zum Beispiel: „Betrunkene, Palma, 23 Grad, meist bewölkt, Sonne erwartet um ca. 15 Uhr. Windböen mit bis zu 16 km/h.“

Screenshot Apple-Wetter-App

Ja, Geräte denken nicht, und so tauchte auch auf der Apple-Karten-App zwischen „Bierkönig“ und dem „Hotel Paradiso Garden“ ein neuer Teil von El Arenal auf, der „Betrunkene“.

War hier ein mallorquinischer Pumuckl am Werk gewesen? Ein technikaffiner Urlauber? Jedenfalls wütete er, sie oder es auch auf Google Maps und erfand dort eine „Carrer dels Alemanys Borratxos“, eine „Straße der betrunkenen Deutschen“, direkt vor dem „Megapark“, laut Instagram-Selbstbeschreibung „Mallorcas Partytempel Nr.1.“. Ganz lustige Vorstellung: Urlauber, die am Flughafen in Palma ahnungslos dem Taxifahrer diese Adresse unter die Nase halten.

Auch Wolfgang Kubicki aka das Urgestein der Liberalen weilte übrigens über die Ostertage offenbar auf Mallorca. In gesteppter Rentnerweste und gespiegelter Sonnenbrille stellte er der Bild-Zeitung ein Foto von sich beim Tanken auf der Deutschen liebsten Insel, wie es immer so schön heißt, zur Verfügung und ließ sich auftrumpfend zitieren: „Ich tanke hier Super für 1,55 Euro!“ Subtext: Nehmt das, Merz, Klingbeil, Reiche, warum kriegen die Spanier das mit dem Spritpreis hin und ihr nicht?

Die FDP wiederum, und hier schließt sich der Kreis, befindet sich in einem ähnlich schwankenden Zustand wie ein Betrunkener – und sucht jetzt nicht nur nach einem neuen Vorsitzenden (der Westenträger hat sich dafür schon in Stellung gebracht), sondern auch nach einem neuen Namen – zumindest wenn es nach dem baden-württembergischen FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke geht, der einen „klaren Schnitt“ für seine Partei fordert, bei dem es keine „Denkverbote“ geben dürfe. Ja klar, warum dann nicht gleich den ganzen Laden umbenennen?

Nur in was? Die „WKP“, die Wolfgang-Kubicki-Partei? So ein personalisierter Parteiname ging allerdings schon bei Sahra Wagenknecht schief, mit der man vermutlich wenig gemein haben möchte. Folgerichtiger wäre – nein, das hat jetzt mal nichts mit Alkohol zu tun – einfach: „Die 5-Prozent-Partei“.

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